Kommt jetzt die Einheitsgenossenschaft? Heute sagt die Migros, wie sie sich effizienter aufstellen will
Die komplizierte Struktur mit zehn Regionalgenossenschaften bremst den Detailhändler im Kampf gegen Coop und die Discounter. Nun schlägt die Migros-Spitze grundlegende Veränderungen vor.
26.10.2026, 07.45 Uhr
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Bei der Migros zeichnet sich eine neue Struktur ab.
Martin Ruetschi / Keystone
Spätestens Anfang 2024, als die Migros einen Stellenabbau und den Verkauf sowie die Schliessung von Tochterfirmen und Ladenformaten angekündigt hatte, wurde auch der Öffentlichkeit klar: Beim Detailhändler liegt einiges im Argen, und es kann nicht mehr so weitergehen wie bisher.
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Doch der zentrale Punkt für die Ineffizienz der Migros, die komplizierte Struktur mit zehn Regionalgenossenschaften, blieb unangetastet – bis jetzt. Denn wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich schrieb, plant die Migros-Spitze mit Konzernleiter Mario Irminger und Verwaltungspräsidentin Ursula Nold eine radikale Vereinfachung dieses Gebildes.
Unterdessen hat sich das weiter konkretisiert: Laut den Zeitungen von Tamedia vom Wochenende plant die Führung nichts weniger als die Schaffung einer Einheitsgenossenschaft. Dieser sollen die verschiedenen Geschäftseinheiten unterstellt werden.
Alles unter einem Dach
Neben dem Kern mit den Migros-Supermärkten sind das weitere Geschäfte wie der Discounter Denner, der Onlinehändler Galaxus, die Industrie, die Migros Bank und die Aktivitäten im Gesundheitsbereich.
Wie das Konstrukt im Detail aussehen könnte, dürften die Migros-Verantwortlichen vermutlich am Montagvormittag an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz in Bern darlegen.
Laut dem Tamedia-Artikel könnte das Supermarktgeschäft inklusive Online-Supermarkt künftig in sechs Logistikregionen aufgeteilt werden. Diese wären dann alle der Migros Supermarkt AG unterstellt. An diese Tochtergesellschaft haben die Regionalgenossenschaften bereits heute verschieden Kompetenzen abgetreten.
Einsparungen durch Stellenabbau
Insgesamt suggeriert der Text Einsparungen in der Grössenordnung von 300 bis 400 Millionen Franken – nicht zuletzt darum, weil in der Administration der Regionen Stellen wegfallen würden. Solche Effizienzgewinne wären für die Migros wichtig, um im aktuellen Preiskampf mit der Konkurrenz mithalten zu können.
Die Basis für eine Auflösung der Regionalgenossenschaften hat die Delegiertenversammlung, also das Migros-Parlament, vor knapp einem Jahr gelegt. Im November 2025 stimmte sie der «Vision 2035» zu.
In dem Papier heisst es explizit: «Unsere Organisation und Struktur ist mit klaren Aufgaben und Verantwortlichkeiten optimal auf das Erreichen unserer Ziele ausgerichtet. Dabei streben wir nach Effizienz und Vereinfachung, um nachhaltig konkurrenzfähig und erfolgreich zu sein.»
Coop tat es vor 25 Jahren
Die Schaffung einer Einheitsgenossenschaft wäre eine solche Vereinfachung. Wie das geht, hat die Hauptkonkurrentin Coop schon vor 25 Jahren vorgemacht. Sie hat 2001 ihre Regionalgenossenschaften unter der Führung des damaligen Chefs Hansueli Loosli fusioniert.
In den vergangenen Jahren hat die Migros bereits verschiedentlich die Kooperation zwischen den Regionalgenossenschaften vorangetrieben. So legt beispielsweise die Migros Tessin ihre Logistik mit jener der Migros Luzern zusammen. Ebenso haben die Westschweizer Migros-Genossenschaften Genf, Neuenburg-Freiburg, Waadt und Wallis ihre Logistik aber auch das Marketing gebündelt.
Doch während der Entscheid zu dieser Art von Kooperationen in der Migros selbst getroffen werden konnten, ist das bei der Fusion oder Auflösung von Regionalgenossenschaften anders. Hier müssten jeweils die Migros-Genossenschafterinnen und -Genossenschafter in einer Urabstimmung zustimmen.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Dieter Bachmann
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