Kommentar
Die Sicherheitskräfte erleben erneut ein Debakel. Die grüne Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart ist gefordert.
02.11.2026, 16.59 Uhr
3 Leseminuten
Die Stadtpolizei war am Samstag stets einen Schritt zu spät.
Christian Beutler / Keystone
Wieder schlagen Krawallanten zu, wieder lässt die Zürcher Stadtpolizei sie gewähren. Das zumindest ist der Eindruck, wenn man die Bilder der Nacht auf Sonntag von der Langstrasse sieht: Schwarz gekleidete junge Männer schleppen Container, Tische, Stühle, E-Bikes und E-Scooter auf die Strasse, zünden Leuchtpetarden und stecken das Ganze in Brand. So errichten Chaoten Barrikaden im Kreis 4.
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Haltestellen der VBZ beim Helvetiaplatz werden zertrümmert, Schaufenster werden demoliert oder ganz eingeschlagen. Ein parkierter Tesla geht in Flammen auf. Die Randalierer attackieren eine Coop-Filiale, kriechen durch das Loch im Schaufenster hinein und plündern die Brottheke.
Und wie bei den Krawallen beim Hardplatz vor wenigen Wochen können sie all das ungestört tun. Die ersten Sirenen dieser Nacht waren erst zu hören, als bei der Kasernenwiese eine dieser Barrikaden lichterloh brannte und meterhohe Flammen in den Nachthimmel schossen. Erst danach fuhren Wasserwerfer der Stadtpolizei vor und versuchten, die Randalierer auseinanderzutreiben.
Polizeitrupps in Schutzmontur taten es den blauen Fahrzeugen gleich. Sie waren stets einen Schritt zu spät. Die Sicherheitskräfte gaben erneut kein gutes Bild ab.
Debakel im Strassenkampf
Gewiss, der Einsatz war schwierig. Samstagabend in der grössten Ausgehmeile der Stadt: Natürlich hatten die Sicherheitskräfte da mit vielen Unbeteiligten zu rechnen auf den Strassen. Aber die Argumentation der Stadtpolizei, dass zwischen Chaoten und den üblichen Partygängern kaum zu unterscheiden gewesen sei, überzeugt nicht. Man hätte bereits beim Auftakt-Rave der «Veranstaltung» bei der Piazza Cella präsent sein und Gesellen mit eindeutigen Absichten identifizieren können.
Aber so konnten sich die späteren Krawallanten unbeobachtet zusammenrotten, Raketen, Böller, Pflastersteine und Flaschen in Einkaufswagen mitbringen und sich von der Menge bejubeln lassen. Danach konnte der harte Kern dieser «All cops are bastards»-Strassenparty seine Halloween-Kostüme ablegen, Schutzbrillen gegen Tränengas montieren und zum Angriff übergehen.
Genauso also, wie es Aufrufe von Linksradikalen auf Instagram und anderen Plattformen seit Tagen angekündigt hatten.
In der folgenden Strassenschlacht mit den Vermummten erlebte die Stadtpolizei ein ziemliches Debakel. Die Halbstarken mit ihren Böllern und Raketen nutzten das «Gelände» gnadenlos zu ihren Gunsten aus: schnell auftauchen, die Polizei unter Beschuss nehmen, und schnell wieder davonrennen. Man hatte sich offenbar aufgeteilt, um die Ordnungshüter an mehreren «Fronten» zu beschäftigen. So konnten die Krawallanten erst recht davon ausgehen, dass die zersplitterten Sicherheitskräfte niemanden festnehmen werden.
Schluss mit Kuschelkurs
All das sind keine guten Signale – zumal eine frühe Intervention laut Sicherheitsexperten durchaus möglich gewesen wäre. Es kann nicht sein, dass die Stadtpolizei darauf verzichtet, Krawallbrüder einzukesseln, weil man «unbeteiligte» Partygänger von dieser Massnahme verschonen will. Solange die Sicherheitskräfte unter der grünen Stadträtin Karin Rykart so argumentieren, werden sie den Vorwurf, man fahre gegenüber Linksextremen einen Kuschelkurs, nie loswerden.
Zumal die von der Stadtpolizei zu Hilfe gerufene Kantonspolizei bewiesen hat, dass es auch anders geht: Sie verhaftete zwei bewaffnete junge Schweizer, die gerade dabei waren, auf einer Baustelle weiteres Material für die Krawalle einzusammeln.
Mit Repression hat das nichts, mit vernünftiger, präventiver Polizeiarbeit sur place jedoch sehr viel zu tun. Diese Haltung sollte für die Stadtpolizei der Massstab sein. Auch im rot-grünen Zürich. Recht und Ordnung muss auch in der Langstrasse gelten, auch in Partynächten. Es kann nicht sein, dass dieser Grundsatz alle paar Wochen von ebenso unverbesserlichen wie verwöhnten Gewalttätern mit Füssen getreten wird. Die Stadtpolizei darf nicht zur Lachnummer verkommen. Das muss allen Verantwortlichen klar sein – egal welcher Parteifarbe.
Der nächste brenzlige Einsatz kommt bestimmt – spätestens am 20. November. An diesem Tag haben die Juso und weitere Organisationen zu einem «Jugendstreik gegen Austerität und Militarisierung» aufgerufen. In Zürich soll es eine Kundgebung vor dem Landesmuseum geben. Für nihilistische Chaoten der linksextremen Szene ist das eine Steilvorlage. Auch wenn diese Zeitgenossen keinerlei Anlass brauchen, um zuzuschlagen. Die Aussicht auf «groovy riots» allein genügt. Wie in der Nacht auf Sonntag im Kreis 4.
Es ist eine bedenkliche Entwicklung in der ach so toleranten Party-Stadt.
Krawallanten in Zürich schaffen Material für Barrikaden heran.
Robin Schwarzenbach / NZZ
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Robin Schwarzenbach
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