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Dreiergipfel in China: Die Welt wird sich Washington, Peking und Moskau nicht unterwerfen
Mitte November wollen sich die Präsidenten Putin, Xi und Trump in China zum Dreiergipfel treffen. Doch Europa sollte sich nicht zu sehr fürchten. Russland ist schwach, und China bleibt auf seine Handelspartner rund um den Globus angewiesen.
29.10.2026, 05.30 Uhr
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Eine Kunstausstellung auf der Krim zeigt Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping im Februar 2025 in einem Triptychon vereint. Bald könnte ein solches Gipfeltreffen Realität werden.
Alexey Pavlishak / Reuters
Präsident Trump legt sich in den letzten Tagen des Wahlkampfs für die Kandidaten der Republikanischen Partei ins Zeug. Das ist verständlich, hat er doch die Wahl explizit auch zum Votum über sich selbst erklärt.
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Trotz fast täglichen Wahlkampfauftritten zwischen Kansas, Texas und Ohio scheinen Trumps Gedanken jedoch eher in die weite Welt zu schweifen. Dort ist viel los. Ausgelöst durch den hohen Weltmarktpreis für Diesel, der auch die Budgets von Bauern und Transportunternehmen in den USA belastet und die Inflation antreibt, hat Trump Anfang Oktober einen neuen Verrat an der Ukraine und ein Bündnis mit Russland eingeleitet.
Die USA sind geschwächt
Vergangene Woche kam zudem die Idee eines Dreiergipfels mit Xi, Putin und Trump Mitte November in China auf, die in Washington auf Sympathie stösst. Schliesslich wird in Washington die Möglichkeit geprüft, den abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zum neuen Uno-Generalsekretär zu machen – mit der Zustimmung der von Orban in der Vergangenheit stets als Verbündete behandelten Präsidenten Xi und Putin.
Die von Strategen in Trumps Umfeld entwickelte Vision eines Bündnisses der drei mächtigsten Militär- und Atommächte USA, China und Russland scheint Gestalt anzunehmen. Die drei Mächte sollen laut dieser Theorie ihre jeweiligen Einflusszonen abstecken, respektieren und den Rest der Welt dominieren, soweit dies ihren Interessen entspricht.
Es ist kein Zufall, dass der aus Moskau lancierte Vorstoss zu dem Dreiergipfel zu einer Zeit kommt, in der sich Trumps Macht auf dem Rückzug befindet. Die Zustimmung zu seiner Amtsführung ist in den USA auf einem Tiefpunkt, die Bevölkerung ächzt unter der Inflation. Die hohen Zinsen belasten Konsumenten und Unternehmen, die grassierende Selbstbereicherung in Trumps Zirkeln kommt nicht aus den Schlagzeilen.
Auch aussenpolitisch läuft es nicht gut. Der versprochene Frieden in der Ukraine lässt auf sich warten, der Krieg gegen Iran schwelt weiter. Die amerikanischen Streitkräfte sind geschwächt, die globalen Energiemärkte angespannt. Die traditionellen Alliierten der USA sind höchst irritiert, das weltweite Ansehen des Landes zerfällt.
China braucht die Globalisierung
Die Gefahr ist deshalb nicht von der Hand zu weisen, dass die gewieften Machthaber in Peking und Moskau versuchen werden, diese Schwächephase der USA auszunützen. Trump serviert ihnen dazu die Gelegenheit gewissermassen auf dem Silbertablett, mit der Ukraine als grösstmöglichem Opfer. Doch es ist zweifelhaft, ob daraus die finsteren Träume von Trumps Strategen über die neue Weltordnung Realität werden.
Die Sowjetunion war im Kalten Krieg noch Weltmacht und Gegenspieler der USA. Doch dieses Reich ist längst untergegangen. Heute ist Russland eine Regionalmacht, die vom Krieg in Europa, von autoritärer Herrschaft und Misswirtschaft geschwächt ist. Moskau kann über sein eigenes riesiges Territorium hinaus wenig Einfluss auf die Welt nehmen. Mit dem Angriff auf die Ukraine begab es sich in ein enges Abhängigkeitsverhältnis zu China, welches das Land mit Konsumgütern und Nachschub für die Rüstungsindustrie versorgt. Auf Augenhöhe mit Xi bewegt sich Putin nicht.
Peking dagegen weitet seine Einflusssphäre geschickt auf die ganze Welt aus. Es rüstet zwar kräftig auf, verzichtet aber weitestgehend auf Waffengewalt. Der Aufstieg zur Weltmacht wird durch offensive Diplomatie, eine überwältigende Exportstärke und ein dichtes weltweites Handelsgeflecht vorangetrieben. China ist der grösste Profiteur der Globalisierung. Das macht es verletzlich.
Chinas Exporterfolg ist auf Handelspartner rund um den Globus angewiesen. Und die asiatischen Nachbarn sowie die EU sind deutlich grössere Märkte als die USA oder Russland. Ohne diese Partner stiesse Chinas Aufstieg rasch an Grenzen, die ohnehin kriselnde Wirtschaft im Inland würde einbrechen. Das will die Führung in Peking um jeden Preis vermeiden. Das müssen die mittleren und kleineren Länder nutzen. Sie haben durchaus wirtschaftlichen Einfluss auf Peking, den sie auch geltend machen sollten – in erster Linie die Europäische Union.
Auch in den USA ist trotz Trump keineswegs ausgemacht, dass sich das Land zum Partner eines Bündnisses mit den grössten Diktaturen dieser Welt machen möchte. Während Trump eine brutale – und kurzsichtige – Interessenpolitik vorantreibt und im Maga-Lager ein seltsamer Hass auf Europa grassiert, ist diese Haltung keineswegs repräsentativ für ganz Amerika. Trumps seltsame Sympathien für Putin und Xi treffen bei den meisten Amerikanern auf Befremden. Sie sind kein nachhaltiger Pfeiler der amerikanischen Aussenpolitik.
Die neue Weltordnung wird viele Pole haben, stärkere und schwächere. Internationale Regeln haben zwar an Durchsetzungskraft eingebüsst, doch die Interessen und Ressourcen sind weiterhin so vielfältig um den Globus verteilt, dass die drei grössten Militärmächte nicht einfach über die Welt verfügen können.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Peter Rásonyi
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