Kommentar
Abstimmung über Alterswohnungen in Zürich: Mehr starre Regeln werden das Wohnungsproblem nur verschärfen
Die Stadt Zürich soll in ihren Liegenschaften fix 20 Prozent Alterswohnungen bauen. Dieser Vorschlag löst das zentrale Problem auf dem Wohnungsmarkt jedoch nicht.
07.11.2026, 05.07 Uhr
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Viele Senioren leben von einer kleinen Rente und suchen eine Alterswohnung.
Gaëtan Bally / Keystone
Wer wenig verdient, stösst bei der Wohnungssuche in der Stadt Zürich schnell an seine finanziellen Grenzen. Das gilt insbesondere für Seniorinnen und Senioren, die von einer kleinen Rente leben, aber gut ausgestattete, barrierefreie Wohnungen suchen. Die Nachfrage nach vergünstigtem Wohnraum ist in dieser Altersgruppe besonders gross: In städtischen Wohnungen leben doppelt so viele Menschen über 60 Jahre wie in der Bevölkerung.
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Die SVP will jetzt mit einer Initiative erreichen, dass die Stadt in jeder städtischen Siedlung 20 Prozent der Wohnungen für Menschen ab 60 reserviert. Was gut gemeint scheint, ist ein Irrweg: Neue Gesetze machen den Wohnungsmarkt starrer, das Bauen noch komplizierter, als es ohnehin schon ist. Der Vorschlag wird den Wohnungsmangel verschärfen. Das wird zum Nachteil für alle – auch für Senioren.
Der Staat soll nicht alles machen
Gewiss braucht es mehr Wohnungen für alte Menschen. Senioren haben besondere Bedürfnisse, denen Rechnung getragen werden soll. Doch sollte nicht primär der Staat dafür verantwortlich sein, dieses Angebot zu schaffen.
Ein grosser – und wachsender – Teil des Vermögens in der Bevölkerung konzentriert sich bei den Pensionierten. Viele von ihnen können sich die Mietzinse auf dem freien Markt leisten, sie sind für Vermieter eine lukrative Zielgruppe.
Der Staat sollte sich, wenn schon, um jene Senioren kümmern, die sich trotz lebenslanger Arbeit kaum eine Wohnung leisten können. Eine fixe Quote verteilt den Zugang zu vergünstigten Wohnungen aber nach Alter statt nach Notwendigkeit.
Pensionierte sind überdies nicht die Einzigen, die besondere Ansprüche an ihren Wohnort haben: Alleinstehende, Alleinerziehende oder kinderreiche Familien sind zum Beispiel ebenso auf passende, günstige Wohnungen angewiesen. Doch wollte man für jede Gruppe eine eigene Quote einführen, würde der Wohnungsmarkt endgültig gelähmt.
Zudem sind immer mehr Wohnungen ohnehin für Senioren geeignet, da die Anforderungen an die Barrierefreiheit auch bei gewöhnlichen Wohnungen hoch sind. Spezielle Ausstattung – ein Notfallsystem, Griffe in den Duschen zum Beispiel – kann auch in gewöhnlichen Wohnungen nachgerüstet werden. Der wichtigste Grund, Wohnungen einzig für Senioren zu reservieren, fällt damit weg.
Diese Quote bringt nur Bürokratie
Auch für eine gute soziale Durchmischung städtischer Siedlungen wird diese Initiative nicht sorgen. Eine gute Hausverwaltung achtet bei der Vermietung immer darauf, dass ein Haus oder eine Siedlung sozial durchmischt ist; die Stadt sollte das besonders tun.
Muss die Stadt dies aber bereits bei einem Bauprojekt sicherstellen – und obendrein jährlich einen Bericht zum Thema verfassen –, ist die primäre Auswirkung der Initiative: mehr Papier. Schon heute dauert es im Durchschnitt 330 Tage, bis ein Bauprojekt wirklich umgesetzt werden kann. In einer Zeit, in der vor allem eines gebraucht wird – mehr Wohnungen, und zwar schnell –, ist das verheerend. Zusätzliche Quoten werden die Prozesse verlängern und den Wohnungsmangel verschärfen.
Ebenso wenig nützen wird das zusätzliche Budget, das die linke Mehrheit im Stadtparlament der Stiftung für Alterswohnungen der Stadt Zürich mittels Gegenvorschlag zusprechen will. Zum einen ist die Stadt stark verschuldet und kann sich diese 100 Millionen Franken gar nicht leisten. Zum anderen schöpft die Stadt ihr Budget für Wohnungskauf und -bau schon heute nicht aus: Von 600 Millionen Franken hat sie 2025 nur 277 Millionen Franken ausgegeben. Mehr Geld wird das Problem der Wohnungsknappheit in der Stadt nicht lösen.
Was der Wohnungsmarkt braucht, sind schnellere Verfahren, mehr Wohnungen, einfacheres Bauen. Diese Initiative und ihr Gegenvorschlag behindern genau das. Sie gehören abgelehnt.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Andrea Marti
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