Kampf ums Bundesratsticket «Eine Bundesratswahl ist kein Sprint, sondern ein Marathon»

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Sieben Kandidaten und eine Kandidatin möchten die Nachfolge von SVP‑Bundesrat Guy Parmelin antreten. Zwei oder drei werden von der SVP-Fraktion Ende November offiziell der Bundesversammlung zur Wahl am 9. Dezember vorgeschlagen. Kommunikationsexperte Stefan Batzli brachte als Wahlkampfleiter Beat Jans in den Bundesrat. Er verrät im Interview, worauf es jetzt ankommt.

Stefan Batzli

Kommunikationsexperte

Stefan Batzli ist Kommunikationsexperte und Lobbyist bei CRK Kommunikation.

SRF News: Es gibt acht Kandidierende. Was heisst das für eine Kampagne?

Stefan Batzli: Das Wichtigste ist die Differenzierung. Die Kandidaten und Kandidatinnen müssen sich auf das fokussieren, was sie auszeichnet – und auch auf das, was sie von den anderen unterscheidet. Und dann konsequent ihre Stärken kommunizieren.

Worauf kommt es für die Kandidierenden in den nächsten Wochen an?

Es gibt zwei Phasen: In der Phase eins muss man die Fraktion überzeugen. Um das Vertrauen zu gewinnen, muss man aufzeigen können, dass man die DNA der Partei wirklich verinnerlicht hat und hundertprozentig dazugehört. In der zweiten Phase muss man das Parlament überzeugen. Hier ist der Rollenwechsel entscheidend. Man muss aufzeigen, dass man kollegial regieren kann und das Parteibuch nicht immer erste Priorität hat.

Wenn es irgendwelche Leichen im Keller gibt, dann muss man sich genau überlegen, wie man reagieren wird, wenn diese publik werden.

Was sind die grössten Stolpersteine in den nächsten Wochen?

Sicher ist die persönliche Vergangenheit ein grosses Thema. Wenn es irgendwelche Leichen im Keller gibt, dann muss man sich genau überlegen, wie man reagieren wird, wenn diese publik werden. Weiter wird es gar nicht goutiert, wenn man sich gegenüber Mitbewerbenden angriffig gibt. Und auch wenn man aktuell noch ein Amt bekleidet, darf man dort keinesfalls nachlassen.

Zu welcher Strategie raten Sie im Umgang mit Medien ?

Man muss sicher selektieren, man hat ja ein klares Narrativ vor Augen, wie man sich präsentiert haben will. Das entscheidet dann auch darüber, über welche Kanäle man welche Merkmale kommuniziert. Wichtig ist immer auch das Bewusstsein zu haben, dass nicht das Fernsehpublikum einen wählt, sondern das Parlament. Dies aber natürlich im Wissen, dass das, was extern kommuniziert wird, auch auf die Stimmung im Parlament zurückspielt.

Legende: Das Bundesratssitzungszimmer – das Zentrum der Macht in der Schweiz. Hier fällt die Landesregierung ihre Entscheidungen. Keystone/Peter Schneider

Und wie überzeugt man das Parlament?

Die Kandidierenden müssen versuchen, mit möglichst vielen Parlamentsmitgliedern direkt ins Gespräch zu kommen. Das ist vor allem Beziehungsarbeit. Es ist aber nicht machbar, alle 246 Personen direkt zu adressieren. Deshalb ist ein grosses Netzwerk an Fürsprecherinnen und Fürsprechern möglichst in allen Fraktionen wichtig.

Eine Bundesratswahl ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es braucht entsprechend viel Energie und Ausdauer.

Man muss also nicht nur inhaltlich überzeugen, sondern auch mit sozialen Kontakten das Eis brechen?

Ja, genau. Vor allem für Kandidierende, welche die parlamentarischen Kontakte nicht haben, ist das wichtig. Kandidatinnen und Kandidaten, die aus dem Parlament kommen und schon Exekutiverfahrung mitbringen, die sind da natürlich ideal positioniert. Auch wenn es manchmal eine Lücke gibt zwischen der Regierungstätigkeit und der Parlamentsvergangenheit. Das kann man aber wieder aufholen und auffrischen.

In aller Kürze, was sind jetzt die wichtigsten Punkte für Kandidierende, die es schaffen wollen?

Erstens: Man braucht eine klare Vorstellung von sich selbst. Die eigene Marke muss einem bekannt sein und man muss sie konsequent vermitteln. Zweitens: Man braucht Fürsprecher in der Fraktion und dann in der Bundesversammlung. Drittens: Es braucht extreme Disziplin, man darf keine Fehler machen. Und viertens: Eine Bundesratswahl ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es braucht entsprechend viel Energie und Ausdauer.

Die Fragen stellte Pascal Schmitz.

10vor10, 23.10.2026, 21.50 Uhr ;  srf/fulu;koua

Source: SRF · 24.10.2026, 08:00

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