- Joshua Wong wurde in Hongkong zu weiteren zehn Jahren Haft wegen Absprache mit ausländischen Kräften verurteilt.
- Dem 30-Jährigen wird vorgeworfen, im Ausland für Sanktionen gegen Hongkong und China lobbyiert zu haben.
- Menschenrechtsorganisationen und Taiwan verurteilen das Urteil scharf als autoritäre Verfolgung.
Ein Gericht in Hongkong hat den prominenten Demokratie-Aktivisten Joshua Wong zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der 30-Jährige, der bereits seit fast sechs Jahren im Gefängnis sitzt, wurde auf Grundlage des 2020 von Peking verhängten Sicherheitsgesetzes wegen Absprache mit ausländischen Mächten verurteilt.
Wong erschien ruhig zur Urteilsverkündung, trug ein blaues Hemd sowie seine markante Brille und winkte Unterstützern im Saal zu. Durch die Verlängerung könnte er bis zu seinem 40. Lebensjahr in Haft bleiben. Seine Anhänger riefen ihm zu: «Wir werden auf dich warten.»
Wong hatte im September auf schuldig plädiert, womit er einer möglichen lebenslangen Freiheitsstrafe entging. Eigentlich sollte er im Januar freikommen, nachdem er eine Strafe von vier Jahren und acht Monaten wegen «Subversion» verbüsst hatte.
In einem Brief an das Gericht, in dem er um Strafmilderung bat, schrieb Wong, er habe auf eine Entlassung im Jahr 2027 gehofft. Die neuen Vorwürfe gäben ihm jedoch das Gefühl, wieder am Anfang zu stehen. Seine Zukunft werde nicht von der Vergangenheit bestimmt – die Jahre hinter Gittern seien die prägendsten Lektionen seines Lebens gewesen. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Dutzende Personen unter massiver Polizeipräsenz.
Vorwurf des internationalen Lobbyings
Im Juni 2025 erhoben die Behörden erneute Anschuldigungen gegen Wong sowie gegen den im Exil lebenden Ex-Abgeordneten Nathan Law. Die Anklage warf ihnen vor, ausländische Staaten um Sanktionen gegen China und Hongkong ersucht zu haben.
Unter anderem reisten sie 2019 in die USA, um sich für den «Hong Kong Human Rights and Democracy Act» einzusetzen. Zudem soll Wong Medien genutzt haben, um zu Blockaden oder feindlichen Massnahmen gegen die Führung aufzurufen. Steve Li von der nationalen Sicherheitspolizei begrüsste das Urteil und erklärte, die Bemühungen Wongs um Sanktionen hätten sich als vergeblich erwiesen.
Scharfe internationale Reaktionen
Human Rights Watch stufte das Urteil als «grausam und ungerecht» ein und forderte gezielte Sanktionen gegen Verantwortliche in Hongkong. Der taiwanische Rat für Festlandangelegenheiten (MAC) warf Peking vor, mit autoritären Instrumenten fabrizierte Vorwürfe zu nutzen, um Grundrechte zu unterdrücken.
Beobachter werten das Urteil als politisches Signal: China wolle an Wong ein Exempel statuieren und unmissverständlich klarmachen, dass es keine Rückkehr zu den liberalen Zeiten vor 2019 geben werde.
Source: SRF · 05.11.2026, 09:18
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇨🇭 CH
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira