Jetzt muss auch noch beim Auslandangebot gschmürzelt werden. Durch eine schwierige Woche mit der SRG
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft steht, einmal mehr, im Kreuzfeuer der Kritik. Doch der Support alter Freunde ist ihr auch jetzt gewiss.
04.11.2026, 15.44 Uhr
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Sparen, sparen, sparen heisst es bei der SRG. Jetzt kürzt der Bundesrat auch das Angebot für die Auslandschweizer.
CLAUDIO THOMA/keystone-sda.ch
In hübschen Werbespots, in hochglänzenden Beiträgen kann man wunderbar inszenieren, wie sich eine Transformation eines Grossbetriebs gestalten lässt.
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Das weiss auch die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). Der grossangelegte Umbau läuft, fast schon frenetisch begleitet, unter dem Motto «Enavant». Vorwärts wird es also gehen – und das erst noch motiviert. Das klingt prächtig.
An Selbstvertrauen mangelt es am Leutschenbach ohnehin eher selten. Das wuchtige Nein zur Halbierungsinitiative im März dieses Jahres verlieh den Verantwortlichen wohl noch zusätzliche Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein.
Ruhiger ist es um die SRG seither allerdings nicht geworden. Die Realität ist manchmal düster. Da hilft auch kein Hochglanz-Filter. Der Betrieb muss sparen.
Das gefällt nicht allen. Ausgerechnet jene Unterstützer, die in alarmistischen Tönen vor einer Gebührensenkung gewarnt haben – als stünde die Schweiz vor dem Verlust der Demokratie –, giften seit Wochen gegen die SRG.
Die neue Führungsstruktur, die unter anderem zum Weggang der umstrittenen, für ihre einseitig israel-kritische Haltung auch schon gerügte Auslandchefin Susanne Brunner geführt hat: ein Skandal!
Die (tatsächlich leicht fehlerhafte) Berichterstattung über die kommende Abstimmung zum Kriegsmaterialgesetz: ein Missstand!
Und sowieso, das Schönreden des Sparkurses: Was erlaubt sich eigentlich die SRG?
Meistens ganz vorne dabei bei den verbalen Angriffen sind Vertreter der Sozialdemokratischen Partei (SP). Die vermeintlich besten Freunde mobilisierten für die Generalkritik die prominentesten Köpfe. Über die mangelhafte Berichterstattung zum Kriegsmaterialgesetz beschwerte sich Co-Präsidentin Mattea Meyer öffentlichkeitswirksam in den Medien.
Fertig japanisch – und portugiesisch
Das Klima ist rau. In dieser Woche haben sich die dunklen Wolken noch einmal verdichtet. Es gibt Kritik an der SRG, weil Hans Jucker, das ehemalige Aushängeschild, noch Jahrzehnte beim Schweizer Fernsehen arbeiten durfte, obschon er ein verurteilter Sexualstraftäter war. Zudem wurde bekannt, dass auch ein weiterer wegen einer Sexualstraftat verurteilter (jedoch mittlerweile freigestellter) Mitarbeiter im Jahr 2022 einen Job bekam.
Am Mittwoch hat der Bundesrat nun auch noch die Leistungsvereinbarung des Bundes mit der SRG über das Auslandangebot (für die kommenden vier Jahre) genehmigt. Auch in dieser sind Einsparungen vorgesehen. Die SRG teilt mit, dass das Budget von 18,8 Millionen auf 10,5 Millionen Franken reduziert werden muss.
Auf «Swissinfo» werden deswegen die portugiesisch- und japanischsprachigen Angebote eingestellt. Und die Plattform «tvsvizzera.it» wird nicht weiterbetrieben. Für die betroffenen Mitarbeiter gibt es Sozialpläne.
Immerhin (und speziell für Feingeister und Fans von Nischenprogrammen eine gute Nachricht): Die Zusammenarbeit mit «TV5MONDE» und «3sat» wird fortgeführt. Es erstaunt daher nicht, dass die SRG in ihrer Medienmitteilung einigermassen entspannt wirkt.
Und auch auf ihre alten Freunde kann sich die SRG wieder einmal verlassen. Kaum wurde der Entscheid des Bundesrates kommuniziert, meldete sich die profilierteste Medienpolitikerin der SP, Min Li Marti, stellvertretend für die Partei zu Wort: Albert Rösti missachte den Willen des Parlaments. Das Vorgehen sei nicht haltbar. Und demokratie- und medienpolitisch fatal.
Die Schweizer, auch jene im Ausland, bräuchten «in Zeiten geopolitischer Spannungen und gezielter Desinformation eine glaubwürdige Stimme in der Welt». Kurz: Der Bundesrat solle doch bitte die Kürzungen im Auslandangebot wieder zurücknehmen.
Ob diese – unrealistische – Forderung für die SRG bereits als Lichtblick in einer düsteren Woche durchgeht? Für einen Hochglanz-Werbespot in eigener Sache dürfte es wohl noch nicht ganz reichen.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Sebastian Briellmann
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