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In den Zwischenwahlen sind die Republikaner in der Defensive. Warum sich ihre Verluste dennoch in Grenzen halten könnten

Voraussichtlich werden die Demokraten am Dienstag die Mehrheit im Repräsentantenhaus und eventuell sogar im Senat zurückgewinnen. Doch es gibt Faktoren, die den Republikanern helfen können.

02.11.2026, 05.30 Uhr

6 Leseminuten


Die Wahlbeteiligung ist entscheidend: Teilnehmer einer republikanischen Wahlveranstaltung in Iowa, wo Präsident Donald Trump auftrat, um seine Anhänger zu begeistern.

Die Wahlbeteiligung ist entscheidend: Teilnehmer einer republikanischen Wahlveranstaltung in Iowa, wo Präsident Donald Trump auftrat, um seine Anhänger zu begeistern.

Anna Moneymaker / Getty

Es könnte diese Woche eine «blaue Welle» über die USA schwappen. Das ist die fast einhellige Erwartung der amerikanischen Wahlprognostiker. Die Farbe Blau steht für die Demokraten, Rot für die Republikaner. Im Moment ist alles rot in Washington: Die Republikaner stellen den Präsidenten und haben in beiden Kongresskammern die Mehrheit. Das dürfte sich bald ändern.

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Regierungsparteien haben es bei den ersten Midterms nach einer Präsidentschaftswahl generell schwer. Dieser Trend ist bis auf wenige Ausnahmen eine Konstante in der sonst relativ unberechenbaren amerikanischen Politik. Zudem verheisst die schlechte Stimmung in der Bevölkerung nichts Gutes für Donald Trumps Partei.

Die Inflation, die hohen Benzinpreise, die teuren Hypotheken, der Iran-Krieg und der Handelsstreit mit Kanada erregen Unwillen. Das Thema Korruption beschäftigt laut Gallup 89 Prozent der Bevölkerung. Die harte Migrationspolitik der Trump-Regierung hat die wichtige Wählergruppe der hispanischen Bürger verstört; die hektische Neuziehung von Wahlbezirken in den Südstaaten erzürnt die Afroamerikaner. Trumps Beliebtheitszahlen liegen tiefer als bei allen Präsidenten der letzten beiden Jahrzehnte in der gleichen Phase ihrer Amtszeit.

Die Mehrheit der Wähler wünscht sich im Kongress offenbar ein Korrektiv zur Trump-Regierung. Laut Prognosen verlieren die Republikaner deshalb am Dienstag höchstwahrscheinlich die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die Wahlforscher des «Cook Political Report» haben in den vergangenen Wochen immer mehr Abgeordnetensitze dem demokratischen Lager zugeordnet. Sie gehen von einem Zugewinn von 12 bis 25 Sitzen für die Demokraten aus. Im Senatsrennen räumen sie beiden Parteien annähernd gleiche Chancen auf die Mehrheit ein, mit einem leichten Vorteil für die Demokraten.

Die Wahlforscher Nate Silver vom «Silver Bulletin» und Harry Enten von CNN geben den Demokraten sogar eine Chance von 71 bis 78 Prozent, die Senatsmehrheit zu gewinnen. Auf dem Prognosemarkt Polymarket wurde am Sonntag eine demokratische Senatsmehrheit mit der Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent gehandelt.

Aber es gibt auch Stimmen, die vor einer falschen Einschätzung der Lage warnen. «Ich befürchte, dass wir eine Überhitzung der Erwartungen haben», sagte Molly Murphy gegenüber der «New York Times». Die demokratische Meinungsforscherin arbeitete 2024 für Joe Biden und Kamala Harris. Ihr republikanischer Kollege Patrick Ruffini warnte in «Politico» vor Kurzschlüssen: «Wir können das Umfeld akkurat beschreiben, aber die Karte falsch interpretieren.» Die Demokraten seien in deutlich weniger Bezirken und Teilstaaten konkurrenzfähig als angenommen, sagt Ruffini. Diese vorsichtige Lesart stützt sich auf verschiedene Faktoren.

Präsident Trump hat im Wahlkampf der Republikaner eine Hauptrolle gespielt, obwohl er so unbeliebt ist wie noch nie. Aber seine Fans sind ihm treu.

Präsident Trump hat im Wahlkampf der Republikaner eine Hauptrolle gespielt, obwohl er so unbeliebt ist wie noch nie. Aber seine Fans sind ihm treu.

Alex Brandon / AP

Zementierte Parteienlandschaft

Die Hürden für die Demokraten in diesen Zwischenwahlen bleiben im Senatsrennen hoch. Zur Wahl stehen 35 der insgesamt 100 Senatssitze. Als hart umkämpft gelten nur 5 bis 7 Sitze. Die Demokraten müssen die offenen Sitze in New Hampshire und Michigan behalten. In Georgia verteidigen sie einen Sitz. Für eine Mehrheit müssen sie insgesamt 4 Sitze gutmachen, zum Teil in stark konservativen Teilstaaten, in denen Trump 2024 mit Abstand gewann.

In den Umfragen führen die demokratischen Kandidaten in Texas, Alaska, Iowa, Ohio und Kansas, was zeigt, wie bedrängt die Republikaner selbst auf konservativem Terrain sind. Doch die Abstände liegen oft innerhalb der Fehlermarge. Dass die Demokraten sämtliche dieser Kopf-an-Kopf-Rennen gewinnen, ist zwar statistisch möglich, aber nicht wahrscheinlich.

Die Schwerkraft des politischen Systems hilft den Republikanern auch im Repräsentantenhaus. Immer weniger Wahlbezirke sind wirklich umkämpft – bloss etwa 40 bis 50 der insgesamt 435 Wahlbezirke. Es gibt in den USA immer weniger echte Wechselwähler, da auch die meisten Unabhängigen eine klare Parteipräferenz äussern. Zudem haben regierende Parteien die Wahlbezirke in ihren Teilstaaten so zugeschnitten, dass es ihnen nützt. Durch dieses sogenannte Gerrymandering sind immer mehr Abgeordnetensitze zu Reduits der einen oder anderen Partei geworden.

Das aggressive Gerrymandering der Republikaner in diesem Jahr verstärkt diese Tendenz. Die Republikaner haben sich gemäss einer AP-Modellrechnung damit einen Puffer von bis zu 1,4 Prozentpunkten geschaffen. Laut Harry Enten von CNN brauchen die Demokraten national sogar bis zu 4 Prozentpunkte Abstand, um im Repräsentantenhaus die Mehrheit zu gewinnen.

Demokraten haben auch Probleme

Präsident Trumps Unbeliebtheit im Volk ist ein Faktor, der die Republikaner zweifellos belastet. Das heisst aber nicht, dass die Demokraten in der Wählergunst gestiegen sind. Die Partei ist noch unbeliebter als der Präsident und seine Partei. Nur 28 Prozent der Wähler gaben in der jüngsten Umfrage der «New York Times» und der Siena University an, mit der Demokratischen Partei zufrieden zu sein.

Die Republikaner versuchen, daraus politisches Kapital zu schlagen. Sie stellen demokratische Kandidaten als Linksextremisten dar, die das Land in eine «sozialistische Hölle» verwandeln wollen. Besonders wirksam könnte diese Negativtaktik in Wahlkämpfen sein, in denen tatsächlich sehr linke Kandidaten nominiert wurden, wie etwa Abdul El-Sayed in Michigan.

Der arabischstämmige Kandidat ist ein radikaler Israelgegner und wird selbst im eigenen Lager des Antisemitismus beschuldigt. Die proisraelische Demokratin Haley Stevens, die gegen El-Sayed in den Vorwahlen verlor, geht sogar soweit, den republikanischen Gegenkandidaten Mike Rogers zur Wahl zu empfehlen. Auch in Maine haben die Demokraten ein Problem mit der Qualität ihres Kandidaten. Sie schickten einen Ersatzmann für ihren ursprünglichen Kandidaten ins Rennen, der wegen Vorwürfen sexueller Gewalt ausgeschieden war. Der Gewerkschafter Troy Jackson müht sich nun ab, der Bisherigen Susan Collins ihren Sitz abzujagen. Sollten die Demokraten diese Wahlkämpfe verlieren, geriete die Mehrheit im Senat wohl ausser Reichweite.

Im hohen Norden, im republikanischen Alaska, schwächt ein Politskandal die chancenreiche demokratische Senatskandidatin Mary Peltola zu später Stunde. Ihre Kampagne manipulierte die Kandidatenliste, um republikanische Wähler zu verwirren.

Wenden sich die Latino-Wähler wieder den Demokraten zu? Teilnehmer einer Voto-Latino-Kundgebung für die Demokraten James Talarico, Gina Hinojosa und Bobby Pulido in Texas.

Wenden sich die Latino-Wähler wieder den Demokraten zu? Teilnehmer einer Voto-Latino-Kundgebung für die Demokraten James Talarico, Gina Hinojosa und Bobby Pulido in Texas.

Michael Gonzalez / AP

Mobilisierungsmaschine Donald Trump

Wer seine Basis am besten mobilisiert, siegt. Umfragen können zwar die Absichten der Wähler abschätzen. Aber am Wahltag kann es Überraschungen geben: Die einen bleiben zu Hause, oder Wähler, die sonst nur selten abstimmen, gehen plötzlich in die Wahllokale.

Trump gewann zwei Präsidentschaftswahlen nicht zuletzt dank Wählern, die ihr Stimmrecht selten ausüben. Das ist der Hauptgrund, weshalb die Wahlforscher 2016, 2020 und 2024 die Siegeschancen von Trump und den Republikanern unterschätzt haben. Vor zwei Jahren wurde laut dem Branchenverband AAPOR der Stimmenanteil der Demokraten um 2,7 Prozentpunkte überschätzt, 2020 waren es nicht weniger als 4,6 Punkte. Die Republikaner hoffen, dass sich auch dieses Mal am Wahltag die Prognosen als falsch erweisen.

Es kann auch sein, dass die Stimmbeteiligung im demokratischen Lager geringer ist als erwartet. Bei den für die Demokraten wichtigen Gruppen wie den Latinos, den Afroamerikanern und den jungen Wählern mangelt es bei den Zwischenwahlen oft an Disziplin. Es gibt Hinweise darauf, dass es dieses Jahr anders sein könnte: Laut den demokratischen Datenanalysten von Catalist ist die Zahl der bereits abgegebenen Briefwahlstimmen rekordhoch.

Auf der anderen Seite verfügen die Republikaner mit Donald Trump über eine mächtige Mobilisierungsmaschine. Seine Basis folgt ihm weiterhin. Der republikanische Präsident nahm in den vergangenen Wochen an Dutzenden Rallys teil. «Bitte tut so, als ob ich zur Wahl stünde», fordert er seine Wähler immer wieder auf. Damit will er den Midterm-Nachteil ausbügeln. Der Plan könnte laut David Kochel, einem republikanischen Wahlkampfstrategen aus Iowa, aufgehen: «Trump wird in den republikanisch geprägten Staaten wahrscheinlich einiges bewirken können, wenn er dort auftritt», sagte er gegenüber Bloomberg. Im Mittleren Westen gebe es immer noch mehr Republikaner als Demokraten.

Geldschwemme in letzter Minute

Die Republikaner setzen darauf, dass ihnen Trump aus der Patsche helfen wird. Das Risiko, dass gemässigte Republikaner in Swing-Bezirken das Nachsehen haben könnten, nehmen sie bewusst in Kauf.

Für ihre Schlussoffensive stehen ihnen dank schwerreichen Geldgebern die Mittel zur Verfügung. Elon Musk allein hat den Republikanern die atemberaubende Summe von mehr als 445 Millionen Dollar gespendet. Bei den Demokraten steuerten George Soros und Michael Bloomberg je über 100 Millionen Dollar bei. Sogenannte Super-PAC pumpten im Oktober nochmals hohe Summen in den Wahlkampf. Diese Organisationen dürfen unbegrenzt Spenden entgegennehmen und für Wahlwerbung ausgeben, ohne die Herkunft des Geldes zu deklarieren. So fliesst sogenanntes Dark Money in die Wahlkämpfe.

Allerdings konnten die demokratischen Kandidaten insgesamt mehr direkte Geldspenden entgegennehmen, die auf jeweils 7000 Dollar begrenzt sind. Insgesamt flossen noch nie so astronomische Summen in einen Kongress-Wahlkampf, voraussichtlich 12 Milliarden Dollar.

Die Solvenz der Republikaner in der Schlusskurve des Wahlkampfs könnte matchentscheidend werden. Mit Geld allein gewinnt man zwar nicht. Es kann aber Kandidaten in knappen Rennen helfen, doch noch als Erste über die Ziellinie zu kommen. Darauf hoffen republikanische Wackelkandidaten wie Ken Paxton in Texas.

Der republikanische Senatskandidat Ken Paxton ist mit einer Reihe von Skandalen in Texas aufgefallen. Er hofft, mithilfe von Präsident Trump und schwerreichen Geldgebern gegen seinen demokratischen Gegner James Talarico zu siegen.

Der republikanische Senatskandidat Ken Paxton ist mit einer Reihe von Skandalen in Texas aufgefallen. Er hofft, mithilfe von Präsident Trump und schwerreichen Geldgebern gegen seinen demokratischen Gegner James Talarico zu siegen.

Mike Segar / Reuters

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Isabelle Jacobi

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