Hitzeresistentes Gemüse Warum die Schweiz plötzlich ein Auge auf die Augenbohne wirft
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Der Hitzesommer 2026 hat vielen Gemüsesorten zugesetzt. Eine Pflanze hat die Trockenheit aber erstaunlich gut weggesteckt: Die Augenbohne.
Am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) in Frick laufen Versuche, um die Augenbohne fit für Schweizer Äcker zu machen. Foodexpertin Esther Kern erklärt, was die Hülsenfrucht kann und wie man sie in der Küche verwendet.
Esther Kern
Food-Expertin
Esther Kern ist Food-Journalistin und Buchautorin. Als «Veggie-Scout» beschäftigt sie sich mit Gemüse, Nischenkulturen und der Ganzpflanzenküche. Für ihre Initiative «Leaf to Root», die sie 2014 lanciert hat, wurde sie mehrfach international ausgezeichnet. Für Radio SRF 1 ist sie Food-Expertin und stellt in der Sendung «A point» regelmässig Rezepte und nachhaltige Lebensmittel vor.
SRF: Was sind Augenbohnen?
Esther Kern: Optisch sind die Kerne weiss und haben einen schwarzen Fleck. Das sieht ein wenig aus wie ein Auge – daher der Name. Domestiziert wurde die Augenbohne ursprünglich in Afrika, wo die Sommer natürlich viel heisser und trockener sind als bei uns.
In der Schweiz sucht man Pflanzen, die auch in heisseren Sommern gut wachsen.
Nach Europa kam sie schon vor über 2000 Jahren, lange bevor die Gartenbohne aus Amerika eingeführt wurde – allerdings eher in Länder, in denen es ebenfalls heiss ist: Griechenland, Italien oder Portugal. Botanisch gehört sie zur Gattung Vigna. Das ist eine andere Gattung als die unserer Gartenbohnen, zu denen etwa die Borlotti gehören.
Warum interessiert man sich in der Schweiz plötzlich für die Augenbohne?
Weil man Pflanzen sucht, die auch in heisseren Sommern auf Schweizer Äckern gut wachsen. Man geht davon aus, dass es bei uns noch mehr trockene Sommer geben wird.
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Bild 1 von 3. Überblick über den FiBL-Feldversuch mit verschiedenen Augenbohnen, Mitte August 2026 in Full-Reuenthal. Bildquelle: FiBL / Monika Messmer.
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Bild 2 von 3. Geöffnete Augenbohnenhülse mit reifen Samen. Bildquelle: FiBL / Eva Föller.
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Bild 3 von 3. Frisch geerntete grüne Hülsen der Augenbohne werden für die FiBL-Kantine verwendet. Bildquelle: FiBL / Seraina Vonzun.
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Die Augenbohne verträgt Hitze und Trockenheit, deshalb macht man jetzt Feldversuche.
Wie wehrt sich die Pflanze gegen Hitze und Trockenheit?
Das Spezielle an der Augenbohne ist, dass sie ihre Blätter kippen kann – so, dass die Sonne nicht mehr direkt darauf scheint. Dann verdunstet viel weniger Wasser. Sie kann die Sonne also austricksen.
Wie haben sich die Pflanzen in diesem Sommer geschlagen?
Am Fibl in Frick laufen Versuche mit der Augenbohne.
Mit Augenbohnen kann man Salate, Eintöpfe, Burger oder Hummus machen.
Ich habe mit den Verantwortlichen gesprochen: Im Sommer 2026 sind die Augenbohnenpflanzen trotz der Trockenheit hervorragend gewachsen.
Die Pflanze braucht aber Wärme – und die gibt es bei uns nicht immer.
Darum geht es jetzt in der Züchtung: Ziel sind Pflanzen, die zum Beispiel auch etwas kühlere Nächte vertragen. Das war beispielsweise im Sommer 2025 der Fall, als die Pflanzen begannen, ihre Hülsen abzuwerfen.
Kulinarisch ist die Augenbohne sehr interessant.
Deshalb selektiert man nun Jahr für Jahr die Pflanzen, die mit dem Schweizer Klima gut zurechtkommen. Bis es Saatgut gibt, das man im grösseren Stil auf Schweizer Äckern aussäen kann, dauert es laut Fibl acht bis zehn Jahre. Man denkt da also weit voraus.
Was kocht man mit Augenbohnen?
Man kann Eintöpfe damit machen, aber auch Salate. Ich war an einem Workshop am Fibl, da gab es Augenbohnen-Burger. Das Team vom Fibl empfiehlt Hummus: Statt Kichererbsen einfach gekochte Augenbohnen mit Olivenöl, Knoblauch, Zitronensaft, Tahini, Kreuzkümmel und Salz mixen.
Zutaten
- 250g getrocknete Augenbohnen
- 2–4 Knoblauchzehen
- 250g Tahini
- 6 Bio-Zitronen
- 50ml Olivenöl
- 1–2 TL Kreuzkümmel
- 1 TL Salz
Zubereitung
- Augenbohnen über Nacht einweichen und abspülen. Sie lassen sich auch ohne Einweichen kochen, brauchen dann aber länger.
- Augenbohnen in frischem Wasser ganz weich kochen, zum Beispiel im Dampfkochtopf.
- Abgiessen und abspülen, einige Bohnen für die Dekoration beiseitelegen. Die restlichen Bohnen mit dem Saft von 5 Zitronen, dem Olivenöl, den zerdrückten Knoblauchzehen, Salz und Kreuzkümmel im Mixer glatt pürieren.
- Über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Mit den ganzen Augenbohnen und Stücken der sechsten Zitrone (mit Schale) garnieren.
Rezept: Thomas Oberhänsli, Fibl
Spannend finde ich, dass man zum Beispiel in Afrika nicht nur die Kerne nutzt. Die Blätter werden als Blattgemüse gekocht, ähnlich wie Spinat. Und die grünen Hülsen kann man jung auch essen, also wie bei grünen Gartenbohnen. Kulinarisch finde ich das sehr interessant.
Gibt es Augenbohnen schon zu kaufen?
Aktuell sind die Bohnen importiert. Finden kann man getrocknete Augenbohnen im Internet, im Bio-Fachhandel oder in indischen und afrikanischen Läden.
Im Supermarkt gibt es sie manchmal vorgekocht in der Dose, oft bei den portugiesischen Spezialitäten unter dem Namen «Feijão Frade». Und vielleicht kann man sie bald einmal in kleineren Mengen da und dort in Hofläden kaufen.
Das Gespräch führte Adrian Küpfer.
Radio SRF 1, «A point», 19.10.2026, 15:15 Uhr ; jdu;rama
Source: SRF · 27.10.2026, 09:18
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