Radio ist ein flüchtiges Medium. Es sei denn, es wird aufgezeichnet. Im Archiv von SRF schlummern über 1,5 Millionen Audio-Files. Anlässlich des Welttags des audiovisuellen Erbes hat Sophie Stäger vom SRF-Archiv nach Perlen getaucht.

Thomas Edison: Urvater der Audiotechnologie

Welcher ist eigentlich der älteste Ton im SRF-Audio-Archiv? Es ist eine Selbstaufnahme von Thomas Edison, datiert mit «1880 oder 1888». Er erzählt eine Anekdote über einen Leberkranken. Wieso SRF diesen Ton hat, wisse man nicht, sagt Sophie Stäger. Gleichwohl sei es eine Perle.

Denn was viele nicht wissen: Der «Glühbirnenerfinder» Edison hat 1877 auch den Phonographen erfunden. Es war das erste Gerät, das Klänge aufzeichnen und wieder abspielen konnte. «Unvorstellbar heute, aber zuvor gab es Musik und Gespräche nur im Eins-zu-eins.»

Die älteste Eigenproduktion

1926, zum Sendestart des Radiostudios Basel, hielt Radiopionier Hans Zickendraht die Eröffnungsrede. Die Aufzeichnung ist der älteste noch erhaltene Radioinhalt der Schweiz.

Fast spannender als der Inhalt ist die Entstehungsgeschichte. Der Sendestart musste nämlich verschoben werden. «Das Radio nutzte dieselbe Frequenz wie der Flugplatz. Da ein Flugzeug Verspätung hatte, konnte das Studio Basel noch nicht auf Sendung gehen.»

Dreisprachige Sportschaltungen

Ab den 1930er-Jahren berichtete Reporter Vico Rigassi von Sportanlässen. Er tat dies zeitgleich auf allen drei Landessendern und wechselte fliessend zwischen Deutsch, Italienisch und Französisch. Das gab es zuvor und danach wohl nie mehr. Vielleicht in Zukunft wieder?

Stäger weiss: «Er wurde damals auch angefeindet, wenn sich Sprachregionen zu wenig repräsentiert fühlten.» Aus heutiger Sicht seien Rigassis Sendungen wahre Perlen.

Winston Churchill: Die historische Europa-Rede

«Wenn ich das höre, habe ich einen Moment Weltgeschichte auf den Ohren. Da bekomme ich Gänsehaut.» 1946, nur ein Jahr nach Kriegsende, propagiert Winston Churchill ein vereinigtes Europa.

Seine berühmte Rede an der Universität Zürich endet mit den Worten «Let Europe arise!». Ein 80-jähriges Zeitdokument, das bis heute nachklingt.

Radiogrüsse von der Fussball-WM 1950

Heute zückt man das Smartphone, schickt ein Lebenszeichen. 1950 grüssten Auslandschweizer aus Brasilien ihre Verwandten via Radio. Und baten sie, wieder mal einen Brief zu schreiben.

Noch faszinierender aber ist die Geschichte hinter der Geschichte: Die Aufnahmen wurden damals mit der Nati in die Schweiz geflogen. Doch Radio Beromünster hatte Studioferien. Danach mussten die amerikanischen Tonbänder auf Schweizerisch überspielt und gesichtet werden. Bis die Grüsse am Radio kamen, vergingen zwei Monate.

Promis und ihre ersten Interviews

Das Audio-Archiv enthält auch Aufnahmen von Persönlichkeiten, bevor sie bekannt wurden. Das älteste Dokument von Roger Federer zum Beispiel ist ein Radiointerview. Der 14‑jährige Federer erzählt 1996, dass er gerne mal vom Tennis leben würde.

Nationaltrainer Murat Yakin erzählte 1992 im Regionaljournal Basel, dass er noch zu jung sei, um einen Vertrag zu unterschreiben.

Und auch mit Politikern lässt sich im Archiv auf Zeitreise gehen. Einen gewissen Christoph Blocher aus Meilen hörte man 1975 am Radio als Kenner von Jeremias Gotthelf.

Und Alt-Bundesrat Ueli Maurer sprach 1983 im Regionaljournal über die katastrophalen Auswirkungen des heissen Sommers. Er war damals Landi-Vorstand.

Das Radioarchiv ist wahrlich das kulturelle Gedächtnis der Schweiz der letzten hundert Jahre.

Logo mit rotem Rechteck und weissem Text auf schwarzem Hintergrund.

Das SRF Archiv kümmert sich um das audiovisuelle Kulturerbe der Schweiz. Fast alle Schätze sind zugänglich. Hier können Sie weiter stöbern und sich auf Zeitreisen begeben:

Source: SRF · Fabio Flepp

At a glance

Topic
World
Country
🇨🇭 CH
Publisher language
DE
Added to Allnira