Hightech in Rüstungsindustrie Schweizer Firmen sind im Markt für Kriegsdrohnen vorne mit dabei
Drohnen sind das grosse neue Ding der Rüstungsindustrie. Wie es Schweizer Unternehmen gelingt, vorne mitzumischen.
05.11.2026, 08:51
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Die Ingenieure des Freiburger Start-ups Volatorix haben einen Prototyp einer Abfangdrohne entwickelt, die es in sich hat: Sie kann 500 Kilometer pro Stunde schnell fliegen und das schrille Summen einer feindlichen Drohne orten, um sie im Flug zu zerstören. Und vor allem: Sie bewegt sich ohne jegliche direkte menschliche Steuerung.
«Die Intelligenz, die wir entwickeln, zielt darauf ab, die Maschine vollständig autonom zu machen», präzisiert Morgan Scyboz, einer der Gründer des Start-ups. «Man schliesst die Drohne an, drückt auf einen Knopf, sie hebt ab, führt ihre Mission allein aus und landet wieder, wenn sie nichts angetroffen hat.»
Das Gerät soll dazu dienen, strategische Standorte zu schützen: Depots, Elektrizitäts- oder Atomkraftwerke, Staudämme oder Rechenzentren – alles bevorzugte Ziele in militärischen Konflikten.
So funktioniert die Abfangdrohne des Start-ups Volatorix:
«Alle Länder sind in Aufruhr wegen der geopolitischen Situation», bestätigt Florian Broye, der andere Mitgründer des Unternehmens. «Unsere Drohne ist darauf ausgelegt, eine Antwort auf den Wahnsinn zu bieten, den wir heute sehen.»
In nur acht Monaten seit der Gründung hat Volatorix seine Aufträge vervielfacht, und es beteiligt sich an zahlreichen Ausschreibungen in der Schweiz und im Ausland.
Nachfrage übertrifft Angebot
In Paudex (VD) entwickelt die Gesellschaft Flyability seit 2014 zivile Inspektionsdrohnen. Sie sind dafür konzipiert, in komplexen Umgebungen wie Bergwerken, Raffinerien, Abwasserkanälen oder Schiffsrümpfen zu operieren, damit sich dort nicht Menschen Risiken aussetzen müssen. Doch das Unternehmen steht heute vor einem Mangel an Ersatzteilen, insbesondere an wesentlichen Komponenten wie Mikroprozessoren, Kameras, Übertragungssystemen und Motoren.
«Die Mengen haben enorm zugenommen», bestätigt Unternehmenschef Patrick Thévoz. Das hänge teilweise mit dem Krieg in der Ukraine zusammen. Und er ergänzt: «Teile, die in Stückzahlen von einigen Hundert produziert wurden, werden jetzt zu Zehntausenden nachgefragt.»
Buhlen um gute Fachkräfte
Bisher rechnete man mit etwa zehn Jahren, um ein neues militärisches Flugobjekt zu entwickeln. Die Dringlichkeit der internationalen Konflikte hat diesen Zyklus beschleunigt und einen Sog geschaffen, der die Innovation der Start-ups belebt. In der Schweiz sind derzeit fast 80 Unternehmen an diesem Wettlauf beteiligt.
Die Schweizer Armee will bis 2028 ein eigenes Drohnenbataillon schaffen. Doch die Entwicklung geht langsam voran. Gemäss dem Militärexperten der Universität Zürich, Mauro Mantovani, haben Militärs den Ruf, sich auf den Krieg von gestern vorzubereiten. Die Schweiz bilde da keine Ausnahme.
«Panzer und Artillerie sind weitgehend überholt, ebenso wie Kampfflugzeuge», argumentiert Mantovani. «Es sind die autonomen Systeme, elektronische Waffen und Hyperschallwaffen, die nun das moderne Schlachtfeld prägen.» Dafür brauche es ganz andere Investitionen. «Aber die alten Lobbys – ich nenne sie die ‹Heavy-Metal-Fraktion› – bleiben mächtig.»
Nach Ansicht des Experten braucht es auch mehr Überzeugungsarbeit bei der Bevölkerung. Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer fühle sich militärisch nicht bedroht und sei überzeugt, dass die Armee bereits über ausreichende Mittel verfüge.
«Wir befinden uns bereits ein wenig im Krieg, aber wir wissen es noch zu wenig», betonte auch Verteidigungsminister Martin Pfister. «Wir müssen besser verstehen, was geschieht. Wir wissen, dass es sehr viele Überflüge gibt, aber oft wissen wir nicht, wer dahintersteckt.»
Armeechef Benedikt Roos gibt eine Vorstellung über das Ausmass des Bedarfs: «Im Moment haben wir 200 Drohnen. Wir werden kurzfristig 2000 haben, aber wir brauchen viel mehr.»
Zum Vergleich: Die ukrainische Armee verbraucht derzeit 15'000 Drohnen pro Tag.
Der Hauptproduzent französischer Kampfdrohnen, die Gruppe Harmattan, hat sich in einem diskreten Gebäude in Crissier, in der Lausanner Agglomeration, niedergelassen. Dort rekrutiert er massiv Fachkräfte, die von der ETH Lausanne ausgebildet werden. Dieses Reservoir an Expertinnen und Experten für Digitalisierung und künstliche Intelligenz wird also zumindest teilweise von den europäischen Aufrüstungsbemühungen aufgesogen.
Einige der Start-ups fühlen sich allerdings durch die Schweizer Neutralität in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschränkt. Das Zürcher Unternehmen Auterion, das auf die Entwicklung von Betriebssystemen für autonome Schwärme von Angriffsdrohnen spezialisiert ist, hat deswegen seine Aktivitäten teilweise nach Deutschland und in die USA verlagert. Von dort aus will es künftig ohne Einschränkungen den Markt der Nato-Mitglieder beliefern können.
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RTS, Basik, 2.11.2026, 20:10 Uhr;liea
Source: SRF · Serge Enderlin / RTS
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