Hängepartie in Neuseeland: Sicher ist nur der Vorname des Premierministers

Die Parlamentswahl endet ohne klares Ergebnis. Weil die grossen Volksparteien schrumpfen, wird eine Quereinsteigerin möglicherweise zur Königsmacherin.

08.11.2026, 13.42 Uhr

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Der neuseeländische Premierminister Christopher Luxon kommentiert das knappe Wahlergebnis.

Der neuseeländische Premierminister Christopher Luxon kommentiert das knappe Wahlergebnis.

Bianca De Marchi / Imago/AAP

Neuseeland steht vor einer unübersichtlichen Regierungsbildung. Keine der grossen Volksparteien, weder die konservative National Party von Premierminister Christopher Luxon noch die oppositionelle Labour Party von Christopher Hipkins, konnte bei der Wahl am Samstag eine klare Mehrheit der Stimmen für sich verbuchen. Beide Parteien blieben unter 30 Prozent.

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Labour kommt gemäss Hochrechnungen auf 29,2 Prozent der Stimmen, stellt damit aber nur 35 Sitze. Die konservative National Party liegt bei 29,3 Prozent, sichert sich wegen eines Vorsprungs bei den Direktmandaten in den Wahlkreisen jedoch 42 Sitze. Einige wichtige Minister, unter ihnen Finanzministerin Nicola Willis, schafften es aber nicht wieder ins Parlament.

Für die unklare Lage verantwortlich ist laut Oliver Hartwich, Leiter der Denkfabrik The New Zealand Initiative, dass «keine der beiden Parteien begeisterte». Die Unterschiede zwischen den politischen Angeboten seien für viele Wählerinnen und Wähler kaum noch erkennbar.

Vor allem eine schwache Wirtschaft und hohe Lebenshaltungskosten führten zu Unzufriedenheit im Land und teilweise zu einer Abwanderung ins benachbarte Australien. Die wirtschaftlichen Probleme reichen dabei in die Vorgängerregierung zurück. Die Corona-Politik der Labour-Regierung unter Jacinda Ardern verursachte höhere Staatsausgaben. Hartwich spricht deswegen davon, dass Neuseeland noch heute unter den Folgen eines wirtschaftlichen «Long Covid» leide.

Magere Bilanz der Regierung

2023 hatte National mit dem Versprechen gewonnen, die Staatsfinanzen und die Wirtschaft wieder zu sanieren. Doch die Regierung kann dabei kaum Erfolge vorweisen: Ein Haushaltsüberschuss wird erst für 2028/29 erwartet – zwei Jahre später als angekündigt. Das beherrschende Thema für die meisten der 5,3 Millionen Neuseeländerinnen und Neuseeländer sind die Lebenshaltungskosten: Die Inflation übersteigt das Lohnwachstum, und auch das Versprechen sinkender Treibstoffpreise konnte aufgrund des Iran-Konflikts nicht eingelöst werden.

Doch auch der Labour-Chef Hipkins, der nach dem überraschenden Rücktritt von Jacinda Ardern 2023 etwa zehn Monate lang Premierminister war, profitierte kaum von der Schwäche der Regierung. Die eigentlichen Gewinner der Unzufriedenheit wurden deswegen die kleineren Parteien: So erzielten die Grünen laut den Hochrechnungen 13,3 Prozent der Stimmen (16 Sitze), die rechtskonservative ACT knapp 11 Prozent (13 Sitze), die rechtspopulistische New Zealand First 9,8 Prozent (12 Sitze).

Politischer Neuling im Rampenlicht

Um die für eine Mehrheit nötigen 66 Mandate zu erreichen, kommt die künftige Regierung um eine Koalition nicht herum. Dabei könnte überraschend eine politische Quereinsteigerin zur Königsmacherin werden.

Die von Quilae Wong, einer früheren Unternehmensberaterin, geführte Opportunity Party knackte erstmals die 5-Prozent-Hürde und schaffte es ins Parlament. Die 38-Jährige kam erst vor einem Jahr in die Politik. Die in Fidschi geborene Jungpolitikerin präsentierte ein ungewöhnliches Programm: Mit einer Bodenwertsteuer will sie das Horten von Bauland unattraktiv und Wohnraum bezahlbarer machen. Die Steuereinnahmen wiederum sollen ein bedingungsloses Grundeinkommen von jährlich 19 400 neuseeländischen Dollar (rund 10 000 Franken) finanzieren. Die frühere Regierungschefin Helen Clark bezeichnete das Konzept als «Phantasie, die als Politik getarnt ist».

Der bisherige Premierminister Luxon hatte im Wahlkampf eine Zusammenarbeit mit Wong ausgeschlossen. Dennoch gehen Beobachter davon aus, dass die beiden miteinander reden dürften. Es dürften wochenlange Koalitionsverhandlungen bevorstehen.

Source: Neue Zürcher Zeitung · Barbara Barkhausen

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