Hacker verkaufen sensible Spielerdaten des Schweizer Eishockeyverbands

E-Mail-Adressen von Teenagern, Handynummern von Schiedsrichtern: In einem Hackerforum stehen Daten von Swiss Ice Hockey zum Verkauf.

27.10.2026, 11.00 Uhr

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Illustration Anja Lemcke / NZZ

Über 70 000 Personen sind Mitglied der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF), des Dachverbands des Schweizer Eishockeys. Der Verband verwaltet Daten von NHL-Profis wie Nico Hischier genauso wie des Nachwuchses der U-12-Liga. Teile dieser Mitgliederkartei stehen nun in einem einschlägigen Hackerforum zum Verkauf.

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Der anonyme Verkäufer behauptet, dass er Personendaten, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und sogar Bankangaben erbeutet habe. Als Beweis hat er einen Teil der Daten veröffentlicht. Die NZZ hat diese Daten geprüft. Sie scheinen aktuell, echt und heikel zu sein.

Der Datensatz soll 6,9 GB gross sein – ein Hacker verkauft Daten des Hockeyverbands in einem Hackerforum.

Der Datensatz soll 6,9 GB gross sein – ein Hacker verkauft Daten des Hockeyverbands in einem Hackerforum.

Adressen von Kindern
und Schiedsrichtern

Rund tausend Adressen sind in dem Beispieldatensatz enthalten. Darunter auch solche von Kindern, die jüngste betroffene Person ist neun Jahre alt. Bekannt sind nebst Geburtsdatum, Foto, Wohn- und E-Mail-Adresse auch die Notfallkontakte – in diesem Fall jene der Eltern. Auch in welchen Klubs eine Person gespielt hat oder wie viele Tore sie in welchem Spiel geschossen hat, wird in den Daten abgebildet.

Nicht nur Spieler sind betroffen, ebenso stehen Informationen von Trainerinnen und Schiedsrichtern zum Verkauf: die Adresse eines Trainers des Herren-U-20-Nationalteams etwa oder jene eines Schiedsrichterverantwortlichen aus der Zentralschweiz. Von Letzteren sind auch Kontoangaben wie IBAN-Nummern und Abrechnungen enthalten. Ein Schiedsrichter aus dem Kanton Zürich etwa hat in den Monaten März und April eine Entschädigung von 120 Franken erhalten.

Ein weiterer Datensatz enthält technische Informationen über das System: darüber, wer etwa welche Rechte hat oder mit welcher IP-Adresse auf das System zugreift. Nicht enthalten sind Passwörter im Klartext oder Kreditkarteninformationen.

Die Hacker geben an, dass sie Daten von über 87 000 Personen, 9000 Trainerinnen und Trainern, knapp 5000 Schiedsrichtern und 106 000 Informationen über Spiele gestohlen haben. Finn Sulzer, Mediensprecher von Swiss Ice Hockey, bestätigt den Datenabfluss. Die bisherigen Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die angebotenen Daten echt seien und aus den Systemen von Swiss Ice Hockey stammten.

Kompromittiertes Log-in?

Der Verband betreibt mehrere Plattformen, um die verschiedenen Profi- und Amateurligen zu verwalten. Für Schiedsrichter steht das System «Refadmin» zur Verfügung. Links in den gestohlenen Daten zeigen oft auf dieses System. Gut möglich, dass dies der Einstiegspunkt der Hacker war.

Am Beginn eines Hackerangriffs stehen oft gestohlene oder im Darknet gekaufte Log-in-Daten. Sind die Hacker im System drin, können sie mit automatisierten Abfragen ganze Datenbanken exportieren.

Auch Swiss Ice Hockey geht von diesem Vorgehen aus. «Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden die Systeme nicht direkt angegriffen. Vielmehr könnten die Daten über ein kompromittiertes Benutzerkonto abgegriffen worden sein», so Sulzer. Die Abklärungen zu dem Vorfall und zu seinem Umfang seien weiterhin im Gange. Gemäss dem Verband sind Sicherheitsmassnahmen ergriffen und die zuständigen Behörden informiert worden. «Eine Strafanzeige wird folgen. Zudem werden die Nutzerinnen und Nutzer des betroffenen Systems informiert.»

Der Verband ist vermutlich – wie die meisten Geschädigten von Hackerangriffen – ein Zufallsopfer. Der Hacker veröffentlichte im gleichen Hackerforum auch Daten einer französischen Coiffeurkette oder einer amerikanischen Dating-App.

Wegen KI:
Hackerangriffe häufen sich

Seit Wochen häufen sich Hackerangriffe in der Schweiz und im Ausland. In den letzten Monaten sind etwa Daten bei Ricardo, beim Telekommunikationsanbieter Salt oder der «Republik» abgeflossen.

Viele Angriffe werden mittlerweile mit KI-Agenten durchgeführt. Mit diesen Systemen lassen sich nicht nur automatisch Programme schreiben oder Texte zusammenfassen, sie können auch autonom nach Schwachstellen auf Websites suchen.

Die Ziele der Hacker sind dabei meist profaner Natur: Daten stehlen, um diese zu verkaufen. Der Eishockeydatensatz wird für 250 Franken angeboten.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Simon Huwiler

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