Grossbritannien will im Kampf gegen die Huthi helfen – und entsendet Kampfjets nach Saudiarabien

London verstärkt sein militärisches Engagement auf der Arabischen Halbinsel, nachdem sich die Angriffe der Huthi-Miliz auf Saudiarabien intensiviert haben. Obwohl die Rede von einer rein defensiven Mission ist, warnen Kritiker vor einer Eskalation.

21.10.2026, 15.25 Uhr

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Der britische Verteidiungsminister Wes Streeting.

Der britische Verteidiungsminister Wes Streeting.

Es ist die bisher weitreichendste militärische Entscheidung des neuen britischen Premierministers Andy Burnham: Seine Regierung hat am Dienstag bekanntgegeben, britische Kampfjets nach Saudiarabien zu entsenden. Die Eurofighter Typhoon der Royal Air Force sollen den Golfstaat bei der Verteidigung gegen die Huthi unterstützen.

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Die von Iran unterstützte Miliz liefert sich seit Wochen einen militärischen Schlagabtausch mit Saudiarabien. Vor zehn Tagen griffen die Huthi den internationalen Flughafen King Khalid in der saudischen Hauptstadt Riad an. Dabei kamen 13 Zivilisten ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Zuvor hatte ein Huthi-Angriff eine wichtige saudische Pipeline vorübergehend lahmgelegt. Ausserdem eroberte die Miliz Gebiete nahe der Meerenge Bab al-Mandab. Damit gefährdet sie den Schiffsverkehr im Roten Meer und die internationale Energieversorgung. Davon sind potenziell auch die Öl-Lieferungen nach Grossbritannien betroffen.

Historische Verbindungen

Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting sagte am Dienstag, die Jets würden ausschliesslich für defensive Zwecke eingesetzt. Sie sollen saudische Städte vor Luftangriffen schützen und Drohnen sowie Raketen abfangen, aber keine Angriffe gegen Huthi-Stellungen in Jemen fliegen. Die Eurofighter würden die bereits im Land stationierten britischen Kräfte unterstützen, sagte er weiter. Laut Schätzungen befinden sich einige hundert britische Soldaten in Saudiarabien. Streeting stellte zudem die Verlegung eines Frachtflugzeugs zum Transport von militärischem Material sowie die Entsendung von Militärberatern in Aussicht.

Riad hatte seine Verbündeten kürzlich um militärische Unterstützung gebeten. Nebst Grossbritannien leisten auch Frankreich, Griechenland und Italien Hilfe. London unterstützt Saudiarabien schon seit längerem bei der Luftbetankung seiner Jets. Zudem nutzt die saudische Luftwaffe bereits seit Jahren Eurofighter Typhoon aus britischer Produktion. Der Golfstaat ist für Grossbritannien seit mehr als einem Jahrhundert ein wichtiger strategischer und wirtschaftlicher Partner im Nahen Osten.

Riad braucht solche Kooperationen mehr denn je: Am Dienstag hat der amerikanische Diplomat Tom Barrack angekündigt, dass die USA ihre traditionelle «Öl-gegen-Sicherheit»-Politik zurückfahren würden. Das hiesse, dass sich Saudiarabien in Zukunft weniger auf den amerikanischen Schutzschirm verlassen könnte und auf andere militärische Allianzen angewiesen wäre.

Unterstützung eines repressiven Regimes

Wes Streeting traf sich vor einigen Tagen in Washington mit dem amerikanischen Verteidigungsminister Pete Hegseth. Dabei diskutierten sie auch das Vorgehen gegen die Huthi. Die USA unterstützen Saudiarabien mit Geheimdienstinformationen und etwa hundert Militärberatern, sind aber zurückhaltend, wenn es um direkte militärische Hilfe geht. Burnhams Vorgänger Keir Starmer hatte versucht, Grossbritannien möglichst aus dem amerikanischen Krieg gegen Iran herauszuhalten und damit den Zorn Donald Trumps auf sich gezogen.

Die britischen Oppositionsparteien kritisieren, dass die Entsendung der Kampfjets am Parlament vorbeigeschleust wurde. Sie warnen, dass das militärische Engagement zu einer weiteren Eskalation und Internationalisierung des Konflikts auf der Arabischen Halbinsel führen könnte. Die Behauptung, die Kampfjets dienten rein defensiven Zwecken, wird als theoretisch bezeichnet. In Wirklichkeit, so heisst es, würden die britischen Jets die saudische Flotte von Einsätzen im Inland entlasten, die dadurch mehr Angriffe auf Huthi-Stellungen in Jemen ausführen könne. Menschenrechtsgruppen und andere NGOs monieren auch, London stütze mit dem Schritt ein autoritäres und repressives Regime.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · David Signer

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