Grässliche Grimassen, blutige Finger und langweilige Suppen: An Halloween verbreiten Kürbisse Angst und Schrecken

Kulinarisch wie kulturell sei das orangefarbene Herbstgemüse Geschmackssache, findet unser Autor. Doch er kann ihm auch Positives abgewinnen. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».

Matthias Meili31.10.2026, 05.30 Uhr

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Halloween-Kürbisse: Gruselig sind auch die Schnittwunden, die man sich beim Kürbisschnitzen zuziehen kann.

Halloween-Kürbisse: Gruselig sind auch die Schnittwunden, die man sich beim Kürbisschnitzen zuziehen kann.

Silas Stein / Imago

Kunstvoll geschnitztes Gemüse, das von innen leuchtet: Heute denkt man da an gruselige Halloween-Kürbisse und Kinder, die von Tür zu Tür ziehen und Süssigkeiten einfordern. Dabei schwappte der Kürbisbrauch erst um die Jahrtausendwende aus den USA kommend auf die Schweiz über. Er wurde zur Konkurrenz für die guten, alten Räbeliechtli-Umzüge meiner Kindheit, an denen wir in der Vorweihnachtszeit mit ausgehöhlten Rüben singend durch das Dorf zottelten.

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«Hauptsache, gesund»

In dieser Kolumne werfen Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin und Gesundheit.

Seit der Halloween-Boom Fuss gefasst hat, überrollen Kürbisse zuverlässig jeden Herbst unsere Supermärkte und Suppentöpfe. Die Anbaufläche in der Schweiz hat sich gemäss den Angaben der Branchenorganisation seit dem Jahr 2000 vervielfacht. Mir ist das ein Rätsel. Der Zauber von Halloween hat mich nie gepackt, und kulinarisch halte ich die orangen Monster für ein langweiliges Gemüse.

Schnitzer beim Schnitzen

An Halloween erhält der fade Kürbis zumindest einen anständigen Gruselfaktor. Allerdings kann das Schnitzen des harten Fruchtfleisches auch im echten Leben gruselig enden. So zählten Mediziner der Universität von South Carolina in einer Studie für den Zeitraum von 2012 bis 2021 mehr als 20 000 Notfalleinweisungen in den USA aufgrund von Schnittverletzungen beim Kürbisschnitzen. 80 Prozent davon ereigneten sich in der Zeit vor Halloween. Die Korrelation ist wahrlich erdrückend. Die meisten Verletzungen erlitten Jugendliche von 10 bis 19 Jahren, wobei in einem Drittel der Fälle der Daumen und in einem Viertel der Zeigefinger der Schnitzenden betroffen war.

Für die Schweiz gibt es keine genauen Zahlen. Statistiken der Unfallversicherung Suva zeigen allerdings, dass sich Schnittverletzungen in der Vorweihnachtszeit häufen. Inwieweit sich in diesen Zahlen Unfälle bei der Arbeit an Räbeliechtli und Kürbissen widerspiegeln, lässt sich nicht eruieren.

Bastelunfälle sind nicht das einzige drohende Gesundheitsrisiko. Beim Kürbisfest sind allein schon die massenhaft an Kinder verteilten Süssigkeiten problematisch. Dem stand aber bei unseren traditionellen Räbeliechtli-Umzügen ein mindestens ebenso ungesunder Brauch gegenüber: Nach dem Umzug wurden nämlich bei den Minderjährigen ausnahmsweise Dinge aus der Erwachsenenwelt toleriert, die noch viel schädlicher sind, zum Beispiel Alkohol- oder Nikotingenuss.

Nicht alles ist schlecht am Kürbis

Zurück zu den Kürbissen. Sie haben durchaus auch positive Seiten. Forschende aus Rumänien – der Heimat Draculas – haben 2024 im Online-Fachjournal «Foods» Dutzende von bioaktiven Substanzen in Kürbisfleisch, -schalen und -kernen identifiziert, die eine positive Wirkung auf die menschliche Gesundheit haben: Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, Proteine, Aminosäuren, ungesättigte Fettsäuren, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Zudem habe ich ein Rezept entdeckt, das selbst Kürbisse in eine schmackhafte Suppe verwandelt – nämlich die geröstete Kürbissuppe der australischen Kochbuchautorin Donna Hay: Der Kürbis wird halbiert und mit Zwiebel und Knoblauch im Ofen gebacken, bis er weich ist. Das verleiht der daraus zubereiteten Kürbissuppe verführerische Röstaromen. Man sollte aber auch hier vorsichtig sein beim Aufschneiden der orangen Riesen.

Bereits erschienene Texte unserer Kolumne «Hauptsache, gesund» finden Sie hier.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Matthias Meili

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