Gastkommentar

Thomas Allmendinger

Die Schweiz leidet zunehmend unter Sommertemperaturen, welche das als normal empfundene Mass sprengen. Ideen zur Kühlung sind gefragt, vor allem in den grossen Städten. Eine einfache und auch real wirksame Massnahme wäre eine flächige Aufhellung der Dächer.

26.10.2026, 05.30 Uhr

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So weiss wie in auf der griechischen Insel Santorin werden die Häuser in der Schweiz nicht werden müssen.

So weiss wie in auf der griechischen Insel Santorin werden die Häuser in der Schweiz nicht werden müssen.

Nicolas Economou / Reuters

Als Nachwirkung des Hitzesommers 2026 wird im Schweizer Parlament über allfällige Massnahmen gegen die in Zukunft zu erwartenden Extremtemperaturen debattiert. Adressat ist Bundesrat Albert Rösti, der Vorsteher des Uvek. In seinem Departement wurde die Abteilung Climate Adaptation geschaffen. Es geht somit nicht eigentlich um die Bekämpfung der Ursachen für den Klimawandel, sondern vorab um Massnahmen gegen die Hitze. Wirklichen Erfolg verspricht jedoch keiner der Vorschläge, insbesondere mangelt es an solchen, welche den Bauern helfen würden.

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Die Klimapolitik ist bekanntlich stark an die Energiepolitik gekoppelt, und zwar aufgrund der Doktrin, dass das bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entstehende CO2 für den Klimawandel verantwortlich sei. Eine andere Ursache wird ausgeschlossen beziehungsweise als unerheblich erachtet. Klimaschutz wird somit ausschliesslich gleichgesetzt mit CO2-Abbau. Das war offensichtlich der Grund für den vom Bundesrat vorgeschlagenen Deal, mehr – aus Naturschutzgründen umstrittene – Wasserkraftwerke bauen zu dürfen, wenn im Gegenzug mehr Klimaschutzmassnahmen ergriffen werden.

Heissere urbane Zentren

Dass dies gross nützen würde, ist allerdings nicht erwiesen. Es gibt indessen einen Einfluss, der unbestreitbar und auch ohne weiteres verständlich ist. Es geht um das Absorptions- beziehungsweise Reflexionsvermögen von gefärbten Oberflächen. Dunkle Oberflächen absorbieren das Sonnenlicht weitaus stärker als helle. Dabei wandelt sich die absorbierte Strahlung bei gefärbten Objekten in Wärme um, wobei sich diese erhitzen. In Siedlungsgebieten ist dies nicht nur bei Strassen und Plätzen von Bedeutung, sondern vor allem bei Dächern. Das ist auch der Grund dafür, dass es in Städten meist heisser wird als im Umland. Man spricht daher auch von «urban heat islands».

Eine naheliegende Massnahme wäre daher die Aufhellung von Dächern (cool roofs) – vorzugsweise in Hellbraun –, während die Entdunkelung von Strassen und von Plätzen im Prinzip zwar möglich, aber zu aufwendig und zu teuer wäre. Solche Bestrebungen sind schon seit längerem im Gang, insbesondere in den USA (etwa in der Wüstenmetropole Phoenix). In der Schweiz wurde die Firma Sika in dieser Hinsicht aktiv, doch braucht es mehr. In der Innenstadt von Zürich sticht nur das renovierte Zunfthaus zur Zimmerleuten hervor, dessen Dach allerdings bereits wieder verwittert ist. Mit einer Aufhellung von Dächern würde im Haus zudem Kühlungsenergie gespart. Die Auswirkungen auf das Stadtbild halten sich in Grenzen.

Einzelne Städte als Vorreiter

Als Hinderungsgrund, Dächer weitflächig aufzuhellen, wird oft angeführt, dass es sich meist um private Liegenschaften handle und dass in manchen Gemeinden Vorschriften bestünden, welche solches sogar verböten. Freilich dürfte dies kein unüberwindbares Hindernis darstellen. So könnten etwa an ausgewählten Orten anfänglich staatliche Subventionen angeboten werden.

Dass sich damit nicht das globale Klima, sondern nur das jeweilige Mikroklima ändert, versteht sich von selbst. Doch auch dafür lohnt es sich, Abertausende von Dächern aufzuhellen. Allerdings spielen hier auch natürliche Phänomene hinein, namentlich indem durch das Schrumpfen von Eisflächen zusätzliche dunkle Flächen frei werden, was zu zusätzlicher Erwärmung führt.

Es wäre wichtig, dass einzelne Städte in Sachen Aufhellung der Gebäude und Strassen, die idealerweise mit einer forcierten Begrünung einherginge, eine Vorreiterrolle einnähmen. Eine entsprechende Initiative müsste vorzugsweise unter der Federführung des Bundesrats erfolgen. Eine erfolgreiche Umsetzung wäre in der Schweiz durchaus möglich, auch wenn wir die vielen weissen Orte Griechenlands und Spaniens natürlich nicht toppen können.

Thomas Allmendinger ist promovierter Elektrochemiker. Er war Leiter eines ETH/PSI-Projekts in Sachen Brennstoffzellen und später in der Galvanikindustrie tätig.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Auswärtige Autoren NZZ

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