Gastkommentar

Thomas Vellacott

Finanzieren von Emissionen heisst mitverantworten

Zur Erreichung der globalen Klimaziele braucht es sowohl die Realwirtschaft wie den Finanzsektor. Eine Replik

04.11.2026, 05.25 Uhr

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Welchen Einfluss haben Finanzinstitute durch ihre Investitionen auf das Klima?

Welchen Einfluss haben Finanzinstitute durch ihre Investitionen auf das Klima?

Jochen Tack / Imago

Die Ergebnisse der McKinsey-Studie «Klimastandort Schweiz» machten jüngst Schlagzeilen. Ausgangspunkt ist eine Aussage, die auch der WWF Schweiz immer wieder ins Feld führt: Der Schweizer Finanzplatz verantworte ein Vielfaches der Schweizer Inlandemissionen.

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Die Grundlage dafür ist eine McKinsey-Studie in Zusammenarbeit mit Economiesuisse und dem WWF Schweiz. Diese beziffert die finanzierten Emissionen des Schweizer Finanzplatzes ohne Investitionen in Staatsanleihen auf jährlich 700 bis 900 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und hält fest: «Die Investitionen aus dem Schweizer Finanzplatz bringen bedeutende Emissionen zumindest teilweise in die Einflusssphäre der Schweiz.»

Finanzflüsse sind klimarelevant

Finanzinstitute bestimmen zwar nicht allein darüber, wie ein Unternehmen produziert. Mit ihren Krediten, Anlagen und Beteiligungen beeinflussen sie aber, welche Tätigkeiten ermöglicht werden, welche Geschäftsmodelle wachsen und welche Infrastruktur gebaut wird. Zudem legen sie mit den Finanzierungskosten auch die Bedingungen fest, unter denen sich Unternehmen entwickeln können.

Genau deshalb sprechen wir von «verantworten» und nicht von «verursachen». Verantwortung setzt weder alleinige Kontrolle noch alleinige Verursachung voraus. Auch die NZZ (23. 10. 26) anerkennt, dass Banken einen «nennenswerten Einfluss» auf die Dekarbonisierung ausüben könnten. Wer mit der Finanzierung klimafreundlicher Tätigkeiten zur Emissionssenkung beitragen kann, trägt auch Mitverantwortung, wenn Kapital in die Ausweitung besonders klimaschädlicher Aktivitäten fliesst.

Dass Finanzflüsse klimarelevant sind, ist keine Sonderposition des WWF. Das von über 190 Staaten ratifizierte Pariser Klimaabkommen nennt in Artikel 2 ausdrücklich das Ziel, «die Finanzmittelflüsse in Einklang zu bringen mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung».

Auch das vom Schweizer Parlament verabschiedete und vom Volk angenommene Klima- und Innovationsgesetz hält fest, der Bund solle dafür sorgen, dass der Schweizer Finanzplatz einen wirksamen Beitrag zur emissionsarmen und klimaresilienten Entwicklung leiste. Diese Bestimmungen wären gegenstandslos, hätten Finanzierungsentscheide keinen Einfluss auf die Realwirtschaft.

Der erwähnte NZZ-Artikel erweckt zudem den Eindruck, die Schweiz gehe bei der Nachhaltigkeitsregulierung bereits weiter als andere Finanzplätze. Entscheidend ist jedoch nicht die allgemeine Regulierungsdichte, sondern die konkrete Regulierung von Nachhaltigkeits- und Klimarisiken. Hier gehört die Schweiz keineswegs zu den Vorreitern, wie eine Studie des WWF Schweiz mit Unterstützung von Deloitte Schweiz belegt. Im internationalen Vergleich zeigen Länder wie Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, China und Singapur deutlich ambitioniertere und kohärentere Regulierungsansätze. Sie haben spezifische Vorgaben entwickelt, um Klima‑ und Naturrisiken systematisch zu reduzieren und Finanzflüsse stärker auf nachhaltige Aktivitäten auszurichten.

Momentum schaffen

Als erste Handlungsempfehlung für die Finanzwirtschaft nennt die McKinsey-Studie Momentum schaffen durch Anschluss an Netto-Null-Allianzen, durch die Science Based Targets initiative (SBTi) und die Reduktion finanzierter Emissionen. Die Branche hat seither das Gegenteil getan: Während andere Sektoren der Schweizer Wirtschaft sich zu wissenschaftsbasierten Klimazielen verpflichtet haben (bis heute über 300 Firmen), sind es aus dem Finanzsektor nur deren 9 – und 2 davon haben ihre Selbstverpflichtungen inzwischen zurückgezogen. Mehrere Akteure sind aus Netto-Null-Allianzen ausgetreten, und mit fast 127 Milliarden Dollar gehören Investoren und Vermögensverwalter aus der Schweiz zu den zehn grössten Anlegern bei fossilen Industrien weltweit.

Klar ist: Zur Erreichung der globalen Klimaziele braucht es sowohl die Realwirtschaft wie den Finanzsektor. Die grosse Mehrheit der Schweizer Finanzmarktakteure hat sich bis heute noch nicht einmal zu entsprechenden Zielen verpflichtet, geschweige denn glaubwürdige Transitionspläne formuliert, wie sie diese erreichen will. Da ist deutlich mehr Momentum gefragt.

Thomas Vellacott ist CEO des WWF Schweiz.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Auswärtige Autoren NZZ

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