Gastbeitrag
Die Feuerwerksinitiative steht für eine Schweiz, die Rücksicht nimmt
Bei der Volksinitiative für eine Einschränkung von Feuerwerk geht es nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen. Feuerwerk wird es weiterhin geben, auch am 1. August und an Silvester. Die Initiative sucht keinen radikalen Bruch, sondern einen Kompromiss.
Katja Schönenberger05.11.2026, 05.20 Uhr
3 Leseminuten
Wieviel Feuerwerk darf in der Schweiz künftig noch sein?
Annick Ramp / NZZ
In einer freiheitlichen Gesellschaft endet die eigene Freiheit dort, wo sie andere erheblich belastet. Dieser Grundsatz prägt unser Zusammenleben in der Schweiz in vielen Bereichen. Wo die Interessen verschiedener Gruppen aufeinandertreffen, braucht es vernünftige Regeln. Als Gesellschaft müssen wir die Regeln des Zusammenlebens immer wieder hinterfragen und aushandeln.
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In der Schweiz gibt es dafür ein besonders kraftvolles Element. Die direkte Demokratie ermöglicht Menschen, sich für das einzusetzen, woran sie glauben. Fast 140 000 Menschen haben die Initiative für die Einschränkung von Feuerwerk unterzeichnet. Sie alle wollen, dass wir Rücksicht nehmen auf Menschen, Tiere und die Natur.
Stress für Tiere
Als Tierschutzorganisationen haben wir uns ebenfalls hinter die Initiative gestellt, denn wir wissen aus unserer täglichen Arbeit, welches Leid Feuerwerk verursachen kann. Hunde und Katzen geraten in Panik. Rinder und Pferde erschrecken und versuchen zu fliehen. Wildtiere werden aufgescheucht und verlieren wichtige Energiereserven. Für sie ist die Belastung rund um Feuerwerk weder vorhersehbar noch verständlich.
Was für Menschen wenige Minuten Unterhaltung bedeutet, kann bei Tieren nachhaltig Angst und erheblichen Stress auslösen. Erhebungen zeigen, dass die Zahl vermisster Heimtiere um den 1. August um etwa 20 Prozent steigt und 95 Prozent der Wasservögel aus einem Naturschutzgebiet vertrieben wurden.
Den Unterstützerinnen und Unterstützern geht es dabei nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen. Die Initiative präsentiert eine ausgewogene Lösung. Sie verbietet nicht jede Form von Feuerwerk. Lärmarme Feuerwerkskörper wie etwa die am 1. August beliebten Vulkane und Tischfeuerwerke bleiben möglich. Ebenso können die Kantone für Anlässe von überregionaler Bedeutung Ausnahmebewilligungen erteilen. Öffentliche Feuerwerke bleiben damit weiterhin Bestandteil besonderer Feierlichkeiten.
Auch Menschen leiden
Aber nicht nur Tiere, sondern auch viele Menschen leiden unter dem unvorhersehbaren Knallen von Feuerwerken. Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen oder Personen mit gesundheitlichen Belastungen erleben die Tage rund um den Nationalfeiertag oder Silvester oft anders als jene, die selbst Feuerwerk zünden. Hinzu kommen Feinstaub, Abfälle sowie Brände und Unfälle, die regelmässig mit Feuerwerkskörpern in Verbindung stehen.
Selbstverständlich rechtfertigt nicht jede Belastung sofort ein Verbot. Genau deshalb überzeugt mich der Ansatz der Initiative. Sie sucht keinen radikalen Bruch, sondern einen Kompromiss. Sie anerkennt, dass Feuerwerk für viele Menschen an gewissen Tagen Teil festlicher Traditionen ist. Gleichzeitig trägt sie den berechtigten Interessen jener Rechnung, die unter den negativen Folgen leiden.
Auch aus Sicht der Rechtsklarheit spricht einiges für eine nationale Lösung. Heute gelten je nach Kanton und Gemeinde unterschiedliche Vorschriften. Dieser Flickenteppich schafft Unsicherheit und erschwert den Vollzug. Die Initiative definiert einen schweizweiten Rahmen, während die Kantone weiterhin für den Vollzug zuständig bleiben. Sie stärkt damit die Rechtsklarheit, ohne den Föderalismus auszuhebeln.
Die Art, wie wir feiern, kann sich verändern, ohne dass dabei verlorengeht, was uns wichtig ist.
Hitzesommer als Beispiel
Während der Hitzeperioden im Sommer konnten in der Schweiz keine Feuerwerke stattfinden. In der anhaltenden Trockenheit war die Brandgefahr landesweit gross. Haben die Feuerwerke gefehlt? In einer repräsentativen Befragung gaben rund 80 Prozent der Befragten an, nichts vermisst zu haben.
Kritisiert wird von Gegnern der Initiative, dass auch wirtschaftliche Interessen betroffen seien. Dass sich Traditionen weiterentwickeln, gehört aber zu einer lebendigen Gesellschaft. Ich habe grosses Vertrauen, dass sich auch das Schweizer Gewerbe auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen kann.
Eine moderne Gesellschaft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass jede Freiheit grenzenlos ausgeübt wird. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören. Genau diesen Gedanken greift die Initiative auf. Die Volksinitiative für eine Einschränkung von Feuerwerk will Feste nicht abschaffen und den Menschen nicht die Freude nehmen. Wir können weiterhin feiern, dabei gleichzeitig Rücksicht nehmen und Menschen, Tiere und Natur weniger belasten.
Katja Schönenberger ist Geschäftsleiterin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten Schweiz.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Auswärtige Autoren NZZ
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