Fledermäuse und ihre Fähigkeiten faszinieren. Im Volksglauben galten Fledermäuse lange als böses Omen und sie sind bis heute beliebte Halloween-Motive. Um die geheimnisvollen Säugetiere kursieren zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten. Der Fledermaus-Experte Hubert Krättli vom Verein Fledermausschutz macht den Fakten-Check.

1. Die Fledermaus als Blutsaugerin

Von den rund 1500 Fledermausarten ernähren sich tatsächlich nur drei von Blut. Diese sogenannten Vampirfledermäuse ritzen die Haut von Vögeln oder Säugetieren leicht an, um Blut zu trinken. Sie kommen jedoch nicht in Europa vor, sondern ausschliesslich in Mittel- und Südamerika.

Die überwältigende Mehrheit der Fledermäuse frisst Insekten und das in erstaunlichen Mengen: Pro Nacht vertilgen sie Insekten im Umfang von bis zur Hälfte ihres eigenen Körpergewichts.

2. Die Fledermaus als Virenschleuder

Seit Covid hat die Fledermaus einen Ruf als Verbreiterin von Viren. Mittlerweile ist klar, dass Covid nicht direkt von Fledermäusen auf den Menschen übertragen werden kann. Dafür braucht es mindestens einen Zwischenwirt.

Die allgemeine Übertragung von Viren von Wildtieren auf Menschen ist jedoch gängig und heisst «Zoonose». Eine neue Studie betont sogar, wie widerständig Fledermäuse gegenüber Krankheiten sind. Deshalb wird ihre DNA auf Eigenschaften untersucht, die helfen könnten, Krankheiten bei Menschen zu heilen.

3. Die Fledermaus als böses Omen

Fledermäuse wurden in der europäischen Mythologie lange mit Bösem verbunden. Das ist aber nicht überall so. In China trifft sogar das Gegenteil zu: Auf Kantonesisch ist das Wort für Glück dasselbe Wort wie für Fledermaus. Deshalb sind Geschenke mit Fledermaus-Motiven bei Einladungen ein beliebtes Mitbringsel.

Legende: Die Fledermaus hat in westlichen Ländern einen gespenstigen Ruf – ganz im Gegensatz zu China. Keystone / CHRISTIAN BEUTLER

4. Fledermäuse sehen mit ihrem Ultraschall-Echo

Fledermäuse nutzen Ultraschall-Frequenzen, um sich im Dunkeln zu orientieren und Beute zu fangen. Dabei senden sie Schallwellen aus, die von Insekten und ihrer Umgebung reflektiert werden. Sie orientieren sich also anhand ihres eigenen Echos. Mit dieser Superkraft können sie Strukturen so fein wie ein Haar erkennen.

5. Fledermäuse sind fast so alt wie Dinosaurier

Die ersten Fledermaus-Urahnen beflogen den europäischen Kontinent bereits vor rund 65 Millionen Jahren. Zum Vergleich: Die Dinosaurier sind vor circa 66 Millionen Jahren ausgestorben. Das heisst, dass sich Fledermäuse über Millionen von Jahren immer wieder neuen Bedingungen anpassen mussten und Krankheiten überstanden haben.

Eine neue Studie hat den Stammbaum der Fledermaus erforscht. Sie entdeckte zum Beispiel, dass die Fledermaus Europäerin ist.

Die grossangelegte Studie untersuchte genetische Daten von 103 Fledermausarten aus 21 Fledermausfamilien.

6. Fledermäuse bleiben ein wissenschaftliches Mysterium

Wie die Echo-Orientierung auf Ultraschall-Frequenz physikalisch genau funktioniert, gilt in der Wissenschaft nach wie vor als ungeklärt.

Ausserdem lassen sich die Bestände der nachtaktiven Säugetiere nur schwer oder mit aufwendiger Technik erfassen. Deshalb weiss man von den meisten Fledermausarten in der Schweiz bis heute nicht ganz genau, wie viele es tatsächlich gibt.

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Source: SRF · 31.10.2026, 14:11

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