Finnlands Präsident Stubb und Norwegens Ministerpräsident Störe telefonieren mit Putin – doch das kommt nicht bei allen gut an
Während die EU auf eine Isolierung Russlands setzt, betätigen sich Finnland und Norwegen derzeit als Vermittler. Das ist kein Zufall.
27.10.2026, 16.00 Uhr
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Jonas Gahr Störe (links) und Alexander Stubb haben mit Putin telefoniert.
Ole Berg-rusten / NTB / Reuters
Der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Störe haben am Dienstagvormittag eineinhalb Stunden mit Wladimir Putin telefoniert. Stubb und Störe hatten das Telefonat initiiert, um dem Kremlchef die ukrainischen Botschaften zu den bevorstehenden Friedensgesprächen in Abu Dhabi zu übermitteln.
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Nichts deutet darauf hin, dass Putin dabei Kompromissbereitschaft signalisierte. Laut Störe offenbarte das Gespräch grosse Differenzen in den Sichtweisen. «Das Gespräch war direkt und sachlich», liess sich Stubb derweil in einer Mitteilung zitieren. Wie der Krieg ende, wirke sich auf die Sicherheit Finnlands und Norwegens sowie auf die Sicherheit Europas insgesamt aus. «Die Beendigung des Krieges erfordert direkte Gespräche.»
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 herrscht weitgehend Funkstille zwischen Moskau und den europäischen Hauptstädten. Das letzte Gespräch auf höchster Ebene fand im Sommer 2025 statt. Damals war es der französische Präsident Emmanuel Macron, der mit Putin telefonierte.
In den letzten Wochen hat das Verhältnis zwischen der Ukraine und den USA einen neuen Tiefpunkt erreicht. Im Disput mit Donald Trump bekam der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski nur beschränkte Unterstützung.
Derzeit sind es auffälligerweise besonders Finnland und Norwegen, die sich aktiv für die Ukraine einsetzen. Vor genau einer Woche hat der ukrainische Präsident in Norwegen den amerikanischen Gesandten Steve Witkoff getroffen, um einen Friedensplan auszuarbeiten. Bei dem Treffen waren auch Stubb und Störe anwesend. Dass zwei kleine nordische Länder nun die Vermittlerrolle übernehmen, ist kein Zufall.
Die Kenner des Kremls
Zwischen Helsinki und Moskau bestand bis zum russischen Überfall auf die Ukraine ein reger Austausch. Im April 2022 rief der damalige finnische Präsident Sauli Niinistö Putin ein letztes Mal an, um ihm mitzuteilen, dass Finnland der Nato beitreten werde. Über vier Jahre sind seither vergangen, doch an Finnlands Rolle als Kenner von Russland hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Was die Finnen der sowjetische Angriff im Zweiten Weltkrieg gelehrt hat, ist heute präsenter denn je.
Auch Norwegen hat viel Erfahrung im Umgang mit dem unberechenbaren Nachbarn. Die beiden Staaten teilen in der Arktis eine Landgrenze, und Russland betreibt auf dem norwegischen Archipel Spitzbergen die Siedlung Barentsburg. In der Fischerei und Seenotrettung versucht es Oslo noch immer mit pragmatischer Kooperation. Gleichzeitig ist Norwegen immer wieder Ziel russischer Sabotageakte und versuchter Spionage.
Sowohl Finnland als auch Norwegen gehören seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges zu den engagiertesten Unterstützern der Ukraine. Alexander Stubb ist es dank gemeinsamer Golfrunden mit Präsident Trump zudem gelungen, eine besondere Beziehung mit diesem aufzubauen. Finnland mag im geopolitischen Kontext ein Leichtgewicht sein, aber Stubb hat sich Gehör verschafft.
Als Nachbarländer Russlands haben Finnland und Norwegen ein verstärktes Interesse an einem gerechten Frieden in der Ukraine. Westliche Nachrichtendienste warnen davor, dass Russland die Nato angreifen könnte, wenn der Krieg in der Ukraine einmal einfriert. Ob Putin ein anderes souveränes Nachbarland überfallen würde, hängt womöglich auch davon ab, ob er den verlustreichen Krieg in der Ukraine am Ende doch noch als Erfolg verkaufen kann. Genau das wollen Oslo und Helsinki verhindern.
Kritik aus Kopenhagen
Die Initiative von Stubb und Störe kommt nicht bei allen gut an. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen monierte, dass das Telefonat nicht mit den anderen europäischen Staaten abgesprochen war. Sie kritisierte den Alleingang und betonte, dass Europa geschlossen agieren müsse. «Ich weiss wirklich nicht, was sie sich davon versprechen», sagte Frederiksen zum dänischen Sender DR.
Auch der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson wusste nach eigenen Angaben im Vorfeld nichts vom Telefonat. Vor dem Nordischen Rat betonte Stubb am Dienstagnachmittag, dass alle nordischen Staaten über das Gespräch sowohl im Voraus als auch im Nachgang informiert worden seien. Stubb und Störe hätten als Regierungschefs ihrer Länder an dem Telefonat teilgenommen und nicht als Vertreter Europas, heisst es in der Medienmitteilung des finnischen Präsidenten.
Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow liess derweil ausrichten, dass ein Frieden nur möglich sei, wenn die Interessen Russlands uneingeschränkt gewahrt würden. Putin zeigte bisher keinerlei Interesse daran, das Töten in der Ukraine zu beenden. Daran dürfte auch das Telefonat mit Stubb und Störe nichts geändert haben.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Linda Koponen
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