Faszination Logikrätsel Sudoku trifft Cluedo: Warum Murdoku so fasziniert

«Murdoku» fesselt immer mehr Menschen. Der Überraschungserfolg verbindet das Sudoku-Prinzip mit Murder-Mystery-Logikrätseln. Nun ist der dritte Band der Serie erschienen.

30.10.2026, 17:14

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Clarissa ist in einer der Umkleidekabinen. Dylan steht auf einem Teppich neben einem Regal. Günther steht auch neben einem Regal, aber nicht auf einem Teppich. Ächz.

Ich kenne weder Clarissa, noch Günther oder Dylan. Und denke doch die ganze Zeit an sie. Warum? Ich löse Murdokus. Oder besser: Ich versuche es.

Wer ist der Mörder?

Bei mir zu Hause wird gerade ohne Ende geknobelt und gekniffelt, geseufzt, radiert und triumphiert. Nur ich gebe gern schnell auf. Logik ist nicht mein Ding und spielen auch nicht. Günther und Dylan gehen mir auf den Keks.

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  • Bild 1 von 3. Sudoku mit Mordfall: In den Murdoku-Puzzles trifft das klassische Logikquiz auf Krimi – im Café, auf einer Luxusjacht oder im Garten. Bildquelle: Murdoku/SRF/Tino Gerdesius.

  • Bild 2 von 3. Zu einer Reihe verdächtiger Personen und dem Opfer gibt es Hinweise, wo sie sich im Tatort-Raster verbergen könnten. Dort, auf und zwischen Gegenständen, werden dann alle platziert. Bildquelle: Murdoku/SRF/Tino Gerdesius.

  • Bild 3 von 3. Wie beim Sudoku gilt: Es kann sich nur eine Person pro Zeile und Spalte aufhalten. Am Ende offenbart sich – ganz logisch – die Tatperson. Die Rätsel gibt es als Buchreihe und zum Ausdrucken von der Murdoku-Webseite (nur auf Englisch). Bildquelle: Murdoku/SRF/Tino Gerdesius.

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Auftritt Olivia Schmid: Die 26-jährige Mikrobiologin ist amtierende Schweizer Vize-Meisterin im Sudoku und eben von der Sudoku-Weltmeisterschaft in Indien zurückgekehrt. Sie mag neben Sudoku auch Murdoku. Mit ihrer Hilfe ist Dylan schnell neben einem Regal auf einem Feld mit Teppich platziert. Und auch Günther bekommt zwei mögliche Positionen.

Der Name verrät es

Murdoku ist an Sudoku angelehnt: Beide basieren auf Rastern, die Informationen enthalten. Beim Sudoku sind das Zahlen, beim Murdoku Figuren – und die alles entscheidende Frage ist: Wer war der Mörder? Dazu muss man herausfinden, welche Figur sich wo auf dem Raster befindet.

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  • Bild 1 von 3. Bei Welt- und Europameisterschaften messen sich Sudokuspielerinnen und -spieler. Bildquelle: Olivia Schmid.

  • Bild 2 von 3. Die Schweizer Delegation der Swiss Logic Puzzle Federation an der Sudoku- und Logikrätsel-Weltmeisterschaft in Kalkota, Indien, (v.l.n.r.): Markus Roth, Florian Landis, Marcel Nick, Olivia Schmid, Roger Kohler und Jolanda Reusser. Roger Kohler war aus dem Schweizer Team der beste im Sudoku-Ranking, Olivia Schmid die Zweitbeste. Bildquelle: Olivia Schmid.

  • Bild 3 von 3. Beim klassischen Logikrätsel Sudoku wird ein quadratisches Zahlenraster nach einfachen Regeln vervollständigt. Murduko lehnt sich an dieses Spielprinzip an. Bildquelle: Olivia Schmid.

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Für jede Figur gibt es dazu individuelle Angaben. Sie erinnern sich: der Teppich, das Regal und so weiter. Im Raster sind dann Teppiche und Regale auch eingezeichnet und mit logischen Schlüssen können mögliche Lösungen eingegrenzt werden.

Tiktok-Trend

Murdoku begeistert derzeit viele Menschen. Den Sommer über standen Band eins und zwei ganz vorn auf den Ranglisten der meistverkauften Sachbücher. Nun erscheint ein neuer Band. Und es ist Zeit, nicht nur das Rätsel zu lösen, sondern sein Erfolgsgeheimnis zu ergründen.

Wie bei jedem anderen Logikrätsel gilt es auch bei Murdoku, Widerstände zu überwinden und nicht aufzugeben. Also ist alles wie im Sudoku? Nicht ganz, sagt Olivia Schmid: «Murdoku ist einfacher und weniger komplex».

Einfacher und kreativer

Murdoku bietet schlicht weniger Möglichkeiten. Dylan oder Günther sind auf einem Feld oder sie sind es nicht. Dylan gibt es nur einmal, nicht noch in Nummer zwei bis neun. Dafür gilt es umgekehrt im Murdoku, einzelne Regeln miteinander zu verbinden.

Die «Murdoku»-Reihe des kanadischen Rätselautors Manuel Garand erscheint auf Deutsch im Riva Verlag in der Übersetzung von Tanja Schröder. Der dritte Band «Murdoku 3 – Auf Weltreise» ist am 27. Oktober 2026 erschienen.

Das sei zentral fürs Suchtpotential von Murdoku, sagt die Schweizer Sudoku-Vize-Meisterin Olivia Schmid: «Mehrere Hinweise miteinander zu kombinieren, macht enorm Spass.» Murdoku lässt einen beim Rätseln also sozusagen kreativ werden. Ausserdem liefert das Rätsel viel mehr Kontext als Sudoku und zumindest die Ahnung einer Geschichte; es geht nicht nur um Zahlen.

Analoger Überraschungserfolg

Der Kanadier Manuel Garand ist der Erfinder des Rätsels. Er wurde in mehreren Interviews zum Überraschungserfolg befragt und glaubt, das Erfolgsgeheimnis liege darin, dass man beim Murdoku keine Zeit am Bildschirm verbringe, sondern analog mit einem Rätselheft in der Hand.

Ob analog oder digital ist mir egal. Viel wichtiger: Für einmal geht es in meinem Kopf einzig und allein um Clarissa, Günther und Dylan. Alle anderen Problemchen werden ausgeblendet. Wie schön: eine Pause vom Chaos des Alltags. Kommt dazu: Das Ganze geht irgendwann auf. Und unglaublich: Alles ergibt Sinn. Das ist tatsächlich sehr erholsam. Geradezu utopisch.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 30.10.2026, 17:20 Uhr

Source: SRF · Ellinor Landmann

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