«Es war kein wirkliches Thema für mich»: Lise Klaveness sieht sich im Fifa-Machtkampf nicht als Herausforderin von Gianni Infantino

Die norwegische Verbandspräsidentin schliesst eine Kandidatur für das Fifa-Präsidentenamt mehr oder weniger aus. Auch sonst ändert sie den Tonfall.

28.10.2026, 15.04 Uhr

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Sie klang im Fifa-Machtkampf auch schon kämpferischer: Lise Klaveness, die lautstarke Kritikerin von Gianni Infantino.

Sie klang im Fifa-Machtkampf auch schon kämpferischer: Lise Klaveness, die lautstarke Kritikerin von Gianni Infantino.

Vegard Wivestad Grøtt / Imago

In Medienberichten wurde Lise Klaveness auch schon «die Löwin» genannt. Die Präsidentin des norwegischen Fussballverbands hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht als lautstarke Kritikerin von Gianni Infantino. Im August, als der Fifa-Präsident nach seinen gescheiterten Investorenplänen mit dem Rücken zur Wand stand, war Norwegens Verband der erste, der Infantino zum Rücktritt aufforderte.

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Die Überbringerin der Botschaft war Klaveness, die Frau mit dem wallenden roten Haar, die einst 73-mal für das norwegische Nationalteam gespielt hatte. Und jetzt, als Funktionärin, nicht davor zurückschreckt, die Dinge beim Namen zu nennen.

Wenn es um die Frage geht, wer im nächsten Frühling beim Fifa-Kongress in der marokkanischen Hauptstadt Rabat gegen Infantino antreten könnte, fällt seither auch immer wieder der Name von Klaveness. Anfang Monat berichteten Medien wie die «Times» und «L’Équipe», dass die Uefa unter anderem mit der Norwegerin Gespräche geführt haben soll.

Der europäische Kontinentalverband führt das Lager jener an, die Infantino absetzen wollen. Nur fehlt diesem drei Wochen vor dem Ende der Nominierungsfrist am 18. November immer noch eine Figur, mit der es in den Wahlkampf ziehen kann. Und auch Lise Klaveness, das macht sie gegenüber dem «Guardian» klar, sieht sich nicht in dieser Rolle.

Sie sei in der Vergangenheit ja «sehr direkt» gewesen, sagte Klaveness zur englischen Zeitung, darum «glaube ich nicht, dass das für mich diesmal eine Möglichkeit wäre». Die 45-Jährige fügte dann an, dass eine Kandidatur für sie auch «kein wirkliches Thema» gewesen sei.

Das muss man ihr nicht glauben, aber mit der Analyse, dass sie «sehr direkt» gewesen sei und dass das nicht unbedingt dabei helfen werde, vom Fifa-Kongress die notwendigen Stimmen zu erhalten, liegt Klaveness richtig. Sie hatte in der Vergangenheit etwa die Vergabe der WM nach Katar kritisiert. Das Emirat ist in der Fussballwelt bekanntlich gut vernetzt.

Die Gegner Infantinos wirken zunehmend ratlos

Dass Klaveness eine Kandidatur jetzt mehr oder weniger ausschliesst, ist vor diesem Hintergrund keine Überraschung. Es sei jetzt wichtig, einen Kandidaten zu finden, sagte die Norwegerin noch, und zwar einen, der Infantino besiegen könne. «Natürlich gibt es Leute, die ihn herausfordern können», so Klaveness. Aber einen Namen nannte sie nicht.

Es gab Zeiten, da schien es nicht gut auszusehen für Infantino. Aber je näher der Termin im November rückt, desto mehr verfestigt sich das Bild, dass der Schweizer auf gutem Weg ist, sich im Amt zu halten. Letzte Woche hat die Uefa mit der Asiatischen Fussball-Konföderation (AFC) einen wichtigen Verbündeten verloren. Diese gehörte bis dahin zu den Kritikern von Infantino, verkündete dann aber ihre «uneingeschränkte Unterstützung» für den amtierenden Präsidenten.

Dass die von der Uefa angeführte Allianz bei der Kandidatensuche unter Zeitdruck gerät und zunehmend einen ratlosen Eindruck macht, hilft nicht. Klaveness bezeichnet den laufenden Machtkampf gegenüber dem «Guardian» als «Game of Thrones», nach der TV-Serie, in der rivalisierende Dynastien mit allen Mitteln um die Vorherrschaft kämpfen. Offensichtlich ist sie wenig zuversichtlich, dass Infantino in diesem Spiel zu besiegen ist.

Sie hat sich jedenfalls schon kämpferischer geäussert als in diesen Tagen. Die ganze Zeit, sagte sie dem «Guardian», werde sie nach Infantino gefragt. Aber um diesen gehe es gar nicht. «Mir geht es mit Blick nach vorn um die Governance», so Klaveness.

Das klang schon ein wenig nach einem Rückzugsgefecht.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Dominic Wirth

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