Erklärt

Am 29. November entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über eine fixe Quote für städtische Alterswohnungen. Darum geht es.

07.11.2026, 05.02 Uhr

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Ein Ort, der zum Zuhause wird: Ältere Menschen sind besonders oft auf der Suche nach günstigem Wohnraum.

Ein Ort, der zum Zuhause wird: Ältere Menschen sind besonders oft auf der Suche nach günstigem Wohnraum.

Silas Zindel für NZZ

Kaum freie Wohnungen und hohe Mieten bei steigenden Lebenskosten: In der Stadt geht die Angst davor um, keine bezahlbare Wohnung zu finden. Davon betroffen sind auch Senioren und Seniorinnen. Um für sie eine Lösung zu finden, hat die SVP eine Initiative eingereicht. Darin fordert sie einen fixen Anteil von 20 Prozent Alterswohnungen in den Liegenschaften der Stadt Zürich. Der Gemeinderat legt der Bevölkerung einen Gegenvorschlag vor. Am 29. November stimmen Zürcherinnen und Zürcher darüber ab. Der Überblick.

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Inhaltsverzeichnis

Was fordern die Initiantinnen und Initianten?

Mit der Volksinitiative «Ja zu 20 Prozent Alterswohnungen in städtischen Liegenschaften» wollen SVP-Politiker erreichen, dass in Zukunft 20 Prozent der Wohnungen in städtischen Liegenschaften für Menschen ab 60 Jahren reserviert werden. Ausserdem soll die Stadt jedes Jahr einen Bericht dazu veröffentlichen, wie hoch der Anteil Alterswohnungen ist.

Was sind Alterswohnungen?

Alterswohnungen sind anders ausgestattet als gewöhnliche Wohnungen. Sie sind barrierefrei, haben keine Stufen oder Schwellen, die Türen und Flure sind breit und deswegen für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer gut zugänglich. In der Dusche sind rutschfeste Böden ausgelegt und Handgriffe an der Wand befestigt. Manchmal hängt der Toilettensitz höher. Die ganze Wohnung wird hell beleuchtet, Schalter und Steckdosen sind einfach erreichbar. Die Wohnungen sind mit einem Notrufsystem ausgestattet.

Wie viele Alterswohnungen gibt es bereits?

Die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) betreibt momentan rund 2100 Alterswohnungen in 36 verschiedenen Siedlungen. Geplant sind zahlreiche neue Wohnungen, bis 2035 soll es 3000 Alterswohnungen geben. Dazu kommen Alterswohnungen anderer Genossenschaften, Stiftungen und solche auf dem freien Markt – wie viele genau, ist unbekannt.

Überproportional viele ältere Personen wohnen in städtischen Wohnungen: 30 000 von ihnen waren es Ende 2025, das entspricht 44 Prozent aller Seniorinnen und Senioren. In der Gesamtgesellschaft machen Seniorinnen und Senioren in der Stadt Zürich lediglich 18 Prozent aus.

Was will der Gegenvorschlag?

Im Gegenvorschlag steht, dass der Anteil Alterswohnungen sich am Anteil Senioren in der Gesamtbevölkerung orientieren soll, er soll diesem mindestens entsprechen. Ausserdem soll die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich 100 Millionen Franken zusätzlich erhalten, um diese Wohnungen zu bauen.

Wer ist für die Initiative?

Die SVP hat die Initiative eingereicht, unterstützt wird sie von der Mitte. Die beiden Parteien argumentieren, dass die Initiative älteren Menschen Zugang zu Alterswohnungen ermögliche, ohne den Staat viel Geld zu kosten. Die Initiative setze nicht auf grossen Ausbau, sondern auf die gerechtere Verteilung bestehender Ressourcen, schreibt das Initiativkomitee.

Wer ist dagegen?

SP, Grüne, GLP, AL, FDP und der Stadtrat lehnen die Initiative ab. Rot-Grün argumentiert, dass eine festgelegte Quote das falsche Mittel sei. Der Anteil Senioren an der Gesamtbevölkerung werde bis 2035 auf 22 Prozent steigen, wodurch ein fixer Anteil von 20 Prozent Alterswohnungen zu tief würde. Auch der Stadtrat findet, dass eine fixe Quote eine schlechte Lösung sei. Er schlug dem Gemeinderat deshalb eine flexible Quote vor.

Die FDP argumentiert, dass eine fixe Quote das zentrale Problem des generellen Wohnungsmangels nicht löse. Stattdessen verschiebe sie das Problem weg von den Alten hin zu den Jungen. Vielversprechender wäre es laut der FDP, dafür zu sorgen, dass generell mehr Wohnungen gebaut würden.

Wer ist für den Gegenvorschlag?

SP, Grüne und GLP befürworten den Gegenvorschlag. Sie argumentieren, die Kopplung an die Demografie stelle sicher, dass das Angebot der tatsächlichen Nachfrage entspreche. Ausserdem gelte die Quote nicht pro Liegenschaft, sondern für den gesamten städtischen Wohnungsbestand: Kann ein Gebäude die Vorgabe nicht erfüllen, lasse sich das an anderer Stelle kompensieren.

Um das Ziel, genügend Alterswohnungen bereitzustellen, zu erreichen, sei mehr Geld nötig – deswegen brauche es die 100 Millionen für die SAW.

Wer ist gegen den Gegenvorschlag?

Der Stadtrat spricht sich gegen den Gegenvorschlag des Gemeinderats aus. Er verweist darauf, dass die Stadt Zürich schon jetzt stark verschuldet sei und sich zusätzliche 100 Millionen für die SAW nicht leisten könne.

Die FDP argumentiert, dass die SAW gar kein zusätzliches Geld brauche. Das grössere Problem sei, dass kein Platz für Neubauten da sei und Verfahren zu lange dauerten, wenn Projekte angestossen würden. Handlungsbedarf bestehe eher dort. Die SVP verweist darauf, dass die SAW erst vor wenigen Jahren zusätzliche Millionen erhalten habe. Mehr Geld allein löse das Problem fehlender Alterswohnungen nicht.

Was ist die Haltung der NZZ?

Die NZZ empfiehlt, sowohl die Initiative als auch den Gegenvorschlag abzulehnen. Das grundlegende Problem des Wohnungsmangels lösen beide Vorschläge nicht. Es ist nicht ausschliesslich Aufgabe der Stadt, Alterswohnungen zu bauen. Es erschliesst sich nicht, warum gerade ältere Menschen und keine anderen Gruppen mit besonderen Bedürfnissen bei städtischen Wohnungen mit einer starren Quote bevorzugt werden sollen. Zusätzliche 100 Millionen für den Bau von anderen Wohnungen soll und kann sich die Stadt überdies nicht leisten.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Andrea Marti

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