Erklärt
Blau mit weissen Sprenkeln: warum Blaubeeren schnell schimmeln und worauf man beim Kauf und bei der Lagerung achten sollte
Zumindest auf dem Speiseplan ist das eine gute Idee: Wer regelmässig Blaubeeren isst, unterstützt die Gesundheit auf vielfältige Weise. Aber wie bleiben die Beeren frisch?
Nina Himmer28.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten
Illustration Simon Tanner / NZZ
Leserfrage: Warum sind die günstigen Heidelbeeren, oft vom Discounter, so häufig von Schimmel befallen, die teureren eher nicht?
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Sabine Paul ist Blaubeer-Fan. Persönlich, weil sie den süss-sauren Geschmack gerne mag. Beruflich, weil sie die enthaltenen Nährstoffe schätzt, allen voran die sogenannten Anthocyane. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die den Beeren ihre tiefblaue Farbe verleihen. «Für die Gesundheit haben sie viele positive Effekte», sagt die Molekularbiologin von der IU Internationalen Hochschule in Frankfurt am Main und zählt eine Reihe von Studien auf.
Sie zeigen unter anderem, dass der Verzehr von Blaubeeren antioxidativ wirkt, also die Zellen schützen kann. Darüber hinaus liefern sie Futter für unsere nützlichen Darmbakterien. Es gibt Hinweise, dass sie die Regeneration nach Belastung beschleunigen, den Blutzuckerspiegel regulieren und die Durchblutung des Gehirns verbessern. «Es gibt also viele gute Gründe, Blaubeeren regelmässig auf den Speiseplan zu setzen», sagt Paul.
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Druckstellen und Risse begünstigen die Bildung von Schimmel
Dabei gibt es nur ein kleines Problem: Frische Blaubeeren verderben schnell, besonders Schimmelbefall kommt häufig vor. «Schimmelsporen lieben Wasser und Zucker, beides liefern ihnen Blaubeeren, die vor allem einen sehr hohen Wassergehalt haben», erklärt Paul.
Solange ihre Oberfläche intakt ist, sind die Beeren gut geschützt. Doch sobald diese beschädigt ist, etwa durch Risse oder Druckstellen, entsteht eine Angriffsfläche für Schimmel, der sich rasch vermehrt. Studien dazu, ob Beeren vom Discounter schneller schimmeln als andere, gibt es nicht. Paul erscheint das aber aus zwei Gründen zumindest plausibel: «Zum einen sind Beeren aus dem Discounter seltener handverlesen und werden bei der maschinellen Ernte eher mal beschädigt. Zum anderen bleiben beschädigte Beeren möglicherweise aus Kostengründen eher in der Schale, um dort für Gewicht zu sorgen.» Beides könnte dazu führen, dass sie schneller schimmeln.
Dagegen gefeit sind allerdings auch Blaubeeren vom Super-, Bio- oder Wochenmarkt nicht – zumal sie oft beim Transport Schaden nehmen. Es passiert ja sehr schnell, dass die Beeren im Wagen oder in der Einkaufstüte gedrückt und gequetscht werden.
Die Beeren möglichst weit unten im Kühlschrank lagern
Wer dem vorbeugen will, kann schon vor dem Kauf darauf achten, ob die Beeren intakt aussehen und nicht gestapelt gelagert wurden, was zusätzlichen Druck bedeuten würde. Kleine und flache Schalen sind besser als grosse, dicht bepackte. Beim Transport nach Hause sollte man die Beeren so gut wie möglich vor Beschädigung schützen – und sie dort sofort und ungewaschen in den Kühlschrank packen. Und zwar nicht in die Mitte, sondern möglichst weit nach unten.
Sabine Paul erklärt: «Studien zeigen, dass sich Blaubeeren bei 0 bis 4 Grad Celsius bis zu vier Wochen halten, bei 10 bis 12 Grad aber nur fünf bis sieben Tage.» Besonders frisch bleiben sie, wenn man ein sauberes und feuchtes, aber gut ausgewrungenes Geschirrtuch locker um die Packung wickelt. «Feuchtigkeit ist gut, aber bitte keine Tropfen», sagt Paul. Vom Waschen vor dem Lagern rät sie ab, weil es die empfindlichen Beeren eher beschädigt. Das Abwaschen mit Wasser empfiehlt sie deshalb direkt vor dem Verzehr, Zusätze wie Essig oder Natron brauche es nicht.
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Es gibt aber noch eine zweite Möglichkeit, dem Schimmelproblem zu entgehen: «Tiefgefrorene, gefriergetrocknete oder pulverisierte Blaubeeren sind eine hervorragende Alternative zu frischen Beeren – gerade, wenn diese keine Saison haben», so die Molekularbiologin.
Die Nährstoffe bleiben enthalten, selbst wenn man tiefgefrorene Beeren, wie von den Gesundheitsbehörden empfohlen, vor dem Verzehr kurz aufkocht. «Blaubeer-Anthocyane sind nicht besonders hitzeempfindlich und halten das gut aus», sagt Paul, die eine durch kurzes Aufkochen hergestellte Beerengrütze als Topping für Porridge, Joghurt oder als Brotaufstrich empfiehlt. Wer das Maximum an Nährstoffen herausholen will, sollte Wildheidelbeeren gegenüber Kulturheidelbeeren bevorzugen.
Gesund sind zwar beide Varianten, aber beim Aufschneiden wird der Unterschied klar: «Die blaue Farbe und ihre wertvollen Eigenschaften beschränken sich bei Kulturheidelbeeren auf die Schale, während Wildheidelbeeren durchgängig gefärbt sind.»
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Auswärtige Autoren NZZ
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