Erfolgreiches Bildungsprojekt Frühfranzösisch: Zürich baut Austauschprogramm mit der Waadt aus

Der Französischunterricht in Primarschulen ist in der Deutschschweiz unter politischem Druck. Statt den Unterricht in der Landessprache auf die Oberstufe zu verbannen, setzen die Zürcher und Waadtländer Bildungsdirektoren Silvia Steiner und Frédéric Borloz auf mehr Austausch auf allen Stufen.

06.11.2026, 19:51

«Tout va bien»: Alles läuft Bestens. Das war die Botschaft, welche die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner am Freitagvormittag auf einer Medienkonferenz in Lausanne platzierte. Seit fünf Jahren fördern die Kantone Zürich und Waadt den Sprachaustausch in ihren Volks-, Mittel- und Berufsschulen.

Mit Erfolg: Über 16'000 Zürcher Schülerinnen und Schüler sind seither für einen kürzeren oder längeren Sprachaufenthalt in die Waadt gereist und auch einige Hundert Mittel- und Berufsschüler profitierten von diesem Angebot. Im Gegenzug reisten über 16'000 junge Waadtländerinnen und Waadtländer in den Kanton Zürich. «Das ist eine tolle Bilanz», freuten sich die Bildungsdirektoren Silvia Steiner und Frédéric Borloz Seite an Seite.

Wir haben sozusagen bei Null begonnen und jetzt werden die Austauschprogramme immer beliebter. Die Nachfrage steigt ständig.

Doch Zürich schickt nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer für den Französischunterricht in die Waadt – und umgekehrt. Organisiert werden weiter zweisprachige Klassenlager und es gibt sogenannte «E-Tandems», bei denen sich die Jugendlichen mittels Videokonferenzen über die Sprachgrenze hinweg austauschen und dabei gleichzeitig Lernende und Lehrende sind.

Legende: Die Regierungsräte Silvia Steiner und Frédéric Borloz verstehen sich auch persönlich gut. Frédéric Borloz trägt wegen eines Velounfalls aktuell eine Halskrause. SRF/Philippe Reichen

«Wir haben sozusagen bei Null begonnen und jetzt werden die Austauschprogramme immer beliebter und die Nachfrage bei Kindern, Lehrern und Eltern steigt ständig und das wird so weitergehen», sagt Frédéric Borloz.

Auch darum verständigten sich Zürich und die Waadt darauf, ihre Zusammenarbeit zu intensivieren. Geplant ist, kurze Sprachaufenthalte in Schulen und Klassen zu vereinfachen. Auf einer Plattform können Lehrerinnen und Lehrer künftig ihren Wunsch nach einem Sprachaustausch mit ihren Klassen hinterlegen und so eine Klasse im anderen Kanton finden.

Zudem sollen Primarschüler schon ab den ersten Französischlektionen eine Brieffreundschaft pflegen.

Steiner arbeitet Vorschlag aus

Aus Zürcher Sicht erstaunen diese Pläne. Eine Mehrheit im Zürcher Kantonsrat will den Französischunterricht in der Primarschule nämlich abschaffen.

Bildungsdirektorin Steiner sieht darin keinen Widerspruch. Der Kantonsrat habe sie auch beauftragt, das Angebot für Sprachaustausche auszubauen. Klar sei für sie aber, dass man den Lernerfolg im Französischunterricht an den Primarschulen klar misst und wenn er ungenügend ist, Verbesserungen anstrebt.

Im ersten Quartal im nächsten Jahr werde Steiner dem Kantonsrat einen Vorschlag unterbreiten, wie es in Zürich mit dem Französischunterricht an der Primarschule weitergehen soll.

Legende: Mit einer Teetasse haben die Bildungsdirektoren ihre Zusammenarbeit auch symbolisch verewigt. SRF/Philippe Reichen

Geht es also nach dem Willen von Silvia Steiner, soll in Zürich also eher der Französischunterricht umgekrempelt als abgeschafft werden. Dass man den Sprachunterricht kritisch sieht, kann sie nachvollziehen.

Sprache und Begegnungen

Der Waadtländer Bildungsdirektor Frédéric Borloz wiederum will die guten Beziehungen nach Zürich ausbauen.

Er sagt, es gehe nicht alleine um den Spracherwerb, sondern auch darum, seinen Landsleuten zu begegnen und die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes kennenzulernen. Die Schweiz sei mit vier Landessprachen gesegnet. Diesen kulturellen und gesellschaftlichen Schatz müsse sie unbedingt nutzen.

Source: SRF · Philippe Reichen

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