Wegen des Nahost-Kriegs und des tiefen Rheinpegels ist Treibstoff knapp. Bereits angezapft sind die Pflichtlager.

29.10.2026, 06:01

Bald nur noch Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen? Diese Schlagzeile macht in Schweizer Medien derzeit die Runde. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung prüft diese Massnahme tatsächlich – als Reaktion auf eine angespannte Treibstoff-Versorgungslage in der Schweiz. Aber von einer tatsächlichen Umsetzung ist es noch weit entfernt.

Mehrere Faktoren verantwortlich

Der Grund für die Engpässe beim Treibstoff: der Krieg im Nahen Osten sowie der seit Längerem tiefe Wasserstand des Rheins. Normalerweise gelangen Benzin und Heizöl per Schiff über Rotterdam und Basel in die Schweiz. Weil die Wasserpegel des Rheins derzeit zu tief für Transportschiffe sind, ist dieser Schiffsverkehr aber massiv eingeschränkt.

Angespannt ist die Situation aufgrund der Tatsache, dass der Rhein seit längerer Zeit nicht mehr schiffbar ist.

Der Treibstoff fliesst aber noch in die Schweiz: Rohöl kommt etwa per Schiff aus den USA, von Marseille fliesst es dann in einer Pipeline zur Raffinerie in Cressier (NE). Und dann sind da noch die Zugtransporte: Benzin und Diesel kommen etwa aus der Raffinerie Ingolstadt in Deutschland in die Schweiz.

«Angespannt ist die Situation aufgrund der Tatsache, dass der Rhein seit längerer Zeit nicht mehr schiffbar ist», bestätigt Roland Pfister, Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung beim Bund. Denn: Fallen die Transportwege via Zug oder Pipeline zusätzlich weg, hat die Schweiz ein Problem.

Ein ernsthafter Mangel an Benzin und Diesel könnte dann entstehen, wenn eine Pipeline über mehrere Wochen beschädigt ist. «Erst letzte Woche hatte Starkregen in Südfrankreich zu einem kurzen Pipeline-Unterbruch geführt, weil Pumpstationen unter Wasser standen», so Pfister.

Überbrücken mit Pflichtlager

Für solche Mangellagen unterhält die Schweiz Pflichtlager für Diesel, Benzin, Petrol und Heizöl. Seit September greift der Bund zeitweise darauf zurück – bislang aber nur in geringem Umfang: «Beispielsweise beim Diesel waren es letzte Woche vier Prozent unserer Lager, die wir freigegeben haben», so Pfister.

Legende: Der Bundesrat prüft Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen, weil der Treibstoff knapp ist. KEYSTONE/Michael Buholzer

Tempo 80 wäre laut dem Bundesamt erst dann ein Thema, wenn ein substanzieller Teil der Pflichtlager aufgebraucht wäre und freiwilliges Sparen nicht ausreicht. Die Massnahme gilt dennoch als attraktive Option beim Bund, weil der Bundesrat sie rasch verordnen könnte – mit doppelter Wirkung: «Einerseits könnte durch die Tempo-Reduktion Treibstoff gespart werden. Andererseits sendet solch eine Massnahme auch ein sehr starkes Signal an die Bevölkerung», erklärt Pfister.

Kritik aus der SVP

Wenig Begeisterung für die Idee zeigt Transportunternehmer und SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner. Zwar wären seine Lastwagen von einer Tempo-Reduktion gar nicht betroffen, trotzdem hält er davon nichts: «Wir fahren schon heute mehrheitlich auf der Autobahn nicht mehr mit 120.»

Legende: Neben seinem Amt als SVP-Nationalrat ist Benjamin Giezendanner Unternehmer einer Firma im Logistik- und Transportbereich. KEYSTONE/Alessandro della Valle

Giezendanner verweist zudem auf die aktuellen Lagerbestände, die seien voll: «Das würde über 24 Monate reichen, wenn wir so weiter abbauen.» Die Diskussion um Tempo 80 sei deshalb im Moment wenig sinnvoll – wenngleich er Verständnis dafür habe, dass der Bund langfristig Optionen ausloten müsse.

Sowohl Bund als auch Transportbranche sind sich einig: Die Versorgungslage ist angespannt, ein dramatischer Mangel besteht derzeit aber nicht.

Source: SRF · Christa Gall

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