Elon Musk soll den Starlink-Ausfall bei der ukrainischen Armee befohlen haben
Erst kritisierte er Selenski, dann wurde sein Satelliteninternet langsam: Hat der Tech-Milliardär eigenmächtig eine russische Angriffswelle ermöglicht?
22.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten
Ein ukrainischer Polizist inspiziert die Überreste einer russischen Drohne, die in der Stadt Luzk eingeschlagen hat.
Reuters
Am Nachmittag des 14. Oktober steuerten russische Jet-Drohnen auf die westukrainische Stadt Luzk zu, eine schlug auf das Gelände eines Grosshandels ein. Innerhalb weniger Minuten erfasste ein Feuer das Lagergebäude. Sechs Personen, Mitarbeiter und Kunden, starben in dem Inferno, rund ein Dutzend erlitt schwere Verbrennungen.
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Für den Angriff ist allein der russische Präsident Wladimir Putin verantwortlich, aber für die Opfer muss möglicherweise auch Elon Musk geradestehen.
Denn die ukrainischen Abfangdrohnen, die über Satellit gesteuert werden, konnten wohl wegen absichtlicher Signalunterbrüche beim Starlink-Internet nichts gegen den Angriff ausrichten. Auch in anderen Regionen, etwa in Kirowohrad, brach die ukrainische Drohnenabwehr zusammen, mehrere Wohnsiedlungen wurden getroffen.
Wie viele Menschen ihr Leben verloren haben, weil die ukrainische Armee zunächst 24 Stunden lang nur sehr eingeschränkt auf das Netz zugreifen konnte, während die Störung schneller Abfangdrohnen dann noch über Tage anhielt, ist schwer zu sagen.
Doch wenn es stimmt, was das «Wall Street Journal» schreibt, war es Elon Musk selbst, der das Tempo von Starshield, der militärischen Version des Satelliteninternets für die ukrainische Armee, gedrosselt hatte.
Trump gibt sich ahnungslos
Zwar wies der Tech-Milliardär jede Verantwortung von sich. Stunden nach Bekanntwerden der Verlangsamung schrieb Musk auf X, dass Nutzungsbeschränkungen vom amerikanischen Militär und letztlich vom Präsidenten festgelegt würden. Doch laut einer Quelle des «Wall Street Journal» hatte er sich vor der Drosselung mit Donald Trump explizit über die Massnahme ausgetauscht.
Dieser gab sich ahnungslos und erklärte am Montag gegenüber Reportern, er wisse nicht, wer für die Starlink-Verlangsamung verantwortlich sei, «aber ich möchte es herausfinden.» Verteidigungsminister Pete Hegseth äusserte sich ähnlich ausweichend. «Starlink», so sagte er, «hat die Möglichkeit, Entscheidungen bezüglich seiner Nutzungsbedingungen zu treffen.»
Nun ist der Gedanke allerdings abwegig, dass das amerikanische Militär die Hoheit über den Technologieeinsatz auf einem Schlachtfeld einem Tech-Konzern überlassen würde. Das hat nicht zuletzt die Fehde zwischen dem KI-Giganten Anthropic und dem Weissen Haus über den Einsatz von künstlicher Intelligenz im amerikanischen Militär klargemacht. Musk wird kaum eigenmächtig gehandelt haben.
Aber er hat sich offenbar auch nicht gegen die Massnahme gesträubt. Eher scheint er sie aktiv mitgetragen zu haben, darauf deutet auch eine Äusserung von ihm hin. «Selenski ist zu weit gegangen», schrieb er vier Tage vor der Drosselung auf X.
Zuvor hatte Trump dem ukrainischen Präsidenten gedroht, weil dessen Angriffe auf russische Energieanlagen die hohen Benzinpreise in den USA verursacht hätten (und weniger den Iran-Krieg). Er habe Selenski gesagt, dass dieser in Russland tun könne, was er wolle, er solle nur die Raffinerien nicht angreifen. «Und was macht er? Er greift die Dieselanlagen an. Er hört besser schnell damit auf.»
Auch die ukrainische Offensive wurde geschwächt
Offensichtlich will Trump Druck auf Selenski ausüben – und Musk macht mit. Von ukrainischer Seite ist davon die Rede, dass kürzlich auch amerikanische Geheimdienstinformationen zurückgehalten worden seien. Die Drosselung von Starlink passt in dieses Bild. Denkbar wäre allerdings auch, dass Trump die Einschränkung veranlasst hat, um die ukrainische Offensive zu schwächen.
Zwar spielt Starlink bei den ukrainischen Schlägen gegen Energieanlagen tief im russischen Hinterland keine direkte Rolle. Doch wie die «National Review» mit Bezug auf einen Bericht des Institute for the Study of War (ISW) schreibt, sind die ukrainischen Angriffe entlang der Front erheblich beeinträchtigt worden.
Womöglich, so spekuliert die Zeitung, ist die Idee, den Ukrainern das Satelliteninternet abzudrehen, weder von Musk noch aus dem Weissen Haus gekommen – sondern sie sei von Putin an Trump herangetragen worden.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Andreas Scheiner
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