Elektroautos boomen weltweit, aber Tesla tritt auf der Stelle
Das Unternehmen verkündet Fortschritte bei mehreren Zukunftsprojekten, doch der Absatz von Fahrzeugen stagniert. Über die Fusionspläne mit dem Raketenbauer SpaceX sagte CEO Elon Musk für einmal gar nichts.
22.10.2026, 02.16 Uhr
5 Leseminuten
Zur angedachten Fusion von Tesla und SpaceX sagte Elon Musk heute nichts Neues.
Carlos Barria / Reuters
Der Autobauer Tesla hat es dank Elon Musks Plänen für eine Fusion mit dem Weltraum-Unternehmen SpaceX wieder in die Schlagzeilen geschafft. Im Kerngeschäft kommt das Unternehmen jedoch nicht so schnell vorwärts wie erhofft. Der Umsatz stagnierte im dritten Quartal bei 28 Milliarden Dollar, wie Tesla am Mittwochabend bekannt gab. Der Gewinn auf adjustierter Basis ging zurück auf 1,7 Milliarden Dollar.
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Das Unternehmen setzte mit dem Verkauf von Elektroautos und Batteriespeichern weniger um als im Vorjahresquartal. Zugelegt hat immerhin das Dienstleistungsgeschäft: Immer mehr Tesla-Kunden abonnieren den kostenpflichtigen «Full Self Drive»-Modus, bei dem sie in vielen Situationen die Hände vom Steuer lassen können.
Positiv überrascht hat der Konzern dagegen beim freien Cashflow: Nach früheren Aussagen von CEO Musk, dass Tesla 2026 sehr viel investieren werde, rechneten Anleger damit, dass das Unternehmen im dritten Quartal keine freien Mittel generieren würde. Die Investitionen beliefen sich nun aber «nur» auf 4,7 Milliarden Dollar. Das ist gut doppelt so viel wie im Vorjahr, aber weniger als im zweiten Quartal und als erwartet.
Die Investoren zeigen sich beruhigt, dass Tesla bei den Investitionen Mass hält, allen ambitionierten Projekten zum Trotz. Auch deshalb legten die Titel im nachbörslichen Handel um 3 Prozent zu.
Details zu Fusionsplänen
Die Anleger hatten sich von Elon Musk zusätzliche Informationen zu einem allfälligen Zusammenschluss von Tesla mit dem Raketenbauer SpaceX erhofft. Am Vorabend hatte der Chef beider Unternehmen anlässlich der Ergebnispräsentation von SpaceX noch mehrfach bekräftigt, dass er eine Fusion der beiden Technologieunternehmen eine gute Sache fände, und dass die Verwaltungsräte beider Unternehmen Ausschüsse gebildet hätten, um die Bedingungen dafür auszuloten.
Im Gespräch mit Tesla-Analysten sagte Musk aber nichts Neues hierzu, mit Verweis darauf, dass es sich um ein «Minenfeld» handle. Als CEO und Grossaktionär beider Unternehmen könnte er sich dem Vorwurf aussetzen, in einen Interessenkonflikt zu geraten und mit unvorsichtigen Aussagen eines der zwei beteiligten Unternehmen zu benachteiligen.
Während Musk bei SpaceX faktisch weitgehend freie Hand hat, weil er 80 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, kann er bei Tesla nicht allein entscheiden. Er hält etwa 20 Prozent der Anteile des Autobauers. Langjährige Verbündete halten ebenfalls signifikante Positionen, aber ohne die Gunst weiterer Aktionäre wird Musk nicht zum Ziel kommen.
Das Autogeschäft harzt
Derweil tritt Tesla beim Verkauf von Elektroautos, seinem traditionellen Kerngeschäft, auf der Stelle. Wie üblich hatte das Unternehmen vor einigen Wochen bereits Eckwerte zu Produktion und Vertrieb kommuniziert. Tesla hat im dritten Quartal fast 487 000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das war etwas mehr, als die Wall Street erwartet hatte, aber weniger als im Vorjahr.
Dafür weist Tesla eine Bruttogewinnmarge von 19,6 Prozent aus, erwartet wurden nur etwa 18 Prozent. Das heisst: Der Konzern musste seine Verkäufe nicht mit übermässigen Rabatten ankurbeln.
Allerdings werden in den meisten Märkten der Welt so viele Elektroautos verkauft wie noch nie; man hätte hoffen können, dass Tesla von diesem Rückenwind profitiert. Das Unternehmen argumentierte am Mittwoch zum wiederholten Mal, dass die Kundennachfrage stark sei und man wegen einer Knappheit an Batterien nicht mehr Fahrzeuge verkaufen konnte. Dieses Nadelöhr ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Tesla baut seine eigene Batterieproduktion zwar aus, Anfang August eröffnete man eine neue Fabrik in Texas. Tesla will parallel aber auch sein Geschäft mit Energiespeichern ausbauen, das ebenfalls viele Batteriezellen benötigt.
Zudem unterscheidet sich die Nachfrage nach Elektroautos je nach Markt grundlegend: In den USA ist der Absatz von 2026 zunächst eingebrochen, nachdem die Trump-Regierung staatliche Subventionen für Stromer gestrichen hatte. Jüngst wollen manche Autohändler ein zaghaftes Revival der Stromer erkannt haben, angetrieben durch die wegen des Iran-Kriegs stark angestiegenen Benzinpreise.
Tesla wäre gut positioniert, zusätzliche Nachfrage zu bedienen, nachdem GM und Ford 2025 ihre ambitionierten Pläne für neue E-Autos redimensioniert hatten und sich stattdessen auf benzinbetriebene SUVs und Pickup-Trucks fokussierten, die höhere Margen versprachen. Musks Autobauer profitiert überdies davon, dass chinesische Anbieter mit enormen Zöllen vom amerikanischen Markt ferngehalten werden.
Tesla bewirbt seinen neuen Roadster mit futuristischen Bildern und Videos.
HANDOUT
In Europa und Asien sieht die Situation ganz anders aus: Der Absatz von E-Autos hat seit Kriegsbeginn im Februar stark zugenommen. In Norwegen und Hongkong werden fast nur noch strombetriebene Fahrzeuge verkauft, in Dänemark und Singapur machen sie die klare Mehrheit aus. Auch in den grossen Märkten China, Deutschland und Frankreich ist es nur eine Frage der Zeit, bis reine Elektroautos Hybride, Benziner und Dieselfahrzeuge ganz hinter sich lassen.
Tesla profitiert durchaus von dieser Entwicklung. In Europa waren das Model Y und Model 3 im September die beiden meistverkauften Autos überhaupt. In der Schweiz hat Tesla, gemäss Zahlen des Branchenverbands Auto Schweiz, im laufenden Jahr 5317 Autos verkauft, 17,9 Prozent mehr als von Januar bis September 2025.
Roadster, Cybercab, Optimus
Zum jüngst vorgestellten neuen Roadster – der gemäss Musk das letzte klassische Auto sein wird, das Tesla lanciert – gab es an diesem Mittwoch keine grossen Neuigkeiten. Der Fokus lag auf zwei Zukunftsprojekten, die sich langsam einer Serienproduktion nähern sollen: der humanoide Roboter Optimus und das Cybercab, das ohne Steuerrad und Pedale auskommende Herzstück der wachsenden Flotte an selbstfahrenden «Robotaxis», die Tesla betreiben will.
Beide Projekte stiessen regelmässig auf technische Schwierigkeiten, und der Tesla-Chef musste seine ambitionierten Zeitpläne Mal um Mal nach hinten verschieben. Jetzt hat Tesla indes in seiner Fabrik in Fremont, Kalifornien, begonnen, Optimus-Roboter auf jenen Fertigungslinien zu bauen, die zukünftig eine Massenproduktion ermöglichen sollen. Noch immer aber kämpft das Unternehmen mit dem Design der Hände des Roboters, die noch nicht so belastbar und geschickt sind wie menschliche Hände.
In Austin wiederum sind seit dem 3. September Cybercabs von Tesla als unbemannte Taxis unterwegs. Im nächsten Monat sollen die Fahrzeuge auch in Dallas eintreffen. Das «Robotaxi»-Programm hat insgesamt Fortschritte gemacht. Die Zahl der Kilometer, die ohne menschliche Aufsicht zurückgelegt wurde, hat sich laut Tesla in diesem Quartal verachtfacht, wobei mehrheitlich normale Teslas im Einsatz sind. Der Rückstand auf Branchenführer Waymo ist aber weiterhin beträchtlich.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · André Müller
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