Ein Staatskritiker für den Bundesrat? Der Solothurner Nationalrat Rémy Wyssmann bewirbt sich für die Nachfolge von Guy Parmelin

Während der Pandemie kritisierte er die Behörden nun will er das Vertrauen in die Insitutionen wiederherstellen und inszeniert sich als Kandidat für die Romandie.

21.10.2026, 11.44 Uhr

2 Leseminuten


Heute Nationalrat und vielleicht schon bald Bundesrat? Der Solothurner Rémy Wyssmann.

Heute Nationalrat und vielleicht schon bald Bundesrat? Der Solothurner Rémy Wyssmann.

Keystone/peter Schneider / Keystone

Wer für den Bundesrat kandidiert, betont in aller Regel sein staatsmännisches Format. Der Solothurner SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann entschied sich am Mittwoch für das Gegenteil. Und gerade das scheint für ihn sehr typisch zu sein.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Als Wyssmann, 59, in einem Solothurner Hotel seine Kandidatur für die Bundesratswahl vom kommenden Dezember bekanntgab, erklärte er mehrfach, wie «staatskritisch» er sei. Mit seiner Kandidatur wolle er nun das «Vertrauen in die Insitutionen» wieder stärken. Dieses habe in der Vergangenheit unter dem Einfluss von Lobbyisten gelitten. Als Bundesrat wolle er sich dafür einsetzen, dass die Insititutionen wieder den Bürgern und nicht sich selbst dienten. Sich selbst beschrieb der Anwalt und Notar hingegen als absolut unabhängig. «Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig, ausser meinen Klienten.»

Das Image des unbestechlichen Einzelkämpfers, dass Wyssmann am Mittwoch von sich zeichnete, hat er im Verlauf seiner Karriere allmählich aufgebaut. Als kantonaler Parteipräsident stellte er sich gegen seine eigenen Kantonsräte, zerrte den Solothurner Regierungsrat wegen des Kaufs eines ehemaligen Credit-Suisse-Gebäudes vor Gericht - und erhielt von der obersten Instanz im Staat recht. Während der Pandemie kritisierte er die Massnahmen des Bundes und verlangte damals noch als Kantonalpolitiker Einsicht in Impfosttverträge. Der Bundesrat veröffentlichte die Verträge ein Jahr später tatsächlich, wenn auch mit entsprechenden Schwärzungen.

Mit Wyssmann bewirbt sich also ein Staatskritiker für die Kollegialbehörde Bundesrat und damit auch für die Nachfolge des betont konziliant auftretenden Bundespräsidenten Guy Parmelin.

Welche Chancen hat er?

Romand mit Accent fédérale

Wyssmanns Kandidatur kommt überraschend. Bisher war er vor allem in seinem Heimatkanton bekannt. Zwar wurde in Bern zuletzt über eine Solothurner Kandidatur für den Bundesrat spekuliert, doch genannt wurde in diesem Zusammenhang jeweils sein Nationalratskollege Christian Imark, der sich in der Energiepolitik landesweit profiliert, aber bereits am Dienstag abgesagt hat.

Zu Hause in Solothurn hat sich Wyssmann gleich mehrfach profiliert. Als Präsident der Kantonalpartei gab er einen konfrontativen Kurs vor und hatte damit Erfolg. Bei den vergangenen kantonalen Wahlen im Frühling 2025 überholte die SVP erstmals den einst so stolzen Solothurner Freisinn und zog erstmals überhaupt in die Kantonsregierung ein.

Source: Neue Zürcher Zeitung · Matthias Venetz

At a glance

Topic
World
Country
🇨🇭 CH
Publisher language
DE
Added to Allnira