Ein Leben für den Üetliberg Der Zürcher Hausberg verliert mit Margrith Gysel seine Wächterin

22 Jahre kämpfte Margrith Gysel für den Schutz des Zürcher Hausbergs. Nun tritt die Präsidentin des Vereins Pro Üetliberg ab.

Es waren grosse Pläne, die im Sommer 2004 bekannt wurden. Die Besitzer des Hotels «Uto Kulm» auf der Spitze des Üetlibergs planten ein Open-Air-Kino für 700 Personen. Dieses sollte im Juli und August Freiluft- und Filmfans in Scharen auf den Zürcher Hausberg locken.

Für Margrith Gysel war das Projekt «Kino am Berg» Auslöser für ihr Engagement. «Da hat es mir den Deckel gelupft», erinnert sie sich. «Wir haben uns dagegen gewehrt, dass man etwas aufziehen kann, das überhaupt nicht im Einklang steht mit einer Naturschutzgegend.»

Legende: Vor allem mit dem Hotel «Uto Kulm» hatte der Verein Pro Üetliberg immer wieder juristische Konflikte. Keystone/Ennio Leanza

Der Widerstand verfehlte seine Wirkung nicht. Die Behörden reduzierten das Kino-Projekt. Und darüber hinaus entstand aus der Gegenwehr ein 22 Jahre langes Engagement von Margrith Gysel für den Schutz des Zürcher Hausbergs – als Präsidentin des Vereins Pro Üetliberg.

Unzählige Rekurse gegen Events

Der Konflikt zwischen Naturschutz und Kommerz wurde zu ihrer Lebensaufgabe. Gysel wehrte sich gegen Weihnachtsmärkte auf dem Berg, gegen Kioske und gegen laute Partys. Sie wurde zur prominentesten Gegenspielerin der umtriebigen Uto-Kulm-Besitzerfamilie Fry.

«Wir haben gewusst, dass nicht alle Leute die gleiche Meinung haben wie wir», sagt Gysel. Sie wehrte sich vermehrt auf dem Rechtsweg gegen ausufernde Events und illegale Bauten, was dem Verein den Ruf als Spassbremse einbrachte.

«Uns ist es einfach darum gegangen, dass die Grenzen respektiert werden», rechtfertigt sich Gysel. «Und es war auch ein Engagement für die Natur.»

Dieses Engagement war immer wieder erfolgreich. So musste auf dem Üetliberg etwa ein Imbisskiosk weichen. Und das Bundesgericht entschied, dass illegale Terrassenanbauten abgebrochen werden mussten. Dies seien wichtige Meilensteine gewesen.

Auch das Mitwirken am Gestaltungsplan, der vorschreibt, was auf dem Üetliberg überhaupt erlaubt ist und was nicht, sei entscheidend gewesen. Das Resultat erachtet Gysel zwar als «schlechten Kompromiss». Immerhin wurden damit aber 2015 Helikopterflüge und ausufernde Feuerwerke untersagt.

Das unterkühlte Verhältnis zum Uto-Kulm

Gysels hartnäckige Art eckte an, nicht zuletzt beim 2023 verstorbenen Uto-Kulm-Besitzer Giusep Fry. Nach der Geschäftsübernahme durch seinen Sohn Fabian keimte Hoffnung auf Entspannung auf. Doch das Verhältnis blieb kühl. «Wir haben heute fast keinen Kontakt mit Fabian Fry», sagt Gysel.

Legende: Giusep Fry (links) übergab im Mai 2022 die Uto-Kulm-Leitung an Sohn Fabian. Gut ein Jahr später verstarb er unerwartet. Keystone/Michael Buholzer

Sorgen bereitet Gysel aktuell vor allem ein anderes Ausflugsziel am Üetliberg, das Bergrestaurant «Uto Staffel», Dieses organisiert immer wieder Techno-Raves – teils bis tief in die Nacht. Und solche Events gehören laut Gysel nicht in ein Naturschutzgebiet.

Ende des Jahres nun tritt Gysel definitiv ab. Der Entscheid sei ihr nicht leicht gefallen – vor allem, weil der Nachwuchs im Verein fehle. «Ich glaube, die Jungen sind nicht dafür zu haben, sich lange und intensiv zu engagieren, sondern eher punktuell.» Das gehe bei Pro Üetliberg nicht, man müsse «dranbleiben».

Respekt vor der Landschaft entwickeln

Jedoch habe sie das Amt lange ausgeführt, nun brauche es neue Kräfte, sagt Gysel. Sorgen um die Zukunft des Vereins macht sie sich aber nicht. «Im Vorstand verbleiben engagierte und kreative Leute», sagt sie.

Ihr persönlicher Wunsch für den Üetliberg bleibt bescheiden und doch fundamental: «Es wäre schön, wenn alle Leute, die dort oben sind und damit zu tun haben, einfach einen Respekt vor dieser Landschaft entwickeln würden.»

Source: SRF · 08.11.2026, 14:33

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