Ein Klubboss ausser Rand und Band: Der Präsident eines Zürcher Fussballvereins leert das Vereinskonto und erfindet Anschuldigungen

Das Verhalten des 60-jährigen Ex-Präsidenten hat den FC Adliswil in Schieflage gebracht. Für den Berater hat sein Tun nun strafrechtliche Konsequenzen.

23.10.2026, 05.05 Uhr

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Der ehemalige Präsident des FC Adliswil hat zugegeben, Gelder des Vereins veruntreut zu haben.

Der ehemalige Präsident des FC Adliswil hat zugegeben, Gelder des Vereins veruntreut zu haben.

Dominic Nahr / NZZ

Als er 2022 sein Amt als Präsident des FC Adliswil antritt, zeigt sich der neue Klubboss zuversichtlich. Er werde sein Bestes geben und auf den Verein aufpassen, sagt er im vereinseigenen Magazin.

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Doch schon kommt heraus, dass nichts davon stimmt.

Im Herbst 2023 ist plötzlich von einem schwerwiegenden Verdacht und Missmanagement die Rede. Der Klub setzt seinen Präsidenten ab. Nun zeigt ein Strafbefehl der Zürcher Staatsanwaltschaft, in den die NZZ Einsicht genommen hat, was damals beim kleinen Verein aus dem Bezirk Horgen wirklich vorgefallen ist.

Es geht dabei um verschwundene Gelder, gefälschte Dokumente und falsche Anschuldigungen.

In grossen finanziellen Schwierigkeiten

Die Unregelmässigkeiten beginnen im Sommer 2023. Den Klubpräsidenten plagen zu diesem Zeitpunkt grosse finanzielle Sorgen, wie aus dem Strafbefehl hervorgeht. Irgendwann wiegt die Schuldenlast so schwer, dass Pfändungsbeamte vor der Türe seines Einfamilienhauses stehen.

Ende Juli trifft der Mann, der beruflich als Berater arbeitet, eine verhängnisvolle Entscheidung. Er beginnt, das Konto des FC Adliswil leer zu räumen. Als Präsident hat er vollen Zugriff auf das Postkonto. Es beginnt mit einer Überweisung von 9500 Franken Ende Juli. Knapp zwei Wochen später greift er wieder auf das E-Banking-Konto zu und transferiert einmal 1500 Franken und gleichentags nochmals 2500. So geht es bis Mitte Oktober weiter. Zunächst fallen niemandem im Verein die Unregelmässigkeiten auf.

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Dabei geht der Mann immer gleich vor: Er verschiebt das Geld zuerst auf das Privatkonto seiner Ehefrau und von dort weiter auf eigene Konten. Er überweist auch Gelder an seinen Sohn, mit dem Vermerk «Rückvergütung Chilbi 23». Zudem verrechnet er dem Verein Ausgaben für private Essen in Pizzerien und für Einkäufe. Dem Verein entsteht schliesslich ein Schaden von über 56 000 Franken.

Dreiste Ablenkungsmanöver

Zu welchem Zeitpunkt der FC Adliswil die Unregelmässigkeiten entdeckt, geht aus dem Strafbefehl nicht hervor. Sicher ist aber: Beim Klub werden die Mitglieder im Herbst 2023 zunehmend unruhig. Dazu trägt bei, dass die Organisation eines Oktoberfests und der Betrieb einer Chilbi-Bar für den Verein mit grossen Verlusten enden. Verantwortlich dafür: der Klubboss. Er hatte für die Durchführung Personal angestellt, statt wie früher auf Freiwillige des Vereins zu setzen.

Der Präsident versucht, sein Fehlverhalten mit immer dreisteren Ablenkungsmanövern zu kaschieren. Mitte November 2023 lässt er schliesslich sogar durch eine Anwaltskanzlei eine Strafanzeige wegen Veruntreuung bei der Staatsanwaltschaft einreichen. Er zeigt zwei Vorstandsmitglieder des Vereins an, nicht etwa sich selbst. Diese hätten unrechtmässige Überweisungen vorgenommen, behauptet er in der Anzeige. Ein Vorwurf, der sich später als plumpe Lüge entpuppen wird.

Damit habe er in Kauf genommen, dass gegen die Männer eine Strafuntersuchung eröffnet werde, wird der Staatsanwalt später im Strafbefehl festhalten. Dies, obschon er selbst für die fraglichen Überweisungen verantwortlich gewesen sei.

Schliesslich beruft der Klub eine ausserordentliche Generalversammlung ein. Das einzige Traktandum: die Absetzung des Präsidenten. Am 5. Dezember 2023 ist es so weit. Der Angegriffene versucht noch einmal alles, um seine Betrügereien zu kaschieren.

Gemäss einem Bericht der Tamedia-Zeitungen erklärt er an dem Anlass, er habe das Geld vom Vereinskonto abgezogen und das Postkonto aufgelöst. Er versichert den Anwesenden, der Betrag liege auf einem Sperrkonto und werde bald zum FC Adliswil zurückfliessen. Dazu legt er auch zwei gefälschte Kontoauszüge vor, wie es im Strafbefehl heisst.

Doch da glaubt ihm niemand mehr. Der Präsident wird abgesetzt.

Der Klub setzt einen Übergangsvorstand ein. Dieser stellt die Vereinsführung neu auf und führt Kontrollen im Finanzbereich ein, um künftige Verfehlungen zu erschweren. Es sei gelungen, den Verein zu stabilisieren, hält der FC Adliswil in einer Stellungnahme gegenüber der NZZ fest. «Der Verein konnte an der Generalversammlung im Juni 2026 verkünden, dass er wirtschaftlich stabilisiert, juristisch rehabilitiert und sportlich auf Kurs ist.»

Den Verkauf eines Maseratis verschweigt er

Dem geschassten Präsidenten droht weiteres Ungemach. Im Frühling 2024 führt das Betreibungsamt einen Pfändungsvollzug durch. Der Berater behauptet gegenüber den Beamten, er verfüge über keine Vermögenswerte mehr. Doch er verschweigt, dass er beim Verkauf eines Maseratis aus einem Erbvorbezug 78 500 Franken erhielt. Das Geld hatte er an seinen Sohn und seine Ehefrau überwiesen.

Damit habe er gegenüber den Betreibungsbeamten einen falschen Eindruck erweckt, hält der zuständige Staatsanwalt später in seinem Strafbefehl fest. Hätte er die Vermögenswerte nicht verschwiegen, hätte ein Teil der Schulden bezahlt werden können, schreibt der Staatsanwalt.

Im Juli 2024 nehmen die Ermittler den Mann fest und durchsuchen sein Haus. Sie beschlagnahmen nicht nur Dokumente und Datenträger, sondern auch eine Armbanduhr des Mannes und Handtaschen seiner Frau.

Der Schweizer kommt am Tag seiner Festnahme wieder frei. Er gibt zu, dass er Gelder des Fussballklubs veruntreut hat.

Nun, zwei Jahre nach der Festnahme, hat die Zürcher Staatsanwaltschaft ihre Untersuchung gegen den 60-jährigen Schweizer abgeschlossen. Weil er geständig ist, verurteilt die Staatsanwaltschaft den Mann per Strafbefehl. Das Urteil: eine sechsmonatige, bedingte Freiheitsstrafe wegen Veruntreuung, Urkundenfälschung, Pfändungsbetrugs und falscher Anschuldigung. Eine Geldstrafe kommt für den zuständigen Staatsanwalt nicht infrage. Der Mann verfüge über kein ausreichendes Vermögen.

Zudem muss der ehemalige Präsident dem FC Adliswil einen Betrag von 30 000 Franken zurückzahlen. Der Fussballklub schreibt auf Anfrage, man begrüsse die Verurteilung des Ex-Präsidenten. Intern sei die Angelegenheit inzwischen abgeschlossen, rund 26 000 Franken habe man zurückerhalten.

Ob auch das restliche Geld zurückfliesst, ist unklar. Man habe seit 2024 immer so budgetiert, als ob keine Rückzahlung mehr erfolge, hält der Verein fest. «Dank dieser Einstellung hat die Vereinsleitung die Krise schnellstmöglich bewältigen können und den Verein wieder auf eine gesunde Basis gestellt.» Aufgeben will man die Hoffnung beim FC Adliswil aber nicht, dass doch noch eine Rückzahlung erfolgt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Fabian Baumgartner

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