Wegen Bombendrohungen kam es diese Woche mehrfach zu Störungen im Flugverkehr in Europa. Allein am Donnerstag waren über ein Dutzend Passagierflüge von den Vorfällen betroffen und auch am Freitag gab es Meldungen diesbezüglich. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet und von Sprengstoffexperten untersucht. Hinweise auf tatsächliche Sprengsätze wurden jedoch bislang nicht gefunden. Nun stellen sich Fragen nach den wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Drohungen. Aviatik-Spezialist Hansjörg Bürgi erklärt die Hintergründe.

Hansjörg Bürgi

Aviatik-Journalist

Hansjörg Bürgi ist Journalist und Aviatik-Spezialist. Er amtete lange Jahre als Chefredaktor und Verleger von «Skynews.ch», einer Nachrichtenseite für das Flugwesen.

SRF: Wie ordnen Sie die aktuelle Häufung von Bombendrohungen ein?

Hansjörg Bürgi: Es ist einfach ärgerlich. Keine Airline geht das Risiko ein, bei einer Bombendrohung nicht zu reagieren, obwohl das Risiko, dass in Europa eine Bombe an Bord eines Fliegers kommt, sehr, sehr klein ist. Aber natürlich kann man es nicht ausschliessen. Wenn wirklich etwas wäre, wäre das fatal für die Airline.

Weshalb ist das Risiko so klein?

In der EU ist vorgeschrieben, dass sämtliches eingechecktes Gepäck und sämtliches Handgepäck gescannt wird – auch wegen Sprengstoff. Deswegen gab es auch schon seit längerer Zeit keine Vorfälle mehr.

Wiederholt wurden Bombendrohungen gegen Flugzeuge in Europa registriert. Dies meldete die Polizei in Tschechien. Der Flughafen in Prag hat daraufhin Sicherheitsmassnahmen getroffen. Es wurden jedoch keine Flüge gestrichen oder umgeleitet.

Weiter teilte das Büro des französischen Premierministers mit, dass vier neue Bombendrohungen gegen Flugzeuge eingegangen seien, die über französischem Hoheitsgebiet flogen. Inzwischen seien die betroffenen Maschinen sicher gelandet.

Falls diese Drohungen noch zunehmen: Was kommt da auf die Airlines zu?

Wenn man heute einen Flughafen stilllegen möchte, braucht es keine Bomben, dann reicht bereits eine Drohne. Bombendrohungen waren zuletzt eher etwas in den Hintergrund gerückt, weil man heutzutage mit anderen Mitteln den Flugverkehr massiv stören kann. Diese Drohungen hatten jetzt Auswirkungen auf einzelne Flüge, aber wenn ein ganzer Flughafen lahmgelegt wird, betrifft das nicht einige Hundert, sondern einige Tausend Passagiere. Zuletzt gab es auch Hackerangriffe, das wird wohl aus den gleichen Gründen gemacht.

Eine ausserplanmässige Landung kostet im schlimmsten Fall einen sechsstelligen Betrag.

Auf Anfrage wollten verschiedene Akteure in der Branche gegenüber SRF keine Auskunft zu Abläufen beim Eingang solcher Drohungen geben – aus sicherheitstechnischen Gründen. Was können Sie dazu sagen?

Die Fluggesellschaften und die Flugsicherung haben Spezialisten, die sich um solche Vorfälle wie Bombendrohungen kümmern und entsprechende Massnahmen einleiten. Das sind vorbereitete Prozesse, die eingehalten werden müssen. Zum Glück war bislang keine Bombe auffindbar.

Was kostet eine Bombendrohung die Luftfahrtbranche?

Eine ausserplanmässige Landung kostet im schlimmsten Fall einen sechsstelligen Betrag: Der Flieger fehlt am Zielort, die Passagiere müssen umgebucht werden – das ist ein Rattenschwanz. Bezahlen tut’s am Schluss die Airline. Dazu kommt, dass die Fluggesellschaften aktuell bereits wegen der hohen Treibstoffpreise gefordert sind. Diese Drohungen belasten sie nun zusätzlich in diesem schwierigen Jahr.

Die Airlines können diese Situation wohl kaum lange aufrechterhalten. Können Sie sich vorstellen, dass die Abläufe jetzt angepasst werden?

Die Fliegerei lernt immer aus sämtlichen Vorfällen und Unfällen. Aus den aktuellen Fällen werden die Lehren gezogen und Prozesse wohl angepasst oder verbessert. Inwiefern genau, wird man aber nicht erfahren. Und das macht auch Sinn.

Das Gespräch führte Loric Lehmann.

Legende: Ein Flugzeug startet am Flughafen in Prag, nachdem erneut eine Bombendrohung ausgesprochen wurde. Reuters/David W Cerny

Source: SRF · 06.11.2026, 13:22

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