Ein Anlageplan für unruhige Zeiten
Wieso Investoren derzeit nicht nur auf Mainstream-Anlagen setzen sollten.
25.10.2026, 05.30 Uhr
2 Leseminuten
Der heutige Goldpreis ist attraktiv.
Amr Abdallah Dalsh / Reuters
Die Anleger sind gerade verängstigt, und man kann es ihnen nicht verdenken: In Frankreich treiben Krawallmacher die Politik vor sich her. In Iran und folglich auch an den Energiemärkten stehen die Zeichen auf Eskalation. Derweil steigen die Investitionen in KI-Infrastruktur unvermindert an, wie sich diese Woche bei Meta gezeigt hat – ohne dass die Anbieter von KI-Modellen darlegen können, dass sie jemals genügend Einnahmen erzielen werden, um ihre Ausgaben zu decken.
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Viele Websites waren diese Woche temporär unerreichbar. Sie wurden aus Angst vor Hackerangriffen vom Netz genommen. Ferner stehen in den USA Zwischenwahlen an, die für die Republikaner zum Debakel werden könnten.
Auch ich fühle mich orientierungslos, eigentlich schon seit Monaten. Und je mehr Experten ich zuhöre, desto verwirrter werde ich. Zum Beispiel punkto Inflation, die deutlich über den Zielwerten der Notenbanken liegt. Das sei ein grosses Problem, sagen die einen Auguren. Nein, sagen andere. Es komme im Gegenteil bald zu Deflation, weil von KI eine beispiellose Innovationswelle ausgehe.
In solchen Situationen ist es hilfreich, zu überlegen, was man weiss – oder, besser gesagt, zu wissen glaubt.
Ich glaube, dass die gegenwärtige Verunsicherung nicht das Ende der Aktienhausse bedeutet. Mittelfristig jedoch rechne ich mit einer Finanzkrise, die zwei mögliche Ursachen hat: die Überinvestitionen in KI-Infrastruktur oder Turbulenzen bei Staatsanleihen.
Deshalb investiere ich zwar weiterhin in Aktien, möchte dabei aber mein Exposure zum Thema KI kleinhalten. Zum Beispiel mit ETF auf gleichgewichtete Aktienindizes (im Finanzjargon «equal weight» genannt). In diesen hat Nvidia die gleiche Stellung wie der Bodenbelaghersteller Mohawk Industries. Auch Value-Aktienfonds können eine Antwort sein.
Ich setze auf einen erhöhten Cash-Anteil und 10 Prozent Gold (inklusive Goldminenaktien und Silber). Beim heutigen Goldpreis von unter 4000 Dollar pro Unze ist der Einstiegszeitpunkt günstig. Ich glaube ferner, dass Bitcoin künftig die Anlage mit der besten Performance sein wird: mit Renditen von 15 Prozent pro Jahr und mehr.
Ich denke, dass populäre Anlagethemen wie Raumfahrt, Quantencomputer usw. nicht investierbar sind, da deren Aktien zu hohe Bewertungen aufweisen. Die relevanten Firmen bleiben zu lange in Privatbesitz und kommen erst an die Börse, wenn Wagniskapitalgeber das ganze Potenzial schon abgeschöpft haben. Mit Anthropic oder SpaceX werden Anleger nicht auf einen grünen Zweig kommen.
Die grosse Ausnahme ist das Anlagethema Digitalisierung des Geldwesens, weil dort alle Investoren von Anfang an partizipieren können. Ich erwarte, dass sich ein Korb von qualitativ guten Blockchain-Projekten wie Aave, Ether, Near, Solana oder Uniswap in zehn Jahren im Preis verzehnfacht.
Nicht zuletzt halte ich Ausschau nach besonders unpopulären Aktien, weil ich gerne bereit bin, ein paar Jahre auf eine Normalisierung zu warten. Deshalb verfolge ich zum Beispiel aufmerksam, wie es mit dem indonesischen Aktienmarkt weitergeht, der fast wöchentlich neue Tiefs erreicht.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Markus Städeli
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