Ein 26-Jähriger fälscht Dutzende von Baseballschlägern und verkauft sie weiter
Der Logistiker überzog die Schläger mit Logos bekannter Luxusmarken. Dafür richtete er sich eine eigene Werkstatt ein.
Tom Felber
26.10.2026, 05.04 Uhr
3 Leseminuten
Illustration Ida Götz / NZZ
Wer in den Jahren 2024 oder 2025 bei einem jungen Mann im Zürcher Oberland Baseballschläger gekauft hat, die mit Logos des FCZ, von Rolex oder Mercedes versehen waren, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit mit einem Fälscher handelseinig geworden. Dies geht aus einem rechtskräftigen Strafbefehl hervor, in den die NZZ Einsicht hatte.
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Ein 26-jähriger Logistiker bestellte beim Onlinehändler Galaxus eine grosse Menge Baseballschläger und bezahlte dafür 30 Franken pro Stück. In einem gemieteten Bastelraum in einem Keller hatte er sich eine Fälscherwerkstatt eingerichtet. Er besprayte und lackierte die Schläger und überzog mindestens 80 davon mit Folien, die mit Logos von bekannten Luxusmarken oder Klubs bedruckt waren. Woher er die Folien mit den Logos hatte, blieb in der Untersuchung ungeklärt.
Über Facebook und Tiktok angeboten
Dann bot der junge Schweizer die Baseballschläger als Dekorationsobjekte über die sozialen Netzwerke Facebook und Tiktok an. Er lieferte auch Wandhalterungen mit, damit die Kunden die Schläger in der Wohnung aufhängen und bestaunen konnten. Innert weniger Monate verkaufte er gemäss dem Strafbefehl 20 bis 30 Stück davon zu einem Preis von jeweils 80 bis 100 Franken.
Besonders lukrativ war das Business nicht: Abzüglich seiner Aufwendungen erzielte er damit einen Gewinn von wenigen hundert Franken, wie es im Strafbefehl heisst. Der Tatzeitraum ist mit Oktober 2024 bis Juli 2025 angegeben. Der eigentliche Verkauf soll vor allem in den letzten drei Monaten stattgefunden haben, bevor er aufflog.
Gemäss dem Strafbefehl stellte er Objekte her, die im Handel und Verkehr den falschen Eindruck erweckten, es handle sich um Originalware mit einem höheren als ihrem tatsächlichen Wert. Durch die gefälschten Logos seien die Schläger mit Original-Baseballschlägern der betreffenden Marken verwechselbar gewesen.
Wie und weshalb der Mann erwischt wurde, ist im Strafbefehl nicht beschrieben. Anfang Juli 2025 wurde sein Bastelraum durchsucht, es kamen noch 62 Baseballschläger zum Vorschein, von denen ein Teil mit Folien versehen war. Auf diesen waren gefälschte Firmen- oder Vereinslogos von FCZ, Mercedes, Amag und Rolex abgebildet. 16 der sichergestellten Schläger waren aber noch Rohlinge.
Die Baseballschläger werden vernichtet
Der beschuldigte Schweizer ist wegen Warenfälschung, Markenrechtsverletzung und Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 90 Franken (5400 Franken) verurteilt worden. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben, die Probezeit dafür aber nicht auf die üblichen zwei Jahre, sondern auf drei Jahre angesetzt.
Bezahlen muss der Logistiker 1000 Franken Busse, 800 Franken Gebühren und 800 Franken für Anwaltskosten der geschädigten Firma Rolex AG. Die 62 Baseballschläger werden der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. Allfällige Zivilklagen wurden auf den Zivilweg verwiesen. Rolex hatte offensichtlich wesentlich höhere Anwaltskosten geltend gemacht, die zuständige Staatsanwältin hielt aber nur 800 Franken für angemessen.
Wie im Strafbefehl steht, hat sie berücksichtigt, dass das Strafverfahren wenig komplex gewesen ist. Die Polizei habe sämtliche Ermittlungen und Abklärungen selbständig durchgeführt und die im Ermittlungsverfahren bekanntgewordenen Geschädigten lediglich noch zur Erklärung angehalten, ob Strafantrag gestellt werde und Zivilansprüche geltend gemacht würden.
Zu berücksichtigen sei auch, dass lediglich eine kurze polizeiliche Einvernahme durchgeführt worden sei, «in welcher der Beschuldigte von Anfang an geständig war und sich weitgehend kooperativ zeigte».
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Auswärtige Autoren NZZ
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