E-Autos erleben gerade einen Boom. Nun dürfen die Käufer auf eine Gnadenfrist bei den Steuern hoffen
Der Bund plant eine Verschiebung der geplanten neuen Abgabe auf Elektroautos. Die Besitzer könnten dadurch schnell mehrere hundert Franken sparen.
25.10.2026, 05.30 Uhr
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Wie lange fährt dieses Auto noch steuerfrei? Ein E-Auto beim Laden auf der Autobahnraststätte Würenlos.
Christian Beutler / Keystone
Ein Benzinpreis von satten 2 Franken 10 pro Liter, günstigere Angebote im Verkauf und immer noch keine Steuern: Selten war der Kauf eines Elektroautos in der Schweiz vergleichsweise so günstig. Dementsprechend ziehen die Verkäufe gerade an. Im September war mehr als jedes dritte neu verkaufte Auto ein reines Elektrofahrzeug, so hoch war der Anteil noch nie.
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Zumindest einem dieser Vorteile aber droht das Aus: Der Bundesrat will auch für Elektrofahrzeuge eine Abgabe einführen. Sie soll etwa der Belastung entsprechen, welche die Fahrer von Autos mit Verbrennungsmotor mit ihren Benzinsteuern abliefern, und per 2030 erhoben werden. So jedenfalls schlug es Verkehrsminister Albert Rösti im letzten Herbst vor.
Bund geht über die Bücher
Nun könnten die Besitzer von E-Autos jedoch nochmals eine Gnadenfrist erhalten. Denn aufgrund der kritischen Reaktionen aus der Politik überprüft der Bundesrat, «inwieweit der vorgesehene Einführungszeitpunkt 2030 für die neue Abgabe zeitlich nach hinten verschoben werden kann (. . .)». Alternativ sei auch «eine gestaffelte Einführung der Abgabe» mit zunächst niedrigeren und dann schrittweise erhöhten Tarifen eine Option. So schreibt es der Bundesrat im aktuellen Finanzplan.
Wie genau der neue Fahrplan aussieht, will das federführende Bundesamt für Strassen nicht verraten. Es teilt auf Anfrage nur mit, der Bundesrat werde die entsprechende Vorlage voraussichtlich noch in diesem Jahr ans Parlament überweisen und dabei auch über den Zeitpunkt der Einführung entscheiden.
Zur Debatte steht dem Vernehmen nach der Plan, die volle Abgabe erst ab 2035 zu erheben, also fünf Jahre später als geplant. Vorher könnte der Bund allenfalls mit einer Übergangslösung arbeiten und ab 2031 eine Abgabe einziehen, die zuerst einem Drittel, dann zwei Dritteln der vollen Last entspricht.
Was nach nur wenig Aufschub tönt, hat finanziell rasch Konsequenzen, sowohl für die E-Auto-Besitzer wie auch für die Bundeskasse: Für die Autofahrer geht es je nach Anzahl der gefahrenen Kilometer schnell einmal um 1000 und mehr Franken pro Jahr, im Schnitt soll sich die Steuerbelastung analog zu der bei den Verbrennerautos bei rund 600 Franken bewegen. Und für den Bund stehen gar Milliarden auf dem Spiel. Die Einnahmen aus der Abgabe werden im Schnitt der ersten zehn Jahre auf jährlich 1,8 Milliarden Franken geschätzt. Davon fliesst gut ein Drittel in die Bundeskasse, der Rest geht in die Finanzierungstöpfe zum Bau und Unterhalt der Strassen.
Gerechtigkeit oder politische Förderung?
Dementsprechend muss der Bund bei seiner Planung eine heikle Gleichung zwischen Gerechtigkeit, Geld und politisch gewollter Förderung in der Balance halten. Er muss einerseits darauf achten, dass nicht eine Kategorie von Autofahrern langfristig die Strassen zum steuerlichen Nulltarif nutzen kann. Und er muss schauen, dass die Strassenkasse nicht verarmt, wenn immer mehr Menschen E-Autos fahren und keine Benzinsteuern mehr bezahlen. Er muss aber auch aufpassen, dass er das Umsteigen auf Elektromobilität nicht ausbremst. Denn dieser Wechsel ist entscheidend, wenn die Schweiz ihre Klimaziele erreichen und die CO2-Emissionen per 2050 auf netto null senken will.
Für den Interessenverband der Elektromobilität, Swiss E-Mobility, ist die Verschiebung der Abgabe darum höchstens ein Etappenerfolg. Er fordert, mit neuen Steuern sei zuzuwarten, bis sich die Elektromobilität im Alltag etabliert habe. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen diese Abgabe, sie sollte jedoch erst eingeführt werden, wenn der Anteil der Elektroautos auf der Strasse 30 Prozent erreicht hat», sagt der Verbandspräsident und Nationalrat Jürg Grossen (GLP).
Davon ist die Schweiz noch weit entfernt. Im Moment beträgt der Anteil der Steckerfahrzeuge bei den Personenwagen auf der Strasse knapp 10 Prozent. Und auch bei den Neuzulassungen geht es nicht so schnell vorwärts wie gewünscht. Eigentlich hatte der Bund das Ziel, dass schon 2025 jeder zweite Neuwagen mit Strom fahren sollte. Doch auch ein Jahr später kommt die Schweiz erst auf gut 37 Prozent (26 Prozent reine Elektrofahrzeuge und 11 Prozent Plug-in-Hybride mit Strom- und Verbrennungsmotor). Damit liegt sie bei den reinen Elektroautos auch hinter Nachbarländern wie Deutschland, Frankreich oder Österreich. «Wenn wir schon jetzt neue Steuern einführen, bremst das die Entwicklung und gefährdet die Klimaziele im Verkehr», sagt Grossen. Nötig sei das Gegenteil, nämlich dass der Bund die Bedingungen für die Elektromobilität verbessere, etwa mit mehr öffentlichen Ladestationen und einem Recht auf Laden für Mieter und Stockwerkeigentümer.
Ganz ähnlich tönt es beim Branchenverband Auto Schweiz: «Es ist unabdingbar, dass der Bund die Abgabe hinausschiebt», sagt der Direktor Thomas Rücker. Und auch er fordert, die Einführung der Abgabe an einen Marktanteil von 30 Prozent zu knüpfen.
Wie viel Gehör Auto Schweiz bei seinem früheren Präsidenten finden wird, dem heutigen Verkehrsminister Rösti, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Daniel Friedli
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