Donzallaz und van de Graaf Liebesbeziehung am Bundesgericht: Urteil mit Spannung erwartet

Müssen etliche Gerichtsfälle neu aufgerollt werden, weil zwei Bundesrichter ein Paar waren? Die Hintergründe.

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05.11.2026, 11:40

Vor dem Bundesgericht kommt es heute Donnerstag zum Showdown. Ihre Beziehung habe nicht gegen das Gesetz verstossen, wehrten sich am Vormittag Bundesrichter Yves Donzallaz und Bundesrichterin Beatrice van de Graaf, die auch um ihre Wiederwahl zittern müssen.

Was ist eine dauernde Lebensgemeinschaft?

Doch worum geht es eigentlich? Nach einem Frühlingssturm 2025 half Bundesrichterin Beatrice van de Graaf ihrem Kollegen Yves Donzallaz, seinen Garten aufzuräumen. Bei der Gartenarbeit funkte es offenbar – die beiden wurden ein Paar und blieben ein knappes Jahr zusammen.

Legende: Yves Donzallaz bei einer Anhörung der Gerichtskommission im August in Bern. Keystone/Anthony Anex/Archiv

Nach der Trennung machte die Weltwoche die Beziehung publik. Denn: Aus Gründen der Unabhängigkeit dürfen Bundesrichter keine dauernde Lebensgemeinschaft miteinander eingehen. Doch was ist eine dauernde Lebensgemeinschaft? Wenn Mitglieder des Bundesgerichts Tisch und Bett teilen, also zusammen wohnen? Oder verstossen sie bereits dann gegen das Gesetz, wenn sie nur das Bett teilen? Darüber streitet nun das Bundesgericht – öffentlich.

Denn: Ein Mann verlangt, dass seine rechtskräftige Verurteilung durch Bundesrichterin van de Graaf wegen versuchter Tötung neu beurteilt wird. Wegen der Liebesbeziehung sei die Unabhängigkeit des Gerichts beeinträchtigt.

Legende: Auch Beatrice van de Graaf war bei der Anhörung im Bundeshaus dabei. Keystone/Anthony Anex/Archiv

Das Bundesgericht nimmt diesen Fall als Pilot-Prozess und führt heute Donnerstag in Lausanne eine öffentliche Verhandlung und Urteilsberatung durch.

13 Revisionsgesuche pendent

Wenn das Gericht zum Schluss kommt, dass die Liebesbeziehung widerrechtlich war, hat das weitreichende Folgen über den Einzelfall hinaus: 13 weitere Revisionsgesuche sind pendent. Darunter jenes der Ex-Profiboxerin Viviane Obenauf, die wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt wurde. Weitere Gesuche könnten gegen Urteile der letzten 30 Tage hinzu kommen, da Donzallaz und van de Graaf weiterhin eingesetzt werden.

Donzallaz und van de Graaf müssen zudem um ihre Wiederwahl ans Bundesgericht zittern. Das Parlament hat die Erneuerungswahlen extra auf die Wintersession verschoben. Es will zuerst wissen, ob das Bundesgericht selbst die Beziehung zwischen Donzallaz und van de Graaf als widerrechtlich einstuft.

Spannung steigt

Schliesslich soll das Urteil den eher verwirrlichen Gesetzestext klären, welche Art von Beziehungen zwischen Bundesrichterinnen und Bundesrichtern künftig verboten sind.

Für die internen Richtlinien ist das Bundesgericht übrigens bereits zum Schluss gekommen: Jede Art von Beziehung zwischen Richterinnen und Richtern ist ein No Go. Egal ob sie sich Haus und Tisch teilen – oder nur das Bett.

Die Spannung steigt also, zu welchen Schlüssen das Bundesgericht kommt. Mit einem Verdikt ist gegen späten Nachmittag oder Abend zu rechnen.

Source: SRF · Sibilla Bondolfi

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