Die Zürcher Bevölkerung ist die sportlichste der Schweiz – die Senioren überraschen
Eine Studie zeigt, wer sich regelmässig fit hält und welche Sportarten besonders beliebt sind. Die Daten offenbaren ein soziales Gefälle.
Vincenzo Togni24.10.2026, 05.03 Uhr
4 Leseminuten
Pensionierte Frauen und Männer im Kanton Zürich halten sich fit: 82 Prozent der 60- bis 74-Jährigen ertüchtigen sich regelmässig.
Gaëtan Bally / Keystone
Mit dem Velo ist Regierungsrat Mario Fehr am Freitagmorgen von Adliswil in die Stadt Zürich gefahren. Mehr als die Hälfte seiner Arbeitswege zum Regierungssitz an der Walche legt Fehr mit einem seiner vier Velos zurück. Vor den Medien erzählte er am Freitag, dass er heute dreissig Minuten gebraucht habe.
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Euphorisiert war der Sportminister Fehr jedoch von etwas anderem: einer neuen Studie zur sportlichen Aktivität der Zürcher Bevölkerung. Er sagt: «Die Zahlen sind erfreulich, denn Zürich ist die sportlichste Region der Schweiz.»
Mit der Studie «Sport im Kanton Zürich» untersucht der Kanton das «Sportverhalten und die Sportbedürfnisse» der Zürcherinnen und Zürcher. Sie ist Teil der Bevölkerungsumfrage «Sport Schweiz 2026», die alle sechs Jahre durchgeführt wird. Für die repräsentative Umfrage wählte das Bundesamt für Statistik Personen über 15 Jahre nach dem Zufallsprinzip aus. Knapp dreitausend Menschen aus der Region Zürich nahmen an der halbstündigen Befragung teil.
Während die sportliche Aktivität schweizweit stagniert, machen die Zürcherinnen und Zürcher mehr Sport als in den Vorjahren. 79 Prozent der Befragten trainieren regelmässig. Schweizweit sind es fünf Prozentpunkte weniger. Mehr als die Hälfte der Befragten im Kanton Zürich treibt sogar mehrmals pro Woche Sport und kommt dabei auf über drei Stunden.
Der Regierungsrat Mario Fehr gehört auch dank seinen Velofahrten zu ihnen. Mit seinen 68 Jahren zählt er zudem zur aktivsten Altersgruppe: 82 Prozent der 60- bis 74-Jährigen ertüchtigen sich regelmässig. Fehr selbst findet dieses Ergebnis «erstaunlich».
Ein akademischer Fitnessvorsprung
Die Bewegungswissenschafterin Rahel Bürgi hat an der Studie mitgearbeitet. Sie erklärt sich die aktiven Seniorinnen und Senioren mit einem allgemeinen Trend: Sport sei nicht mehr nur für junge Männer da wie noch vor einigen Jahrzehnten. Gerade Frauen und Personen in der zweiten Lebenshälfte seien in den letzten Jahren dazugekommen. Ältere Menschen wollten gesund bleiben und nutzten die Zeit nach der Pensionierung, um aktiv zu bleiben. Bürgi sagt: «Der Sport hat sich sozusagen demokratisiert.»
Nicht nur bei den Senioren, auch bei den Frauen liegt der Kanton Zürich über dem nationalen Durchschnitt. Noch immer sind Frauen etwas seltener sportlich aktiv als Männer, gerade bei den unter 45-Jährigen. In den Gruppen 45 Jahre und älter gleicht sich dieser Unterschied aus. Rahel Bürgi sagt: «In der Region Zürich hat sich im Vergleich zur Studie von 2020 die sportliche Aktivität bei Frauen gesteigert, während diese Zahl in der Schweiz stagnierte.»
Der Kanton Zürich stellt zudem ein soziales Gefälle fest: Je höher der Bildungsstand und je grösser das Einkommen, desto mehr bewegen sich Menschen in ihrer Freizeit. 86 Prozent der Personen mit einem Universitätsabschluss trainieren regelmässig. Bei jenen, die ausschliesslich die obligatorische Schule absolviert haben, sind es gerade einmal 50 Prozent.
«Dabei hat sich in den letzten zwanzig Jahren relativ wenig verändert», sagt Bürgi. Auch in der schweizweiten Studie zeigen sich diese Unterschiede.
Der Wettkampf verliert an Bedeutung
Die meisten der Befragten treiben Sport, um ihre Gesundheit zu verbessern, Stress abzubauen oder sich zu entspannen. Dies geht mit dem Trend einher, dass immer mehr Menschen individuell Sport treiben. Viele Zürcherinnen und Zürcher joggen oder fahren Velo im Freien. Fitnesszentren wurden in den letzten Jahren zur wichtigsten Sportinfrastruktur.
Weniger wichtig ist in den letzten zwanzig Jahren der Wettkampfgedanke geworden. Der Anteil der Vereinsmitglieder ist um drei Prozentpunkte gesunken. Für Josy Beer, Geschäftsführerin des kantonalen Sportverbands, bedeutet das keine Krise der Sportvereine. Die Sportlandschaft werde vielfältiger, individueller und zeitlich flexibler.
Zudem sind Kinder unter 15 Jahren von der Untersuchung ausgenommen. Sie machen einen grossen Teil aller Vereinsmitglieder aus. Für sie bleibe der Verein im Dorf oder im Quartier unersetzbar und leiste viel für die soziale Integration, sagt Josy Beer.
Der Trend zum individuellen Sport zeigt sich auch bei den beliebtesten Sportarten: Wandern, Velofahren und Schwimmen liegen vorne. Die Bewegungswissenschafterin Rahel Bürgi bezeichnet diese drei Sportarten zusammen mit Laufen und Skifahren als «helvetischen Fünfkampf». Auch Yoga, Krafttraining und Fitnesstraining sind heute sehr beliebt.
Das Sportamt des Kantons Zürich führt die Zahlen auf seine eigenen Kampagnen zurück. Doch auch Sportinfluencer oder der Longevity-Trend dürften dazu beigetragen haben. Der Kanton will die Kampagnen verstärken und damit die Zürcher Bevölkerung zu noch mehr Sport bewegen.
Der Leiter des Sportamts, Stefan Schötzau, sagt, dafür brauche es genügend Infrastruktur. Beim Ausbau in den Gemeinden gebe es noch Luft nach oben. Gefragt seien Turnhallen, Schwimmbäder und Kraftanlagen unter freiem Himmel.
Für Stefan Schötzau selbst hat sich die Infrastruktur im Amtshaus Walche nahe dem Hauptbahnhof verbessert. Früher hätten nur die Regierungsräte die Duschen nutzen dürfen, so erinnert sich Mario Fehr. Wie der Sport in der Region Zürich habe sich auch das Duschregime in der Walche «demokratisiert». Wer am Morgen mit dem Velo zur Arbeit fährt, darf sich inzwischen ebenso frisch machen wie die Regierungsmitglieder.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Vincenzo Togni
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