Die SVP ist überholt worden: Die FDP ist die neue Lieblingspartei der Zürcher Hauseigentümer
Acht der zehn eigentumsfreundlichsten Kantonsparlamentarier sind Freisinnige. Dies zeigt eine Untersuchung des HEV Kanton Zürich.
22.10.2026, 05.00 Uhr
4 Leseminuten
In Zürich ist Wohnraum begehrt – und ein grosses politisches Streitthema.
Michael Buholzer / Keystone
Das Wohnen ist eines der wichtigsten politischen Themen im Kanton Zürich. Fast 50-mal hat das Parlament seit 2023 über Vorlagen diskutiert, die im engeren und weiteren Sinn damit zu tun hatten: Linke und rechte Wohninitiativen, Bauvorschriften, Klimaregeln und energetische Sanierungen waren genauso traktandiert wie Veloabstellplätze und Tempo 30 oder Vorstösse zu Pestiziden in Privatgärten.
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Diese Geschäfte sind nicht nur politisch wichtig. Sie liefern auch eine ausgezeichnete Datenbasis, um den Parteien und den Parlamentariern den Puls zu fühlen. Das elektronische Abstimmungssystem des Kantonsrats zeichnet nämlich für jede Vorlage auf, wie die 180 Parlamentarier abgestimmt haben.
Der Hauseigentümerverband (HEV) Kanton Zürich hat diese Daten nun von Politools auswerten lassen – das ist derselbe Nonprofit-Verein, der auch das Abstimmungstool Smartvote betreibt. Der HEV wollte herausfinden, welche Parteien und welche Parlamentarier den Hauseigentümern, Vermietern und Grundbesitzern wohlgesinnt sind. Das Resultat soll diesen als Empfehlung für die kantonalen Wahlen im April 2027 dienen.
Die Mitte fällt leicht zurück
Zuerst zu den Parteien: Hier gibt es eine klare Siegerin, und das ist die FDP. Sie kommt auf einen Wert von 86,3 Prozent. Auf dem zweiten Platz liegt die SVP (83,4 Prozent), auf dem dritten die EDU (81,2 Prozent). Der HEV wertet alles über 80 Prozent als «sehr hohe Übereinstimmung» mit seinen Werten. Nur knapp unter dieser Marke liegt die Mitte (76,2 Prozent), sie darf somit auch noch zum Quartett der eigentumsfreundlichen Parteien gezählt werden.
Mit deutlichem Abstand folgt ein kleines Mittelfeld mit GLP und EVP. Sie liegen bei unter 40 Prozent Übereinstimmung. Am Schluss liegen, in absteigender Reihenfolge, die linken Parteien AL, SP und Grüne. Sie alle kommen auf weniger als 20 Prozent.
Die SVP für einmal im Clinch mit den Hauseigentümern
Das Parteienranking mag auf den ersten Blick nicht überraschen. Dass die bürgerlichen Parteien den Wohneigentümern generell wohlgesinnt sind, während die Linke den Mietern nahesteht, ist schliesslich eine politische Binsenwahrheit.
In den Details zeigen sich aber sehr wohl Auffälligkeiten. Speziell ist etwa, dass es nicht nur von linker Seite Vorlagen gab, die nach Ansicht des HEV besonders schädlich für das Wohneigentum waren. Auch die SVP reichte eine solche ein.
Die Volkspartei schlug vor, dass Mieter dreissig Prozent ihrer Mietkosten vom steuerbaren Einkommen abziehen. Aus der Sicht des HEV handelte es sich dabei um eine einseitige Begünstigung der Mieterschaft, was die steuerliche Benachteiligung des Wohneigentums erhöhen würde.
Die Initiative blieb im Parlament chancenlos, aber 48 Mitglieder der SVP-EDU-Fraktion hatten dafür gestimmt. Dies kostete sie im Ranking wichtige Punkte, wie der HEV auf Nachfrage bestätigt.
Die Initiative der SVP und die Abstrafung im Ranking sind auch deshalb speziell, weil sich HEV und SVP inhaltlich und personell nahestehen. Der Präsident des Schweizerischen HEV ist der Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz, und der Anfang Oktober verstorbene Alt-SVP-Nationalrat Hans Egloff war langjähriger Präsident der Zürcher Kantonalsektion und des nationalen Dachverbands.
Von einem Bruch zwischen HEV und SVP will der kantonalzürcherische HEV-Direktor Albert Leiser nicht sprechen. «In den allermeisten eigentumspolitischen Fragen arbeiten wir eng mit der SVP zusammen», sagt er. Dass man auch bei einer nahestehenden Partei konsequent bleibe und einen Vorstoss negativ bewerte, unterstreiche die Glaubwürdigkeit des Ratings.
Bereits vor vier Jahren gab es eine ähnliche Auswertung. Damals nahm die Winterthurer Sektion des HEV die Abstimmungen im Kantonsparlament unter die Lupe. Siegerin war die SVP, die EDU folgte auf Platz zwei. Die FDP schaffte es mit einigem Abstand auf Platz drei.
Beim Vergleich der beiden Ranglisten ist jedoch eine gewisse Zurückhaltung angezeigt. Dies unter anderem, weil sie methodisch anders angegangen wurden. Ein Hauptunterschied: Bei der jüngsten Auswertung wurden nicht alle Vorlagen gleich gewichtet. Jedes der 47 ausgewerteten Geschäfte erhielt einen Wert von 1 bis 4, wobei die 1 für eine «eher geringe Bedeutung» für Hauseigentümer steht und die 4 für eine «sehr wichtige Abstimmung».
Zur wichtigen Kategorie 4 gehörte zum Beispiel die linke «Wohnschutzinitiative», welche unter anderem einen Mietzinsdeckel verlangte, aber auch die erwähnte SVP-Forderung mit dem Steuerabzug für Mieten. In die tiefste Kategorie 1 hingegen fiel etwa die Diskussion über Pestizide in Privatgärten.
Sonja Rueff-Frenkel an der Spitze
Beim Ranking der Einzelpersonen sticht die FDP ebenfalls hervor. Acht Personen in den Top Ten sind freisinnige Parlamentarier. An der Spitze steht Sonja Rueff-Frenkel, darauf folgen Marc Bourgeois und Dieter Kläy. Der erste Nicht-FDPler ist Lorenz Habicher von der SVP auf Platz sechs.
Am wenigsten eigentumsfreundlich sind die Grünen Selma L’Orange Seigo, David Galeuchet und Jeannette Büsser. In der Rangliste wurden nur aktive Kantonsratsmitglieder berücksichtigt sowie jene, die bei mehr als der Hälfte der Wohnvorlagen im Parlament abstimmten.
Dass sich Sonja Rueff-Frenkel politisch besonders konsequent für die Wohneigentümer einsetzt, erstaunt nicht. Die Rechtsanwältin war fast zwanzig Jahre lang stellvertretende Geschäftsführerin des HEV Aargau. Dort amtete sie auch als Leiterin des Rechtsdienstes. Ausserdem sitzt sie seit 2020 im Beirat des Vorstands des Kantonalzürcher HEV.
Insgesamt dürfte die Einteilung eines Parlamentsmitglieds in ein Perzentil aber entscheidender sein als sein individueller Rang. So kommen gleich 69 Kantonsräte auf einen Score von 80 Prozent oder mehr, sie gelten also als besonders eigentumsfreundlich. Realpolitisch gesehen, dürfte die Haltung zu Eigentumsfragen zwischen Platz 1 und Platz 69 kaum von grossen Differenzen geprägt sein.
Albert Leiser sagt, dass die Ratingwerte gerade im bürgerlichen Lager sehr eng beieinanderlägen. «Schon wenige, besonders hoch gewichtete Abstimmungen können deshalb Rangverschiebungen bewirken.»
Welche Partei und welche Personen der HEV als eigentumsfreundlich einschätzt, dürfte bei den Wahlen im April ins Gewicht fallen – der Verband zählt im Kanton Zürich rund 72 000 Mitglieder.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Zeno Geisseler
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