Die Stadt ZĂŒrich ködert Firmen, die sich ein E-Cargovelo kaufen, mit Geld â selbst den Fahrkurs gibtâs zum halben Preis
FĂŒr die Förderung stellt die Stadt Hunderttausende Franken zur VerfĂŒgung. Bewerben können sich auch finanzstarke Firmen.
20.10.2026, 15.45 Uhr
2 Leseminuten
Ein Bild, wie es der Stadtregierung gefĂ€llt: ein Lastenvelo unterwegs im StadtzĂŒrcher Kreis 5.
PD
Die rot-grĂŒn regierte Stadt ZĂŒrich setzt alles daran, die Verkehrsteilnehmer in der Stadt umzupolen. Weniger Autos, mehr Velos, lautet die Devise. Das Lastenvelo ist das perfekte Symbol dafĂŒr. Nicht umsonst machte die heutige Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) einst Wahlkampf damit: Selbst eine Waschmaschine lasse sich damit problemlos transportieren, fand Brander vor ihrer Wahl in den Stadtrat 2022.
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Die Stadt richtet zum Beispiel ihr geplantes Netz von 130 Kilometern Velo-Highways konsequent darauf aus, dass sich zwei Lastenvelos kreuzen können. Dass dies entsprechend Platzbedarf nach sich zieht, nimmt sie in Kauf.
Die Stadt subventioniert das Lastenfahrrad aber auch direkt, und dies in mannigfaltiger Weise. Die jĂŒngste Aktion: Die Stadt zahlt Unternehmen die HĂ€lfte der Anschaffungskosten fĂŒr E-Cargobikes. Damit wolle man «Anreize schaffen, Transporte vermehrt mit einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel zu erbringen», schreibt Branders Tiefbauamt.
Der Kauf eines E-Cargovelos sei gerade fĂŒr kleinere Unternehmen oft eine grosse Investition. Der Umstieg auf das umweltfreundliche GefĂ€hrt schaffe mehr Platz auf den Strassen und trage zu den Umweltzielen der Stadt bei. Ein E-Cargovelo kostet in der Regel zwischen 6000 und 7000 Franken.
Die Stadt ĂŒbernimmt aber nicht nur den halben Kaufpreis. Sie bezahlt auch eine Wartung nach einem Jahr sowie einen Beitrag von maximal 1000 Franken an die Beschriftung des E-Cargovelos. Bei Bedarf können Unternehmen sogar Fahrkurse buchen. Auch die alimentiert die Stadt zur HĂ€lfte.
Das Cargovelo fĂŒr Unternehmen ist die jĂŒngste einer ganzen Reihe von Förderaktionen. Auch Wohnsiedlungen können sich bewerben â hier zahlt die Stadt eine Anschaffungspauschale von 3300 Franken. Ist das Lastenbike öffentlich zugĂ€nglich, ĂŒbernimmt sie auch die HĂ€lfte der Betriebskosten im Jahr nach der Anschaffung.
Die Stadt subventioniert weitere, Ă€hnliche Vorhaben, zum Beispiel das Pilotprojekt Smargo: Private und Unternehmer können elektrische Transporter vergĂŒnstigt mieten. Kostenpunkt fĂŒr die öffentliche Hand: rund 40â 000 Franken.
Beim Lastenbike fĂŒr Unternehmen verzichtet die Stadt auf harte Kriterien dazu, welche Unternehmen mitmachen können und welche nicht. Die einzige Bedingung ist, dass man einen Fragebogen ausfĂŒllt, denn die Stadt evaluiert die Förderung. «Die FörderbeitrĂ€ge fĂŒr die Beschriftung werden erst ausbezahlt, wenn auch der zweite Fragebogen ausgefĂŒllt wurde», schreibt die Stadt treuherzig.
Somit können sich auch finanzstarke Firmen bewerben. Unklar ist, wie die Stadt sogenannte Mitnahmeeffekte verhindern will â jenen Effekt, dass eine Förderung Investitionen bezahlt, die Unternehmen ohnehin getĂ€tigt hĂ€tten.
Dazu heisst es beim Tiefbauamt, die Stadt prĂŒfe jedes Gesuch einzeln und entscheide, ob ein Unternehmen die Förderung erhalte. Die Dienstleistungen mĂŒssen in der Stadt ZĂŒrich erbracht werden. «Im Optimalfall werden Fahrten mit fossil betriebenen Fahrzeugen ersetzt.» Und: Das Cargovelo darf nicht weiterverkauft werden.
Das Förderprogramm lĂ€uft maximal drei Jahre. Oder so lange, bis das gesetzte Budget von 390â 000 Franken aufgebraucht ist.
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Source: Neue ZĂŒrcher Zeitung · Michael von Ledebur
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