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Signa-Insolvenz: René Benko steht erneut vor Gericht – im Fokus stehen ein teures Jagdgewehr und der Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner

Das Immobilien- und Detailhandelsreich des österreichischen Investors René Benko ist zusammengebrochen. Die Signa-Holding und mehrere Tochtergesellschaften stecken in einem Insolvenzverfahren. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

NZZ-Redaktion03.11.2026, 16.35 Uhr

8 Leseminuten

Aktualisiert


Der gescheiterte Immobilienunternehmer René Benko stand im Dezember 2025 vor dem Landesgericht Innsbruck.

Der gescheiterte Immobilienunternehmer René Benko stand im Dezember 2025 vor dem Landesgericht Innsbruck.

Reuters

Die neusten Entwicklungen:

  • Am 4. und 5. November muss sich René Benko erneut vor dem Innsbrucker Landesgericht verantworten. Diesmal geht es um Vorwürfe des schweren Betrugs und der Schädigung seiner Gläubiger. Thematisiert wird die Affäre um ein Jagdgewehr im Wert von angeblich 80 000 Euro, dessen Besitz Benko vor dem Insolvenzverwalter verschwiegen haben soll. Mit Spannung erwartet wird auch der erste Auftritt des Bauunternehmers Hans Peter Haselsteiner als Zeuge. Dieser gehörte zu den Investoren in Benkos Immobilienprojekte. Vor Gericht geht es um eine Rückzahlung von Geld an Haselsteiners Stiftung, die Benko kurz vor der offiziellen Insolvenz zugesagt haben soll, die dann aber nie erfolgt ist. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine «wahrheitswidrige Garantie» abgegeben und Haselsteiner so zur Zahlung von 3,3 Millionen Euro verleitet zu haben.
  • René Benko wechselt vom Gefängnis in den Hausarrest mit Fussfessel. Ein entsprechender Antrag des Signa-Gründers wurde vom Landesgericht Innsbruck gewährt, wie eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch (14. 10.) mitteilte. Sein Anwalt hatte argumentiert, dass Benko sich nur ausserhalb des Gefängnisses angemessen auf weitere Verfahren vorbereiten könne. 
  • In einem teilweise neu aufgerollten Prozess ist der österreichische Investor René Benko zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landesgericht Innsbruck sah es als erwiesen an, dass der 49-Jährige seine Gläubiger geschädigt hat. Er habe einen Mietkostenvorschuss von 360 000 Euro für ein Anwesen in Innsbruck geleistet, obwohl es um sein Signa-Firmen-Imperium bereits sehr kritisch gestanden sei, so das Gericht. Benko war bereits im Oktober 2025 wegen dieses Verdachts zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Dabei war er in einem Teilaspekt freigesprochen worden. Diesen Freispruch hatte der Oberste Gerichtshof (OGH) aber aufgehoben. Daher kam es zur erneuten Verhandlung, bei der die Höhe der Strafe neu festgelegt werden musste. Der Strafrahmen für das Delikt beträgt ein bis zehn Jahre Freiheitsstrafe.

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Inhaltsverzeichnis

Was hat zum Zusammenbruch der Signa-Gruppe geführt?

Das von René Benko gegründete Immobilien- und Handelsimperium Signa brach Ende 2023 zusammen. Es ist eine der grössten Unternehmenspleiten in Europa. Gläubiger haben Forderungen in der Höhe von rund 40 Milliarden Euro angemeldet.

Die Signa-Gruppe ist ein verschachteltes Konstrukt, das aus verschiedenen Immobilienfirmen und Kaufhausketten besteht. Bei den Kaufhäusern gibt es schon länger Probleme, so ist die deutsche Kaufhaustochter Galeria schon in den Jahren von 2020 bis 2022 zweimal durch ein Insolvenzverfahren gegangen.

Im Herbst 2023 sind aber auch die Immobilienunternehmen von Signa in eine Krise geraten. Der Hauptgrund dafür sind die stark gestiegenen Zinsen. Sie machten es für Signa teurer, die zahlreichen Bauprojekte zu finanzieren. Zudem mussten bei bestehenden Immobilien die Bewertungen nach unten korrigiert werden.

Ende Oktober 2023 wurde offenkundig, dass die Signa-Gruppe in akuten Geldnöten steckt. Wegen nicht bezahlter Rechnungen kamen die Arbeiten an verschiedenen Bauprojekten zum Stillstand.

Was ist der Plan für die Sanierung von Signa?

Noch bis im Herbst 2023 hatte René Benko einen Investor für den dringendsten Kapitalbedarf gesucht. Weil jedoch niemand einspringen wollte, musste eine Signa-Gesellschaft nach der anderen Insolvenz anmelden. Ende November stellte die Signa Holding beim Handelsgericht Wien einen Antrag zur Eröffnung eines Sanierungsverfahrens. Ende 2023 folgten die zwei wichtigsten Immobiliengesellschaften, Signa Prime und Signa Development.

Alle drei Unternehmen strebten ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung an. Das heisst, dass das bisherige Management im Prinzip die Gesellschaft weiter leiten kann, der Insolvenzverwalter aber die Ausgaben prüft und das letzte Wort hat. Zudem braucht es einen Sanierungsplan, der von der Mehrheit der Gläubiger innert 90 Tagen genehmigt werden muss. Der Begriff «Sanierung» täuscht allerdings: Es geht nicht um eine Sanierung, sondern um eine Liquidation.

Mittlerweile befinden sich alle drei Gesellschaften in Konkursverfahren. Die Signa Holding ging bereits im April 2024 Konkurs. Anfang November musste auch die Immobiliengesellschaft Signa Prime auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs (OGH) in ein ordentliches Konkursverfahren wechseln. Der Oberste Gerichtshof war einem entsprechenden Einwand der österreichischen Finanzprokuratur gefolgt. Diese erhofft sich mit dem Wechsel ins Konkursverfahren mehr Transparenz. Zuletzt wurde Ende 2024 auch der Signa Development die Eigenverwaltung entzogen.

Die Unternehmen haben mit dem Verkauf von Vermögenswerten begonnen. Signa Prime etwa verkauft ihr gesamtes Immobilienportfolio. Prominente Objekte wie das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck und die Berliner KaDeWe-Immobilie haben inzwischen den Besitzer gewechselt; auch Signas Anteile an der britischen Kaufhauskette Selfridges wurden verkauft. Einige der bisher getätigten Verkäufe haben allerdings wiederholt Fragen aufgeworfen, sowohl hinsichtlich der erzielten Preise als auch mit Blick auf die Käufer. Teilweise handelt es sich dabei um langjährige Weggefährten von René Benko.

Was bedeutete die Krise für die Globus-Warenhäuser?

Mit dem Untergang der Signa-Gruppe war auch die Zukunft von Globus gefährdet, denn Globus gehörte den Österreichern zur Hälfte. Mittlerweile ist die Zukunft jedoch gesichert. Ende September 2024 hat die thailändische Central Group bekanntgegeben, dass sie das operative Geschäft von Globus vollständig übernimmt. Die Central Group besass bereits zuvor je die Hälfte des Globus-Warenhausgeschäfts und der Immobilien. Schon Ende 2023 hatten die Thailänder ihre Unterstützung für das europäische Luxuswarenhausgeschäft bekräftigt.

Globus arbeitete während der ganzen Phase der Unsicherheit normal weiter. Auch an den Umbau- und Investitionsplänen änderte sich nichts, wie involvierte Personen betonten.

Was passiert mit dem Warenhauskonzern Galeria?

Auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) blieb im Betrieb. Im Juni 2024 wurde das Unternehmen an ein Konsortium aus zwei Investoren verkauft: der Investmentgesellschaft NRDC um den kanadischen Handelsunternehmer Richard Baker und der Beteiligungsfirma BB Kapital SA des deutschen Unternehmers Bernd Beetz, Ex-Vorstandschef des Kosmetikkonzerns Coty.

Zuvor hatte das Unternehmen im Januar 2024 beim Amtsgericht Essen erneut einen Insolvenzantrag stellen müssen. Die Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigten Galeria massiv, behinderten das laufende Geschäft und schränkten durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die Entwicklungsmöglichkeit stark ein, teilte die Warenhauskette mit. Für Galeria war es die dritte Insolvenz innerhalb von weniger als vier Jahren.

Die neuen Eigentümer sind für Galeria alte Bekannte. Baker war bereits in den Jahren 2015 bis 2019 Eigentümer von Kaufhof, ohne das Unternehmen allerdings in eine wirtschaftlich stabile Zukunft führen zu können. Er war es, der Kaufhof schliesslich an die Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko weiterverkaufte, dem bereits Karstadt gehörte. Der 73-jährige Beetz wiederum war in der Zeit der Fusion von Kaufhof und Karstadt in den Jahren 2018 und 2019 der Aufsichtsratsvorsitzende von Kaufhof.

Anfang Oktober 2026 beantragte Galeria zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Der Geschäftsbetrieb soll vorerst weiterlaufen, doch die Zukunft des Unternehmens und der rund 12 000 Mitarbeiter ist ungewiss.

Welche Rettungsmassnahmen wurden vor der Insolvenz getroffen?

Die Signa-Gruppe hatte vor den Insolvenzen versucht, an neue Mittel zu kommen. Bereits im März 2023 verkaufte Signa die Hälfte der KaDeWe-Immobilie in Berlin an die thailändischen Geschäftspartner der Central Group. Zudem hatte der Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne, der nicht auf Holdingstufe, aber bei der Immobiliengesellschaft Signa Prime investiert ist, einen Bürokomplex namens Beam von Signa übernommen.

Signa trennte sich ausserdem von Beteiligungen im Detailhandel. Im Jahr 2023 wurden sowohl der Bereich Signa Home & Lifestyle mit dem Möbelhaus Kika/Leiner in Österreich als auch der Bereich Signa Food & Restaurants mit den Karstadt-Restaurants, einem Joint Venture mit Eataly verkauft.

Bei der erst 2021 von Signa übernommenen britischen Luxuswarenhauskette Selfridges übernahm die thailändische Central Group zwei Jahre später die Mehrheit am operativen Geschäft. 2024 trat der saudische Staatsfonds PIF als Minderheitseigentümer an die Stelle von Signa.

Beim Sportartikelhändler Signa Sports United (SSU) zog Benko selber eine zugesagte Kapitalspritze von 150 Millionen Euro zurück – mit dem Resultat, dass das Unternehmen Insolvenz anmelden musste.

René Benkos Signa-Gruppe im Überblick

Wer sind die wichtigsten Personen?

Der Österreicher René Benko gründete um die Jahrtausendwende die Immobiliengesellschaft Immofina, die seit 2006 den Namen Signa trägt. Zu seinen ersten Grossprojekten gehörte etwa das Kaufhaus Tyrol in Benkos Heimatstadt Innsbruck, das er 2010 neu eröffnete.

In den Folgejahren holte Benko gewichtige Geldgeber ins Boot. Zu ihnen gehören: der Lindt-&-Sprüngli-Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner, der Thurgauer Kaffeemaschinen-Unternehmer Arthur Eugster, der deutsche Fressnapf-Gründer Torsten Toeller, der österreichische Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner (Strabag) und der brasilianisch-schweizerische Unternehmer Riccardo Arduini. An anderer Stelle im Signa-Konstrukt waren weitere prominente Personen wie der im August 2026 verstorbene deutsche Unternehmer Klaus-Michael Kühne investiert.

Während der Verhandlungen, wie die Gruppe aussergerichtlich hätte saniert werden können, soll es zu Konflikten gekommen sein. Investoren und Manager hatten den Eindruck gewonnen, dass sich der Firmengründer Benko nicht ausreichend an einer Sanierung beteiligen wolle. Welche Rolle Benko heute noch spielt, ist nicht klar. Enge Vertraute von ihm besetzen immer noch Posten bei Signa.

Worum ging es in den ersten zwei Prozessen?

Nach rund neun Monaten in Untersuchungshaft kam René Benko am 14. Oktober 2025 erstmals vor Gericht. In diesem ersten Verfahren, das am Landesgericht Innsbruck über zwei Tage angesetzt war, ging es um die Verschleierung von rund 660 000 Euro. Benko habe das Vermögen angesichts seiner drohenden Pleite als Einzelunternehmer vor Behörden und Gläubigern verbergen wollen.

Der Vorwurf lautet auf «betrügerische Krida», in der Schweiz entspricht das am ehesten einem betrügerischen Konkurs. Darauf steht in Österreich im Falle einer Verurteilung eine Strafe von bis zu zehn Jahren.

Benko wurde eine Überweisung an seine Mutter zum Verhängnis. Konkret geht es um 300 000 Euro, die er in den Monaten rund um die Insolvenz der Signa im November 2023 an sie geschickt hatte. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass seine Privatinsolvenz damals schon absehbar war. Mit der Überweisung habe er das vorhandene Vermögen für die Gläubiger verringert. Das Landesgericht Innsbruck verurteilte Benko am 15. Oktober zu zwei Jahren Haft.

Damals wurde René Benko in erster Instanz vom Tatbestand der Mietvorauszahlung freigesprochen. Ende Oktober 2023 schloss er einen fünfjährigen Mietvertrag für eine seiner Villen in Innsbruck ab und überwies dafür 360 000 Euro. Die Anklage warf ihm vor, dieses Anwesen nicht zu nutzen. Das Landesgericht Innsbruck sah das anders.

Am 10. Dezember 2025 wurde Benko erneut wegen Schädigung seiner Gläubiger verurteilt. Diesmal erhielt er nur eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten sowie eine Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft warf Benko vor, seinen Gläubigern den Zugriff auf wertvolle Uhren und Manschettenknöpfe entzogen zu haben. In anderen Punkten wurden er und seine Ehefrau freigesprochen. Beide Urteile waren zunächst nicht rechtskräftig.

Worum geht es bei den Prozessen von 2026?

Im Juli 2026 bestätigte der österreichische Oberste Gerichtshof in Wien den Schuldspruch der Vorinstanz wegen der Überweisung von 300 000 Euro an Benkos Mutter. Damit wurde Benko erstmals rechtskräftig verurteilt.

Zugleich hob der Oberste Gerichtshof den Freispruch aber im Fall der Mietvorauszahlung auf: Das Landesgericht habe zu Unrecht angenommen, Benkos Gläubiger hätten für die 360 000 Euro einen gleichwertigen Gegenwert erhalten. Über diesen Anklagepunkt und über das Strafmass muss deshalb nochmals entschieden werden.

Die Neuverhandlung begann nun am 22. September 2026 vor dem Landesgericht Innsbruck. Benko bestreitet weiterhin, seine Gläubiger mit der Mietvorauszahlung geschädigt zu haben. Nun wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Im Juni 2026 wurde Benko zudem ein drittes Mal angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, der Familienstiftung des Signa-Investors Hans Peter Haselsteiner eine wahrheitswidrige Garantie abgegeben und sie dadurch um fünf Millionen Euro geschädigt zu haben. Zudem soll Benko ein goldverziertes Jagdgewehr im Wert von etwa 80 000 Euro versteckt haben, um es dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen. Die Anklagepunkte lauten schwerer Betrug sowie Schädigung von Gläubigerinteressen. Der Prozess findet am 4. und 5. November statt.

Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft in 18 Sachverhalten zur Signa. René Benko sass seit dem 23. Januar 2025 in Untersuchungshaft. Am 14. Oktober bewilligte ihm das Gericht seinen Antrag auf Hausarrest mit Fussfessel.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Dieter Bachmann, Meret Baumann, Matthias Benz, Andrea Martel, Michael Rasch, Beatrice Bösiger

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