Die neuesten Entwicklungen
Machtkampf in der Fifa: Die asiatischen Verbände sichern Infantino Unterstützung zu
Seit der WM im Sommer 2026 ist der Kampf um das Fifa-Präsidium entbrannt. Im März findet die Wahl des Präsidenten statt. Die jüngsten Entwicklungen und die Hintergründe im Überblick.
23.10.2026, 12.21 Uhr
5 Leseminuten
AktualisiertWie soll sich der Weltfussballverband künftig organisieren? Und wer wird Präsident? Nach dem zurückgezogenen Investorendeal wird diskutiert und gestritten.
Steven Senne / AP
Die jüngsten Entwicklungen:
- Nach Afrika will auch Asien Infantino unterstützen. Die Chancen auf eine Wiederwahl von Gianni Infantino als Fifa-Präsident scheinen zu steigen. Der Walliser erhält vom asiatischen Fussballverband (AFC) mit 47 Landesverbänden die Unterstützung für eine vierte Amtszeit zugesichert. Auf einem ausserordentlichen Kongress in Tokio sprach sich AFC-Präsident Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa für eine Wiederwahl Infantinos aus. Der Funktionär aus Bahrain sicherte dem 56-Jährigen seine «uneingeschränkte Unterstützung» zu. Zwar räumte al Khalifa frühere Differenzen ein, betonte jedoch, dass der Weltverband nun nach vorne blicken müsse. Noch vor kurzem hatte al Khalifa den umstrittenen Walliser gemeinsam mit den Präsidenten der Kontinentalverbände aus Europa (Uefa) sowie Nord- und Mittelamerika und der Karibik (Concacaf) scharf kritisiert.
- Gescheiterte Investorenpläne: Die Uefa will Einsicht und stellt Ultimatum. Nach dem Treffen des Fifa-Councils am 15. 10. hat der europäische Fussballverband (Uefa) am Montag (19. 10.) einen schriftlichen Katalog mit 42 Fragen an die Fifa-Zentrale in Zürich geschickt. Dabei geht es hauptsächlich um die Aufklärung der Details rund um den gescheiterten Verkauf von Verwertungsrechten an private Investoren um Joshua Kushner, den Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Es geht um Unterlagen, die möglicherweise den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino belasten. Die Uefa verlangt unter anderem auch eine Aufklärung über die Details von Infantinos persönlichem Vergütungspaket. Bis jetzt hat Infantino keine Dokumente zugänglich gemacht, zuletzt mit der Begründung, dass in den USA von der Uefa initiierte juristische Verfahren liefen. Die Uefa verlangt Antworten bis zum 2. November.
- Der Weltfussballverband weist Berichte über zusätzliche Gehaltszahlungen an seinen Präsidenten Gianni Infantino zurück. Zuvor hatten Medien berichtet, dass Infantino 2024 neben seinem regulären Gehalt weitere 1,76 Millionen Dollar von einer US-Gesellschaft erhalten haben soll. Die Gesellschaft war für die Organisation der Fussball-Weltmeisterschaft gegründet worden. Diese Zahlung sei im Finanzbericht der Fifa nicht ausgewiesen worden, hiess es in den Berichten. Der Weltfussballverband bezeichnete diese Vorwürfe am Dienstag (13. 10.) als haltlos – sämtliche Offenlegungspflichten würden eingehalten. Am Donnerstag (15. 10.) trifft Infantino bei einer regulären Sitzung des Fifa-Rats in Zürich auf seine Kritiker. Zur Analyse.
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Zu den Hintergründen
- Was plante die Fifa?
- Wie äusserte sich die Kritik an den Investorenplänen?
- Warum hat die Fifa die Investorenpläne zurückgezogen?
- Welche Konsequenzen hat der Fall für Infantino?
Was plante die Fifa?
Der Fifa-Präsident brachte im August kurz nach der Weltmeisterschaft Teile der Fussballwelt gegen sich auf. Infantino präsentierte seinen Plan, einen Teil der kommerziellen Rechte an Turnieren an private Investoren zu verkaufen. Zu diesem Zweck sollte die neue Firma Fifa Forward Enterprise gegründet werden. Mit dem Tochterunternehmen wären sämtliche wichtigen Geschäfte über alle Fifa-Wettbewerbe hinweg gebündelt worden; von den Übertragungs- und Sponsoringrechten über das Ticketing bis hin zur Lizenzierung. Der Wert des neuen Tochterunternehmens hätte rund 20 Milliarden Dollar betragen.
Die Fifa wäre zwar Mehrheitsbesitzerin der neuen Firma gewesen, aber 20 bis 30 Prozent der Anteile hätten an private Geldgeber veräussert werden sollen. Infantino versicherte, dass die Investoren keinen Einfluss auf Turnierformate, Kalender oder Spielregeln hätten. Jedem der 211 Mitgliedsverbände wollte Infantino bei einer Zustimmung im Januar 40 Millionen Dollar auszahlen.
Joshua Kushner, der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, wäre mit seiner Investmentgesellschaft Thrive Capital federführend gewesen. Kushner sollte unter anderem mithilfe der amerikanischen Bank J. P. Morgan Investoren für die Minderheitsbeteiligung von 4,2 Milliarden Dollar zusammenbringen.
Wie äusserte sich die Kritik an den Investorenplänen?
Der Widerstand gegen die Pläne von Gianni Infantino war gross. Besonders aus dem Fussball-Mutterkontinent Europa gab es Kritik. Sie reichte von der EU-Kommission über Staatsoberhäupter bis zu Klubmanagern wie Bayern Münchens Max Eberl. Auch die Uefa stellte sich gegen den geplanten Investorendeal. Nach einer Dringlichkeitssitzung verkündete sie Ende Juli, dass alle 55 Mitgliedsnationen bis auf weiteres alle Wettbewerbe der Fifa boykottieren würden.
Der Boykott gelte, solange die Pläne der Fifa im Raum stünden. Ein solcher Boykott hätte zur Folge gehabt, dass die Weltmeisterschaft künftig ohne europäische Teams stattgefunden hätte. In der Abwesenheit grosser Fussballländer wie Spanien, England, Frankreich oder Deutschland hätte die WM ihren sportlichen Wert komplett eingebüsst.
Auch der Concacaf, der Dachverband von Nord- und Mittelamerika, lehnte die verkündeten Investorenpläne geschlossen ab. Der Widerstand wurde zudem von der Asiatischen Fussball-Konföderation (AFC) unterstützt.
Warum hat die Fifa die Investorenpläne zurückgezogen?
Die Fifa hat in der Nacht auf den 1. August überraschend schnell bekanntgegeben, das Investorenprojekt werde «nicht weiterverfolgt». Die Pläne hätten die Fifa-Mitgliedsverbände und den Fussball stärken sollen, das Projekt habe jedoch «zur Spaltung geführt», heisst es in der Mitteilung, die im Namen des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino veröffentlicht wurde.
Statement attributable to the FIFA President
The FIFA Forward Enterprise project was intended to provide a basis for further strengthening our FIFA Member Associations and our sport worldwide, especially in those countries where support is most needed. And more so, as we said…
— FIFA Media (@fifamedia) July 31, 2026
Einige Stunden zuvor hatte Infantino noch verlauten lassen, er wolle das Projekt weiterführen. In einer Mitteilung vom Freitag (31. 7.) nahm die Fifa die Rückmeldungen und Bedenken der Kontinentalverbände zwar «zur Kenntnis». Gleichzeitig bekräftigte der Weltverband sein Bekenntnis «zu einem offenen und demokratischen Konsultationsprozess». Die Fifa kritisierte in der Mitteilung unter anderem die Medien; der geplante Konsultationsprozess sei durch «fehlerhafte Berichte» beeinträchtigt worden. «Niemand verkauft den Fussball. Dies käme für die Fifa niemals infrage.»
Nach dem Rückzug teilte die Uefa mit, man begrüsse die Entscheidung. Gleichzeitig hiess es in der Mitteilung: «Wir müssen die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.» Die Uefa kritisierte, dass die WM kein «Anlageprodukt» sei und der Fussball nicht verkauft werden dürfe. Sie rückte auch Infantinos Verbindung zu Donald Trump in den Fokus. «Die Fifa kann unseren Sport nicht weiter dazu benutzen, sich und ihre Freunde zu bereichern.»
Sichert sich Gianni Infantino eine nächste Amtszeit? Spätestens im März fällt die Entscheidung.
Chris Brunskill / Getty
Welche Konsequenzen hat der Fall für Infantino?
Im März 2027 will sich Infantino für eine dritte und statutarisch letzte Amtszeit als Präsident wählen lassen. Darüber entscheiden wird der Fifa-Kongress. Wahlberechtigt sind die 211 Mitgliedsverbände. Im ersten Wahlgang ist eine Zweidrittelmehrheit von 141 Stimmen erforderlich, ab dem zweiten genügt die einfache Mehrheit von 106 Stimmen.
Nach der heftigen Kritik und dem Rückzug der Investorenpläne stellt sich die Frage, ob Infantino noch über genügend Rückhalt verfügt. Besonders die Uefa macht Druck. Ein offizieller Gegenkandidat von Infantino ist bis jetzt nicht bekannt. Das Zeitfenster für eine offizielle Kandidatur endet im November. Infantino ist daran, vor allem bei kleinen Verbänden in Afrika, Asien, Ozeanien oder in der Karibik Rückhalt für seine Wiederwahl zu gewinnen. Doch der Machtkampf wird unterdessen auch juristisch ausgetragen.
Die Uefa droht Infantino mit rechtlichen Schritten vor Schweizer und amerikanischen Gerichten. Dafür wurden Ende August bei amerikanischen Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefragt. Die Fifa wiederum wirft der Uefa vor, mit diesem Vorgehen eine «Verleumdungskampagne» gegen Infantino und seine Führung voranzutreiben. Die Fifa will nun Teil des Verfahrens werden und erwirken, dass die Entscheidung über den Uefa-Antrag verzögert wird.
Infantino hatte schon Ende Juli Widerstand aus den eigenen Reihen. Sein hochrangiger Berater Carlos Cordeiro trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück. Er vertrat den Fussball-Weltverband zuletzt in der Task-Force des Weissen Hauses zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Auch Kevin Lamour, Betriebsdirektor der Fifa, äusserte Ende Juli nach Bekanntwerden der Investorenpläne Kritik. Er warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Die Fifa hat sich unterdessen von Lamour getrennt.
Die Kritik der Uefa beruhte von Anfang an nicht nur auf reiner Sorge um den Fussball. Die Fifa pushte ihre eigenen Wettbewerbe in letzter Zeit stark. Die Weltmeisterschaft wurde auf 48 Teams ausgeweitet, die Klub-Weltmeisterschaft in ein vierwöchiges Sommer-Grossturnier umgewandelt. Je stärker die Fifa ihre eigenen Formate ausbaut, desto mehr geraten die Uefa und ihr Premiumprodukt, die Champions League, unter Druck. Uefa und Fifa streiten sich dadurch um die Verteilung der weltweiten Sponsoren- und TV-Einnahmen. So geht es im Machtkampf der beiden Verbände am Ende vor allem um viel Geld.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Stephan Ramming, Kevin Weber
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