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Krise bei Volkswagen: VW will auch über die Eröffnung von Transfergesellschaften verhandeln

Der Volkswagen-Konzern steht vor einem einschneidenden Umbau. Bis 2030 wird Europas grösster Autobauer 50 000 weitere Stellen abbauen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

23.10.2026, 21.51 Uhr

4 Leseminuten

Aktualisiert


Die Krise bei VW spitzt sich zu.

Die Krise bei VW spitzt sich zu.

Berit Kessler / Imago

Die neuesten Entwicklungen:

  • Volkswagen will in der anstehenden Tarifrunde auch über die Eröffnung von Transfergesellschaften verhandeln. Bei den Gesprächen, die am 24. November beginnen, müsse es auch um zusätzliche sozialverträgliche Personalinstrumente gehen, teilte das Unternehmen am Freitag (23. 10.) nach einem Treffen mit Arbeitnehmern in Hannover mit. Dazu zählten Transfergesellschaften, in die Beschäftigte wechseln könnten, um sich neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu erschliessen. Die IG Metall lehnt den Vorschlag entschieden ab. Das sei ein tarifpolitischer Wortbruch ohne tragfähige Rechtsgrundlage. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger teilte mit: «Bevor die Beitragszahler einspringen, sind die Aktionäre in der Pflicht». Es dürfe nicht sein, dass die Allgemeinheit zahle, während die Anteilseigner weiter Dividenden kassierten. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sah in dem Vorschlag einen Versuch, die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 durch die Hintertür auszuhebeln.

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Inhaltsverzeichnis

Was hat der Aufsichtsrat von VW beschlossen?

Anfang Oktober hat der Aufsichtsrat nach wochenlangen Auseinandersetzungen überraschenderweise einstimmig weite Teile eines Sanierungskonzepts gebilligt. Eine drohende weitere Eskalation zwischen dem Vorstand, dem Land Niedersachsen als massgeblichem Anteilseigner und der Arbeitnehmerseite ist damit vom Tisch.

Mit der Zustimmung zum Zukunftsplan 2030 des Vorstandes stelle Volkswagen die Weichen für einen nachhaltigen und langfristigen Erfolg des Unternehmens, teilte der Konzern mit. Der Konzernchef Blume sprach von einem starken Signal für die Zukunft.

Der Plan sieht unter anderem einen Abbau von 50 000 Stellen bis 2030 vor. Zudem will Volkswagen seine Modellpalette um rund 50 Prozent und die Ausstattungsvarianten um rund 75 Prozent verringern. Die Zukunft der Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist offen.

Wie sieht die allgemeine Lage von VW aus?

Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise. Die Konkurrenz aus China, Zölle aus den USA und der schrumpfende Absatzmarkt führen zu einem Stellenabbau bei den grossen Automobilherstellern. Davon ist auch VW betroffen.

Der Vorstandschef Oliver Blume beschrieb die Lage jüngst als «mehr als kritisch». Die Führung will die Kosten massiv senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Warum muss der Konzern sparen?

Laut Blume verdient VW zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Bisherige Kürzungen reichten nicht aus. «Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert», so beschrieb der VW-Chef das Problem in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Blume verwies auf die ernste Lage der deutschen Automobilindustrie. «Es ist keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche.» Als grosse Herausforderungen nannte er amerikanische Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes mit massivem Preisverfall, geopolitische Konflikte wie im Persischen Golf, den immer härteren Wettbewerb in Europa und massive Regulierungen.

Wie wahrscheinlich sind Werkschliessungen?

Der Aufsichtsrat hat mit seinem Beschluss zur Kenntnis genommen, dass in Europa eine Produktionsüberkapazität von 500 000 Fahrzeugen bestehe. Für die europäischen Werke soll daher bis Ende Juni 2027 ein Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur vorliegen. Für die vier angezählten Werke in Deutschland – jene in Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk in Neckarsulm – sollen parallel und ergänzend «alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft» werden.

Konkrete Schliessungen sind damit nicht beschlossen. Blume bezeichnete Schliessungen in letzter Zeit immer wieder als eine letzte Option, die er vermeiden wolle. Im Gespräch ist unter anderem, Werke zeitweise für die Rüstungsproduktion zu nutzen und auch für den Bau chinesischer VW-Modelle in Deutschland.

Wie geht es jetzt weiter?

Was mit den Standorten in Hannover, Emden und Zwickau sowie dem Werk der VW-Tochter Audi in Neckarsulm geschehen soll, ist nach wie vor unklar. Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay zeigte sich «extrem frustriert» und sprach von einem Rückschlag. Für Emden betonte Oberbürgermeister Tim Kruithoff: «Die Unsicherheit für die Beschäftigten bleibt, und die kommenden Wochen werden schwierig.» Hingegen zeigte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Blick auf das Werk in Zwickau zuversichtlich.

VW hat insbesondere die Werke in Zwickau und Emden in den vergangenen Jahren mit Milliardeninvestitionen mit klarem Fokus auf die Elektromobilität umgerüstet. Man werde alles daransetzen, dass das Werk erhalten bleibe und die Arbeitsplätze in Zwickau sicher seien, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter. Auch die Ostbeauftragte der Bundesregierung pochte auf eine rasche Zukunftslösung. «Es darf zu keiner weiteren Hängepartie kommen, bei der die Beschäftigten und damit eine ganze Region weiter im Unklaren gelassen werden, was nun konkret passiert», sagte Elisabeth Kaiser.

Diese Personen entscheiden über die Zukunft von VW

Wie jede deutsche Aktiengesellschaft hat auch VW einen Aufsichtsrat. Dieser lässt sich grob in vier Lager aufteilen. Das grösste Lager bilden die Vertreter der Arbeitnehmer. Wortführerinnen sind die Vorsitzende des VW-Betriebsrats und die Vorsitzende der Industriegewerkschaft IG Metall.

Die weiteren Lager bilden die Regierung des Bundeslandes Niedersachsen, die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sowie Katar als drittgrösster Aktionär. Komplettiert wird der Aufsichtsrat durch eine Person, die ausserhalb der vier Interessengruppen steht.

Mit Agenturmaterial.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Maurice Koepfli

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