Die nĂ€chste Absage fĂŒr die SVP: Auch Pascal Schmid will nicht in den Bundesrat. Kommt es jetzt zur Kandidatenflaute?
Der Thurgauer Nationalrat erklÀrt, dass er zunÀchst StÀnderat werden möchte, rechnet aber bis Ende Woche mit weiteren Kandidaturen.
20.10.2026, 17.02 Uhr
4 Leseminuten
Auch der Asylchef Schmid will nicht Bundesrat werden.
Gian Ehrenzeller / Keystone
WÀre es nach Christoph Blocher gegangen, hÀtte Pascal Schmid in wenigen Wochen die Gratulationen zu seiner Wahl in den Bundesrat entgegengenommen und mit einem Blumenstrauss in den Nationalratssaal gewinkt. Doch so weit wird es nicht kommen.
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Am Dienstag hat Schmid, 50 Jahre alt, Thurgauer SVP-Nationalrat und Asylchef seiner Partei, in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen abgesagt. Schmid will nicht fĂŒr die Nachfolge von BundesprĂ€sident Guy Parmelin kandidieren und sich stattdessen auf seine Kandidatur fĂŒr den StĂ€nderat im kommenden Jahr konzentrieren.
Zuvor hatte Blocher in seinem eigenen Fernsehformat erklĂ€rt, Schmid sei fĂ€hig und könne fĂŒhren. FĂŒr seine Eignung spreche weiter seine Erfahrung als ehemaliger Richter. Das SVP-Generalsekretariat schrieb zudem in einer Mitteilung, dass man explizit nach Kandidaten suche, die bei einer Wahl in den Bundesrat auch das Asyldossier ĂŒbernehmen könnten. Schmid schien das ideale Profil aufzuweisen und galt bald als Wunschkandidat der offiziellen und inoffiziellen ParteifĂŒhrung.
Inzwischen verhĂ€lt sich die FĂŒhrungsriege der Partei aber auffĂ€llig zurĂŒckhaltend. Etliche Favoriten haben sich selbst aus dem Spiel genommen. Gehen der SVP etwa die Kandidaten aus, oder wartet man bloss zu?
Die Bewerbungsfrist endet am Freitag.
Lauter Absagen und nur eine Zusage
Seit Guy Parmelin Anfang Monat seinen RĂŒcktritt aus dem Bundesrat angekĂŒndigt hatte, bewarb sich erst eine SVP-Politikerin offiziell fĂŒr seine Nachfolge: CĂ©line Amaudruz, Genfer NationalrĂ€tin, Vertraute des abtretenden BundesprĂ€sidenten und VizeprĂ€sidentin der SVP Schweiz.
In Bern heisst es allerdings â vor allem von Deutschschweizer Seite â, Amaudruz habe trotz ihrer Funktion als VizeprĂ€sidentin und entgegen ihrer Bekanntheit in der Romandie keine herausragende Stellung in der Fraktion. Doch derzeit ist die Liste der Unwilligen bedeutend lĂ€nger als jene ihrer potenziellen Herausforderer.
Die BĂŒndner NationalrĂ€tin Magdalena Martullo-Blocher nahm sich bereits frĂŒh aus dem Rennen. Es folgten die St.â Galler StĂ€nderĂ€tin Esther Friedli und die ZĂŒrcher RegierungsrĂ€tin Natalie Rickli; beide wurden zum engeren Kreis der Favoritinnen gezĂ€hlt. Neben ihnen erklĂ€rten auch der Schwyzer Regierungsrat AndrĂ© RĂŒegsegger und der Solothurner Nationalrat Christian Imark, dass sie fĂŒr die Ersatzwahl im Dezember nicht zur VerfĂŒgung stĂŒnden.
Sollte die Parteileitung eine BundesrĂ€tin Amaudruz tatsĂ€chlich verhindern wollen, mĂŒsste sie bis Ende Woche allerdings noch einige klingende Namen prĂ€sentieren. Sonst könnte sie der Bundesversammlung kaum glaubhaft erklĂ€ren, weshalb sie ihre VizeprĂ€sidentin nicht offiziell nominiert.
Dem Vernehmen nach ist mit weiteren Kandidaturen zu rechnen. Offenbar geht davon auch der Asylchef Schmid aus. Im Interview mit den Tamedia-Zeitungen sagte er: «Da wird sich bis zur Deadline am Freitag noch einiges tun.»
Jemand aus der Parteileitung oder aus den Kantonen
Bisher noch nicht abgesagt haben diverse Mitglieder der Parteileitung: Der Luzerner Nationalrat Franz GrĂŒter etwa, der mit 63 Jahren allerdings schon etwas Ă€lter ist. Oder der ZĂŒrcher Unternehmer Thomas Matter, gegen dessen Wahl allerdings sein offensiver Kommunikationsstil spricht. Ebenfalls noch nicht geĂ€ussert hat sich der Walliser Nationalrat Michael Graber, der sich eine Kandidatur nach wie vor ĂŒberlegt. Der gewichtigste Vertreter aus dem ParteiprĂ€sidium, der noch nicht abgesagt hat, ist aber der Fraktionschef Thomas Aeschi aus Zug.
Bereits 2015 hat Aeschi fĂŒr den Bundesrat kandidiert, unterlag schliesslich Parmelin, einem damals noch kaum bekannten Westschweizer Nationalrat. Ein Ausschlusskriterium muss das allerdings nicht sein. Auch die amtierende Finanzministerin Karin Keller-Sutter schaffte die Wahl in den Bundesrat im zweiten Versuch.
Es scheint derzeit gut möglich, dass sich mindestens ein Vertreter aus dem ParteiprĂ€sidium in den kommenden Tagen zur VerfĂŒgung stellen wird. Zumindest lĂ€ge das im Interesse der SVP â nicht nur wegen der Sache mit Amaudruz.
Die SVP ist die grösste Partei nicht nur des Landes, sondern auch des Parlaments. Es wĂ€re ein Zeichen von SchwĂ€che, wenn sich in dieser Ausgangslage nur ein einziges Fraktionsmitglied zutraute, Regierungsverantwortung zu ĂŒbernehmen. Als die Mitte-Partei vor anderthalb Jahren einige MĂŒhe bekundete, ein Zweierticket fĂŒr die Nachfolge von alt BundesrĂ€tin Viola Amherd zusammenzustellen, konnte die Konkurrenz ihre Schadenfreude kaum verbergen. Diesen Prestigeverlust wird die SVP vermeiden wollen.
Kandidaturen aus den Kantonen wÀren trotzdem möglich und könnten von der Parteileitung mit dem Verweis auf die personelle Breite beworben werden. Mit dem bernjurassischen Regierungsrat Pierre Alain Schnegg und dem Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati kursieren derzeit vor allem zwei Namen.
FĂŒr Schnegg spricht neben seiner Erfahrung auch seine Muttersprache. FĂŒr Schnegg und Gallati spricht die Tatsache, dass sie in ihren Kantonen fĂŒr das Asylwesen zustĂ€ndig sind. Sie wĂŒrden damit das parteiinterne Stellenprofil erfĂŒllen. Interessant könnten diese beiden Kandidaturen auch fĂŒr das linke Lager im Parlament sein. Dort schĂ€tzt man es, wenn SVP-Politiker bereits Erfahrung in einer Exekutive gesammelt und ihre KollegialitĂ€t bewiesen haben.
PrÀsentiert die SVP bis am Freitag mindestens zwei weitere Kandidaten aus der Fraktion und den Kantonen, hÀtte sie mit ihren Kandidaten nicht nur zwei Sprachregionen, sondern auch zwei Staatsebenen abgedeckt.
Sollten auf dem Generalsekretariat der SVP bis Ende Woche keine weiteren Kandidaturen eingehen, wÀre HÀme der politischen Gegner garantiert. Es wÀre ein Szenario, das dem Anspruch einer Schweizerischen Volkspartei zuwiderlÀuft.
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Source: Neue ZĂŒrcher Zeitung · Matthias Venetz
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