Die Milliardärsfamilie Ambani schafft mit ihrem Telekomriesen Jio den grössten Börsengang Indiens
Innerhalb von zehn Jahren hat der Clan eine neue Nummer 1 unter den Mobilfunkanbietern aufgebaut. Die weiteren Wachstumsaussichten des Konzerns sind aber begrenzt, da der indische Telekommarkt weitgehend gesättigt ist.
21.10.2026, 14.44 Uhr
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In nur zehn Jahren ist Jio mit einer kompetitiven Preispolitik zu Indiens grösstem Mobilfunkanbieter aufgestiegen.
Divyakant Solanki / EPA
Als Isha, die Tochter des indischen Milliardärs Mukesh Ambani, wegen des schlechten Internets eine Seminararbeit nicht bei ihrer Universität hochladen konnte, war sie frustriert. Ihr Vater beschloss daraufhin, sein eigenes Telekomunternehmen zu gründen. Aus der Idee entstand 2016 Jio Platforms. Der Konzern hat seither den indischen Mobilfunkmarkt revolutioniert und mit seiner kompetitiven Preispolitik das Internet für die breiten Massen zugänglich gemacht. Heute ist Jio mit einer halben Milliarde Kunden der grösste Telekomanbieter Indiens.
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Am Mittwoch hat Ambani den Konzern an die Börse gebracht. Die Nachfrage nach den Anteilen des Mobilfunkriesen war ungewöhnlich hoch: In nur zwei Stunden waren alle angebotenen Aktien gezeichnet. In Indien warten viele Anleger bei Börsengängen sonst erst einmal ab. Angeführt wurde die Nachfrage von institutionellen Anlegern wie Vermögensverwaltern, Pensionskassen und dem Staatsfonds von Abu Dhabi, die bereits im Vorfeld grosse Aufträge platzierten.
Der Börsengang soll Jio laut der Nachrichtenagentur Bloomberg 302 Milliarden Rupien (3,2 Milliarden Dollar) einbringen. Damit dürfte es der grösste Börsengang der Geschichte in Indien werden – noch vor dem Automobilkonzern Hyundai, der im Oktober 2024 an die Börse gegangen ist. Laut Bloomberg strebt Jio eine Bewertung von 10,3 Billionen Rupien (107 Milliarden Dollar) an. Allerdings ist dies weniger als die 11 Billionen Rupien, die der Konzern zunächst anvisiert hatte.
Jio korrigierte seine Erwartungen nach unten, nachdem die indischen Börsenkurse in den vergangenen Monaten eingebrochen waren. Zwar wächst Indiens Wirtschaft weiter stark, doch die Rupie schwächelt. Viele Investoren haben Geld aus Indien abgezogen, und der Zollstreit mit dem wichtigsten Handelspartner USA belastet die Aussichten. Hinzu kommt, dass der Telekommarkt in Indien weitgehend gesättigt ist und die Wachstumsaussichten für Jio eher mager sind.
In zehn Jahren ist Jio zu Indiens Marktführer aufgestiegen
Als Jio vor zehn Jahren auf den Markt kam, warb der Konzern mit kostenlosen Datenpaketen um Kunden und setzte die Konkurrenz damit stark unter Druck. Der aggressive Preiskampf führte dazu, dass für die Nutzer die Kosten einbrachen. Plötzlich war mobiles Internet allgemein erschwinglich. Die Zahl der Nutzer stieg rapide an. Mittlerweile zählen die Inder zu den intensivsten Datenkonsumenten der Welt.
Mehrere Wettbewerber überlebten den Preiskampf aber nicht. Heute wird der Markt von drei Anbietern dominiert: Jio Platforms mit 530 Millionen Kunden, Bharti Airtel mit knapp 500 Millionen und Vodafone Idea mit 193 Millionen.
Der indische Markt ist zwar gross, doch ist er inzwischen so weit gesättigt, dass Wachstum vor allem noch auf Kosten der Konkurrenz möglich ist. Jüngst konnte Vodafone nach Jahren des Niedergangs mit einer aggressiven Werbekampagne seine Kundenzahl wieder erhöhen. Jio und Airtel warfen dem Konzern deshalb unfaire Wettbewerbspraktiken vor. Allerdings hat Jio selbst nicht anders agiert, als es in den ersten Jahren seinen Konkurrenten die Kunden abzuwerben versuchte.
Der Börsengang ist ein Test für den Firmenchef Akash Ambani
Nach Jahren des Preiskampfs müssen alle drei Anbieter ihren Ertrag pro Kunde erhöhen, um ihre Netze weiter ausbauen zu können. Allerdings sind die indischen Konsumenten bekannt dafür, sehr preisbewusst zu sein. Der Börsengang von Jio ist auch ein Test für den Firmenchef Akash Ambani, den 34-jährigen Sohn des Patriarchen Mukesh Ambani. Er hatte in letzter Zeit in London, Hongkong und New York intensiv um Investoren geworben, um den Börsengang zum Erfolg zu führen.
Der Reliance-Chef Mukesh Ambani gilt nach dem Milliardär Gautam Adani als der zweitreichste Mann Indiens. Sein Konzern hat in den letzten Jahren in immer mehr Branchen expandiert. Das Hauptgeschäft ist aber weiterhin Erdöl. Der Konzern betreibt in Jamnagar an der Küste von Gujarat die grösste Raffinerie der Welt. Am Mittwoch war dort der amerikanische Aussenminister Marco Rubio zu Gast. Es wurde erwartet, dass es bei dem Besuch vor allem um Erdölimporte aus Venezuela und Russland sowie den Export von Diesel in die USA gehen würde.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Ulrich von Schwerin
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