Zwei Westschweizer Jungsozialisten waren am 18. Oktober in Paris und vernetzten sich dort mit anderen linken Organisationen. Nun soll auch in der Schweiz demonstriert werden. Motto: «Fight for our future, not their wars!»

21.10.2026, 05.30 Uhr

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Die Proteste vom 18. Oktober in Paris richteten sich stark gegen die Polizei.

Die Proteste vom 18. Oktober in Paris richteten sich stark gegen die Polizei.

Julien Mattia / Le Pictorium / Imago

In Frankreich protestieren Gymnasiasten gegen marode Schulhäuser und schlechte Bildungsbedingungen. In Albanien rebellieren junge Menschen gegen Korruption und Aussichtslosigkeit. In Mailand und anderen norditalienischen Städten zerstörten halbe Kinder die Innenstädte und plünderten die Geschäfte.

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Für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinen Vizepräsidenten J. D. Vance ist der Grund für die europäischen Unruhen schnell gefunden: Die Migration ist schuld, besser gesagt, die Problemkinder der Zuwanderer aus dem Süden.

Vorarbeit der gewaltbereiten extremen Linken

In Frankreich sieht man das anders: Die Mehrheit der Politiker und der Experten führt die Ausschreitungen auf die Polarisierung der Gesellschaft und die Vorarbeit der gewaltbereiten extremen Linken zurück: In Paris gingen nicht nur empörte Gymnasiasten und Jugendliche aus den vernachlässigten Vororten auf die Strasse, an den Krawallen vom 18. Oktober beteiligten sich 27 Organisationen aus halb Europa, die einen internationalen Jugendstreik organisieren wollen: unter ihnen mindestens zwei Jungsozialisten aus der Schweiz.

Ein Instagram-Video zeigt die beiden – bevor der Krawall losging – auf der Place de la République. Einer formt mit den Händen ein Herz und sagt: «Unsere volle Unterstützung aus der Schweiz.» Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, handelt es sich um Julien Berthod, den Vizepräsidenten der Juso Schweiz, und Antonin Fournier, ein Vorstandsmitglied der Neuenburger Juso.

Offenbar war das Treffen in Paris fruchtbar. Denn unter dem Motto «Fight for our future, not their wars!» ruft das internationale Jugendstreik-Bündnis für den 20. November zu einem europaweiten Jugendstreik gegen Aufrüstung und Sparpolitik auf. In der Schweiz beteiligen sich unter anderem die Jungsozialisten, die Jungen Grünen, die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) sowie Aktivisten aus der Klimabewegung.

Wie die Schweizer Jungsozialistinnen und -sozialisten (Juso) in einer Medienmitteilung stolz vermelden, laufen in verschiedenen Universitäten bereits Vorbereitungen für Streiks und Aktionstage. Weitere Informationen zu geplanten Veranstaltungen an Universitäten und Schulen sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.

Berthod rechnet nicht mit Ausschreitungen in der Schweiz

Weil in der Schweiz kein einziges Schulhaus mit schwarzem Schimmel überzogen ist, die Lehrerinnen und Lehrer in der Regel zum Unterricht auftauchen und der Staat schon für Primarschüler 23 000 Franken pro Jahr ausgibt, konzentrieren sich die Schweizer Jugendstreiker auf den Anstieg der Militärausgaben in Europa – und besonders in der Schweiz.

Die Schweiz wolle «bis 2028 fast 30 Milliarden Franken in die Armee pumpen», während in der Bildung, dem Gesundheitswesen und bei anderen öffentlichen Dienstleistungen gespart werde, schreiben die Juso empört.

Oder wie es die Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann formuliert: «Die Politik wirft unser Geld für die militärische Aufrüstung aus dem Fenster, statt in eine lebenswerte Zukunft zu investieren. Wir haben genug von dieser Zerstörungswut!» Ob in Frankreich, Indien, Italien oder Albanien: Überall auf der Welt gingen junge Menschen für eine lebenswerte Zukunft auf die Strasse. Mit dem Streik vom 20. November wolle man ein gemeinsames Zeichen gegen Austerität und Aufrüstung setzen.

Allein in Paris wurden Hunderte Polizisten verletzt, es gab ein Todesopfer, und 1200 Personen wurden festgenommen. In der Schweiz soll friedlich demonstriert werden. Er rechne nicht mit Ausschreitungen, beruhigt der Jungsozialist Berthod. Die Schweiz sei anders. Das Bündnis will in den kommenden Wochen über die Website jugendstreik.ch weiter informieren.

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Europäische Politiker stellen einen Zusammenhang zwischen den Ausschreitungen und dem Grenzschutz her. Wie emotional das Thema ist, zeigte sich bereits am EU-Gipfel von letzter Woche: Dort kam es zu einem «grossen Zusammenstoss».

Die Ausschreitungen wurzeln in der Überforderung einer Generation, die von ihren Eltern alleingelassen wurde. Und nun kommt die Quittung.

Source: Neue Zürcher Zeitung · Christina Neuhaus

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