Die hohen Krankenkassenprämien schmerzen. Jetzt macht die Bevölkerung selbst Sparvorschläge
Bei Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider sind Tausende von Vorschlägen gelandet, mit denen die Schweizer die Gesundheitskosten in den Griff kriegen wollen. Einige hat sich nun ein Gremium genauer angeschaut.
26.10.2026, 17.02 Uhr
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Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider begrüsst Felix Gutzwiller. Er ist Präsident des Krankenkassenverbands Prioswiss und Mitglied des «Runden Tisch Kostendämpfung» der am Montag, 26. Oktober 2026 im Bernerhof neue Massnahmen präsentierte.
Peter Klaunzer / KEYSTONE
Die hohen Krankenkassenprämien belasten die Portemonnaies der Bürger immer mehr. Auch im Jahr 2027 steigen die Prämien wieder um fünf Prozent. Mittlerweile ist der Leidensdruck so gross geworden, dass sich die Bevölkerung selbst in die Debatte einschaltet. Im Mai und Juni 2025 konnten die Menschen ihre Vorschläge zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen während sechs Wochen über einen elektronischen Briefkasten einreichen.
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Die Menschen befassten sich etwa mit der Frage, welche Kosten die obligatorische Krankenversicherung übernehmen soll und welche nicht, aber auch wie Spitäler, Ärzte, Apotheker und Krankenkassen kostengünstiger arbeiten könnten.
Das Angebot wurde rege genutzt. Rund 7400 Eingaben aus allen Sprachregionen erfolgten laut dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI). Daraus gingen 15 000 Ideen hervor. Das Unternehmen MIS Trend identifizierte etwa 500 Ideen als neuartig und potenziell zielführend. Sie wurden anonymisiert an das BAG weitergeleitet.
Nun hat die Gesundheitsministerin, Elisabeth Baume-Schneider, die Vorschläge mit den Akteuren aus dem Gesundheitswesen besprochen. Dazu nutzte sie den «Runden Tisch Kostendämpfung», der am Montag zum fünften Mal stattfand.
Das Spital zu Hause
Baume-Schneider startete den runden Tisch im Jahr 2024. Seither treffen sich Vertreter aus dem Gesundheitswesen zwei Mal jährlich, um Massnahmen zur Kostendämpfung zu diskutieren. Mit dabei sind jeweils Vertreter der kantonalen Gesundheitsdirektoren, der Ärztevereinigung FMH, des Spitalverbands H+, des Krankenkassenverbands Prio Swiss, der Pharmaindustrie, der Patienten und der Wissenschaft sowie der Preisüberwacher.
Im Jahr 2025 verabschiedete das Gremium ein Paket bestehend aus zwölf Massnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen. 300 Millionen Franken sollen damit gespart werden. Am Montag beschlossen die Teilnehmer sechs weitere Massnahmen. Einige davon gehen auf die eingereichte Ideen aus der Bevölkerung zurück.
So sollen die Notfallaufnahmen in den Spitälern entlastet und Versorgungsprogramme für chronisch kranke Menschen eingeführt werden. Spitäler und Ärzte sollen zudem mehr Behandlungen ambulant durchführen oder wenn möglich sogar zu Hause. Die medizinischen Fachgesellschaften erstellen nun eine Liste mit Therapien, die auch zu Hause erfolgen können. Die Krankenkassen informieren dann die Patientinnen und Patienten aktiv über diese Möglichkeit.
Einige Spitäler bieten bereits solche «Hospital at Home»-Konzepte an. Es eignet sich für Patienten, die akut erkrankt sind, bei denen aber eine sichere Behandlung zu Hause möglich ist. Dazu zählen laut dem Kantonsspital Baselland, welches so ein Modell anbietet, zum Beispiel Lungenentzündungen, Harnwegs-, Weichteil- oder Virusinfektionen.
Das Modell funktioniert so: Ist eine Behandlung zu Hause möglich, wird der Patient zu Hause von Ärzten und Pflegenden auf Spitalniveau betreut. Es gibt also mehrmals täglich eine Visite, wie man es aus dem Spital kennt. Wo es medizinisch sinnvoll ist, überwachen die Ärzte im Spital sogar den Puls oder die Sauerstoffsättigung des Patienten aus der Ferne.
Weniger Polymedikation und transparentere Rechnungen
Alle verabschiedeten Massnahmen haben eines gemeinsam: Die Akteure sollen enger zusammenarbeiten. So solle Koordination zwischen Ärzten, Apothekern und Pflegenden in Alters- und Pflegeheimen gefördert werden, schreibt das BAG. Dabei steht der Umgang mit Medikamenten im Fokus. Sprechen sich Ärzte, Apotheker und Pflegende bei der Arzneimittelversorgung enger ab, erhöht sich die Qualität der Versorgung. Ausserdem kommt es zu weniger Polymedikationen. Gerade ältere Menschen nehmen häufig mehrere verschiedene Medikamente ein, die Wechsel- und Nebenwirkungen haben können.
Gesundheitsversorger und Krankenkassen seien sich zudem einig, dass die Angaben zu Medizinprodukten auf den Rechnungen künftig detaillierter aufgeführt werden müssen. Bei identischen Medizinprodukten wie etwa Prothesen oder Herzkathetern, seien die Preisunterschiede teilweise erheblich, die seitens der Ärzte und Spitäler verrechnet würden, schreibt der Krankenkassenverband Prioswiss. Es sei daher schwierig zu prüfen, ob die Preise wirtschaftlich sind.
Da es sich dabei Massnahmen handelt, die das Gesundheitssystem als Ganzes umfassen und nicht nur einen eng definierten Teilbereich, ist das Sparpotenzial schwer einzuschätzen. Deshalb verzichtete das BAG darauf, dieses zu beziffern. Künftig würden sich die Mitglieder des Runden Tisches noch stärker auf solche «systemischen» Massnahmen konzentrieren, schreibt das BAG. Wie verpflichtend die Umsetzung dieser Massnahmen für die Akteure ist, ist unklar.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Isabelle Wachter
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