Die grüne Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart erklärt nach den Ausschreitungen in Zürich, warum die Stadtpolizei keine Krawallanten verhaftete

Die Stadträtin verteidigt das Vorgehen der Polizistinnen und Polizisten und spricht von einer «unübersichtlichen Situation».

04.11.2026, 19.44 Uhr

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Bei Ausschreitungen an der Langstrasse ist es am Samstagabend zu grossen Sachschäden gekommen.

Bei Ausschreitungen an der Langstrasse ist es am Samstagabend zu grossen Sachschäden gekommen.

Christian Beutler / Keystone

Nach den Krawallen an der Langstrasse vom Samstag hat die politische Aufarbeitung begonnen. In seltener Einigkeit verurteilen Parteien in der Stadt Zürich von links bis rechts die Ausschreitungen, die Linksextreme angezettelt hatten und an denen sich mehrere hundert Personen beteiligten. Der Sachschaden dürfte nach ersten Erkenntnissen im tiefen sechsstelligen Bereich liegen.

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Die Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) meldete sich am Mittwoch im Stadtparlament zu Wort. Sie verteidigte insbesondere den Umstand, dass die Stadtpolizei keinen der Krawallanten verhaftete – im Gegensatz zur Kantonspolizei, die ebenfalls im Einsatz stand und zwei Personen festnahm.

Die Gruppen seien extrem gewaltbereit gewesen, hätten Polizistinnen und Polizisten angegriffen und sich unter das Partyvolk gemischt, sagte Rykart. «In so einer unübersichtlichen Situation muss die Einsatzleitung innert Minuten, manchmal Sekunden entscheiden.»

Rykart betonte, dass sie den Einsatz im Führungsraum der Stadtpolizei mitverfolgt habe. «Wenn nun reflexartig der Vorwurf kommt, dass ich mich eingemischt habe: Das mache ich nicht.» Die Einsatzleitung sei sehr anspruchsvoll, dafür brauche es Leute mit Erfahrung.

Am Samstag sei die Einsatzleitung zum Schluss gekommen, dass bei Verhaftungen unbeteiligte Dritte verletzt werden könnten oder die Situation noch mehr ausarte. «Das Risiko einer Eskalation war zu gross.» Nun werde ermittelt, aber dies brauche Zeit. Sie habe «grosses Vertrauen», dass die Stadtpolizei auch bei einem nächsten Einsatz «umsichtig» handeln werde.

Rykart will mehr Stellen – machen Linke diesmal mit?

Die Frage ist, welche Folgen die Randale hat. Mitte Dezember berät das Stadtparlament über das Budget für das Jahr 2027 – und damit auch über die Stellen für die chronisch unterbesetzte Stadtpolizei. In den letzten Jahren bewilligte das Parlament, in dem Rot-Grün eine knappe Mehrheit hält, jeweils nur die Hälfte der Stellen.

Für das Jahr 2027 beantragt Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) siebzehn zusätzliche Stellen für die Frontpolizei – jene Einsatzkräfte also, die draussen unterwegs sind. Am Mittwoch forderten FDP und SVP im Stadtparlament, der Stadtpolizei unbedingt das nötige Personal zuzusprechen.

Ob sich die Linken dieses Jahr grosszügiger zeigen werden, ist allerdings fraglich. Auf Anfrage der NZZ gab sich der SP-Präsident Oliver Heimgartner einsilbig und erklärte, man entscheide Ende November über das Budget. Und der Co-Fraktionschef der Grünen, Martin Busekros, wiederholte am Dienstag auf Tele Züri das Argument, das die Linken in den letzten Jahren platziert hatten: Mehr zu bewilligen, sei unsinnig, weil die Stadtpolizei es ohnehin nicht schaffe, ihre freien Stellen zu besetzen.

SVP liebäugelt mit Polizei-Übernahme durch den Kanton

In der Debatte schwingt die Grundsatzfrage mit, wie viel politischen Rückhalt die Stadtpolizei im rot-grünen Zürich hat. Wenig, finden die Bürgerlichen. Auf Kantonsebene hat die SVP deshalb eine brisante Überlegung deponiert: Sie will prüfen, ob die Kantonspolizei die Stadtpolizeien von Zürich und Winterthur übernehmen solle.

Dabei schwingt die Hoffnung mit, dass die Polizisten unter dem parteilosen Sicherheitsdirektor Mario Fehr bei Krawallen stärker eingreifen würden als unter der grünen Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart.

Die Idee einer zusammengeführten Polizei ist nicht neu. Vor über 25 Jahren forderte eine von der FDP und den Grünen unterstützte Initiative eine einheitliche Polizei für den ganzen Kanton. Die Vorlage scheiterte an der Abstimmung im Dezember 2001 allerdings deutlich an der Urne.

Und das Projekt «Urban Kapo», in dem im gleichen Zeitraum ein Teil der Stadtzürcher Kriminalpolizei in die Kantonspolizei überführt wurde, sorgte für einen andauernden, heftigen Streit zwischen der städtischen Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP) und ihrer Amtskollegin im Regierungsrat, Rita Fuhrer (SVP).

Am Mittwoch im Stadtparlament war eine mögliche Polizeifusion jedenfalls kein Thema. Doch das Vorgehen der Stadtpolizei bei Ausschreitungen dürfte bald wieder für Gesprächsstoff sorgen. Für den 20. November haben aktivistische Gruppen zu einem friedlichen «Jugendstreik» aufgerufen, der in verschiedenen Schweizer Städten stattfinden soll. In Zürich ist die Durchführung beim Landesmuseum geplant – eine Bewilligung sei eingereicht worden.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Isabel Heusser

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