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Die EU will neue Eisbrecher und mehr Schutz vor russischer Sabotage – aber noch ist ihre neue Arktis-Strategie diffus

US-PrĂ€sident Trump wollte noch unlĂ€ngst Grönland annektieren – was zu einem ZerwĂŒrfnis mit Europa gefĂŒhrt hat. Doch davon ist in der neuen Arktis-Strategie der EU keine Rede.

21.10.2026, 05.30 Uhr

4 Leseminuten


Wegen des Klimawandels sind im hohen Norden immer mehr Schiffsrouten befahrbar.

Wegen des Klimawandels sind im hohen Norden immer mehr Schiffsrouten befahrbar.

Mads Claus Rasmussen / Imago

Lange Jahre war die Arktis ein weitgehend vergessener Flecken Erde. Doch mit dem fortschreitenden Klimawandel und den zunehmenden geopolitischen Spannungen hat sich dies radikal geÀndert. In dieser Gemengelage will sich auch die EuropÀische Union neu positionieren, schliesslich gehören ihr mit Schweden, Finnland und DÀnemark drei der insgesamt acht Arktis-Staaten an. Auch zu Norwegen, Island, Kanada und den USA hat sie eine enge Bindung.

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Am Dienstagnachmittag hat die EU-Kommission deshalb eine neue Strategie vorgestellt, anhand deren «in mehr Sicherheit, eine widerstandsfÀhige Infrastruktur und wirtschaftliche Chancen» investiert werden soll, wie PrÀsidentin Ursula von der Leyen sagte.

Maritimer Sicherheits-Hub

In erster Linie gilt dies in sicherheitspolitischer Hinsicht. GemĂ€ss EU-Beamten hat Russland seine militĂ€rische PrĂ€senz in der Region stetig ausgebaut – insbesondere auf der Halbinsel Kola, die ein wichtiger Standort fĂŒr die nukleare Abschreckung und fĂŒr die U-Boot-Flotte ist. Sollten die Waffen in der Ukraine eines Tages schweigen, könnten weitere militĂ€rische FĂ€higkeiten umdisponiert werden, was die Lage im hohen Norden nur noch explosiver machen wĂŒrde.

Hinzu kommen die verdeckten Operationen, die Russland zugeordnet werden. Die EU spricht von Drohnenangriffen, der Störung globaler Satellitensysteme, Sabotage von Unterseekabeln und zunehmendem Verkehr der Schattenflotte.

Als Massnahme will die EU-Kommission die ÜberwachungsfĂ€higkeiten und den Schutz der Unterwasserinfrastruktur ausbauen. GemĂ€ss Strategiepapier soll ein «maritimer Sicherheits-Hub» entstehen, der unter anderem mit satellitengestĂŒtzten Daten die Schattenflotte und die illegale Fischerei im Blick hĂ€lt.

Ost-West statt Nord-SĂŒd

Die militĂ€rische wie auch zivile MobilitĂ€t soll durch neue Transportkorridore ergĂ€nzt werden. Ein Bestandteil davon ist etwa die Anpassung der Spurweite des nordfinnischen Eisenbahnsystems. All dies solle in vollstĂ€ndiger KompatibilitĂ€t mit den VerteidigungsplĂ€nen der Nato geschehen, betonte Jozef Sikela, der EU-Kommissar fĂŒr internationale Partnerschaften.

Nicht zuletzt will die EU die Eisbrecherflotte ihrer Mitgliedstaaten besser erfassen und beim Ausbau mithelfen. Dabei ist bedeutsam, dass sich die Arktis fast viermal so schnell erwĂ€rmt wie der globale Durchschnitt. Einst unpassierbare Routen sind aufgrund der dĂŒnneren oder gar inexistenten Eisschicht nun befahrbar. GemĂ€ss der britischen Fachpublikation «Lloyd’s List» haben im September dieses Jahres mehr als vier Mal so viele Schiffe die Nordroute benutzt wie noch im Jahr 2022 – was allerdings auch auf die durch den Iran-Krieg bedingten EinschrĂ€nkungen im Nahen Osten zurĂŒckzufĂŒhren ist.

Wie viel kostet es?

Unter dem Strich bleibt die neue Arktis-Strategie der EU allerdings reichlich diffus: Die EU-Kommissare konnten am Dienstag keine Summe nennen, die fĂŒr den Ausbau der FĂ€higkeiten notwendig wĂ€re. Auch ist unklar, ob im mehrjĂ€hrigen Finanzrahmen, der derzeit verhandelt wird, zusĂ€tzliche Mittel vorgesehen sind. «Das ist nun der erste Schritt», sagte Sikela.

Noch nebulöser ist die Lage bei den Eisbrechern – es ist nicht einmal klar, wie gross der gegenwĂ€rtige Bestand der Mitgliedstaaten ist. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas sprach von «ungefĂ€hr 10» Schiffen, wobei manche nicht arktistauglich seien. Zum Vergleich: Russland besitzt gemĂ€ss Angaben von EU-Beamten rund 40 Eisbrecher.

Ob die EU kĂŒnftig mit gemeinsamen Mitteln neue Schiffe beschaffen möchte oder ob die Mitgliedstaaten ihre Ressourcen stĂ€rker teilen sollen, bleibt offen. Bis anhin verfĂŒgt in Europa Finnland ĂŒber die umfangreichste Flotte und die grössten ProduktionskapazitĂ€ten – die auch beim amerikanischen PrĂ€sidenten Donald Trump Begehrlichkeiten geweckt haben.

Lob fĂŒr Grönland-Abkommen

Dass das Gerangel um die Eisbrecher und allgemein die stĂ€rkere Orientierung der EU in Richtung Arktis zu neuerlichen Spannungen mit den USA fĂŒhren könnte, weisen die europĂ€ischen Vertreter von sich. Man wolle das «transatlantische, auf gemeinsamen Interessen und Werten beruhende Engagement» fortsetzen, heisst es in den Dokumenten. Über den Eklat rund um die Arktis-Insel Grönland, der die Nato in eine Krise gestĂŒrzt hat, ist in den Dokumenten kein negatives Wort zu finden – im Gegenteil. Das amerikanisch-dĂ€nisch-grönlĂ€ndische Abkommen von September stĂ€rke die gemeinsame Sicherheit in der Arktis, betont die EU.

Die nun prĂ€sentierte Arktis-Strategie ist nicht die erste, die letzte stammt von 2021. Damals war die Welt – unter demokratischer PrĂ€sidentschaft in den USA und vor der Invasion Russlands in der Ukraine – aber noch eine andere. Vor fĂŒnf Jahren schrieb die EU noch, dass sie eine «multilaterale rechtliche Verpflichtung» bei der Erschliessung von fossilen EnergietrĂ€gern anstrebe.

Die EU-Kommission betont, dass ihre Mitgliedstaaten weiterhin keine Kohle, kein Öl oder Gas in der Arktis fördern wĂŒrden und entsprechende Produkte auch nicht gekauft wĂŒrden. Aber von einem Moratorium ist keine Rede mehr. Ein EU-Beamter erklĂ€rt dies damit, dass sich die RealitĂ€ten eben geĂ€ndert hĂ€tten und multilaterale Abkommen deutlich schwieriger zu erreichen seien. Wer will, kann immerhin da eine leise Kritik an den USA herauslesen.

5 Kommentare

Bernd Klebelsberg

Heute

1 Empfehlung

Ja, „diffus“ ist so ziemlich alles was seit mindestens einem Jahrzehnt aus den Sprechmaschinen der EU kommt. Und zunehmend wird dieses „Diffus“ als nur lĂ€cherliche Kompetenz des Wolkenkuckucksheimes wahrgenommen. Schade, denn eine EU hĂ€tte Potential gehabt wĂ€re sie nicht zum bevorzugten Habitat der politbĂŒrokratischen Kaste verkommen.

Werner Haidenthaler

Heute

Die EU besitzt exakt das Wesen einer echten BĂŒrokratie, sie lebt vom fremden Geld, existiert durch Fremdbestimmung, entscheidet fremd gesteuert, funktioniert nur um sich selbst zu beschĂ€ftigen und weiß dass sie so diejenigen ĂŒberleben wird die gewĂ€hlt werden mĂŒssen um zu ĂŒberleben.

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Der amerikanische PrĂ€sident will den Einfluss Russlands und Chinas am Nordpol zurĂŒckdrĂ€ngen. Doch ohne eisgĂ€ngige Schiffe wird das nichts. Jetzt ist er auf die Hilfe Finnlands angewiesen.

Source: Neue ZĂŒrcher Zeitung · Antonio Fumagalli

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