«Roads? Where we're going, we don't need roads». Dieser legendäre Satz aus dem Film «Back to the future» scheint 2026 Wirklichkeit zu werden. Elon Musk hebt nicht nur ab, er klebt mit seinem neuesten Auto wie eine Stubenfliege an der Wand. Wo ist die Fliegenklatsche?

24.10.2026, 12:29

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Simon Enzler

Kabarettist

Die Kunst von Simon Enzler lebt von der Exotik seines markanten Appenzeller Dialektes, aber genauso von seinen präzisen, vielfältigen und politischen Beobachtungen, die er mit einer unvergleichbaren Lockerheit vorzutragen weiss. Den Salzburger Stier erhielt er 2007, aktuell ist er mit seinem elften Programm «brenzlig» auf Tour.

Der neue Tesla Roadster ist eine martialische Flunder mit Kaltgasraketenantrieb. Das Ding kann sogar kurzzeitig fliegen. Was mich nicht beeindruckt. Dies gelang mir schon vor Jahren zwischen Herisau und Abtwil, mit Schwung über den Bahnübergang der Appenzeller Bahn. Es existiert sogar ein Fotobeweis. Geschossen knapp nach der Landung von einem mobilen Blitzer. Und erst noch ohne Supersportwagen, sondern mit einem alten Golf-Kombi. Occasion.

Der neue Tesla fährt Wände hoch und bleibt überhängend kleben. Genau wie mein Fensterputzroboter.

Bemerkenswert ist, dass Musk solche Flugeinlagen mit der Präzision einer bemannten Mondlandung auf den Markt bringt. Dank Unterdruckventilatoren fährt der neue Tesla Wände hoch und bleibt überhängend kleben. Genau wie mein Fensterputzroboter. Ist das nun sinnvoll? Vielleicht für Innenstädte, in denen es immer weniger Parkplätze gibt. Da könnte man sein Gefährt direkt im dritten Stock parken und husch durchs Fenster ins Büro steigen. Verdichtetes Parken.

So ein Senkrecht-Tesla mit Putzlappen am Frontspoiler wäre durchaus für die Reinigung von Staumauern geeignet. Warum nicht? Der tiefere Sinn solcher Fahrzeuge kann doch nicht einfach darin bestehen, dass ein paar auserlesene Milliardärskollegen auf Golfplätzen und Privatinseln Partytricks vorführen. Es wäre schön, wenn eine solche Maschine einen sinnvollen Nutzen hätte. Mit Hochdruck Kartoffeln stecken, oder in Zürich – trotz Laubbläserverbot – die Strassen sauber halten.

In der einen Hand den Joystick, in der anderen einen Landjäger.

Genau betrachtet, ist der neueste Tesla schlicht eine Drohne. Aus dem Ukrainekrieg weiss man um deren Wichtigkeit in der modernen Konfliktbewältigung. Die Schweizer Luftwaffe müsste sich dessen bewusst werden. Für die rund 6 Milliarden, die für neue Kampfjets veranschlagt sind, könnte man schätzungsweise 1200 Tesladrohnen anschaffen. Gut verhandelt, vielleicht sogar achtfach bereift.

Schweizer Soldaten, gemütlich im Hinterland sitzend, könnten diese digitalen Streitwagen über grenznahe Strassen und Wege Richtung Feind fernsteuern. In der einen Hand den Joystick, in der anderen einen Landjäger. Um dann, wenn das Ziel erfasst wäre, in einen swisscom-mässigen Angriff überzugehen. «Die letzte Meile im Flug».

Ich plädiere, dass man zusätzlich zur Promillegrenze einen Höchstwert für Testosteron einführt.

Klingt abenteuerlich. Aber Autos als Waffen sind laut Unfallstatistiken von Junglenkern nichts Neues. Wenn ein 20-jähriger, unerfahrener Leasingnehmer mit einem 600‑PS-Boliden mit 100 km/h durch die 30er-Zone brettert, kommt das einer geladenen Pistole gleich, die auf einen Kinderwagen gerichtet ist. Wenn so einer die Fahrprüfung – wie auch immer – besteht, stellt man ihm eigentlich keinen Fahrausweis aus, sondern einen Waffenschein. Deshalb plädiere ich dafür, dass man zusätzlich zur Promillegrenze auch einen Höchstwert für Testosteron einführt.

Apropos Testosteron: Es überrascht nicht, dass so eine hirnverbrannte Science-Fiction-Karre von jenem Mann gebaut wird, der momentan schätzungsweise 14 Kinder von mindestens vier Frauen hat. Man sollte besorgt sein, was so einer, nach der möglichen Fusion von SpaceX und Tesla, sonst noch alles in der Pipeline hat.

Person in schwarzem Hemd mit rotem Papier in Glühbirnenform und Papierflieger.
Legende: SRF

Die sieben Autorinnen und Autoren sind mit ihren satirischen Wochenbetrachtungen neu auch als Videopodcast auf YouTube, auf Play SRF und in der SRF News App zu sehen. Auf Radio SRF 1 und im Podcast bleibt die «Zytlupe» wie gewohnt zu hören.

SRF 1, Zytlupe, 24.10.2026, 13:00 Uhr; noes

Source: SRF · Eine Glosse von Simon Enzler

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