Die Erde steuert laut den Vereinten Nationen auf 2,8 Grad Erwärmung zu
Das Pariser Klimaabkommen will die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen. Nach heutigem Stand wird das verfehlt, weil die bisherigen Massnahmen nicht ausreichen. Die Erwärmung könnte aber geringer ausfallen als erwartet.
21.10.2026, 07.28 Uhr
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Die USA sind nach China der zweitgrösste Verursacher von Treibhausgasen. Im Bild ein Kraftwerk im Gliedstaat Ohio.
Carolyn Kaster / AP
(dpa) Die Erde steuert laut den Vereinten Nationen mit der aktuellen weltweiten Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Jeder Bruchteil eines Grades über 1,5 Grad erhöhe das Risiko für tödliche Fluten, Hitzewellen und Waldbrände, wie sie in diesem Jahr viele Länder erlebt hätten, sagte Inger Andersen, die Direktorin des Uno-Umweltprogramms (Unep) mit Sitz in Nairobi.
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Die Weltgemeinschaft wollte die Erderwärmung eigentlich bei 1,5 Grad begrenzen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.
Mit der Prognose von 2,8 Grad hat sich der Pfad der Weltgemeinschaft seit dem vergangenen Jahr diesmal nicht verbessert. Geht man davon aus, dass alle Länder ihre angekündigten Klimaschutzmassnahmen auch wirklich umsetzen, würde sich die Erde laut der Uno-Berechnung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,6 Grad erwärmen. Dies ist sogar eine Verschlechterung gegenüber dem im letzten Jahr festgestellten Kurs – damals lag diese Prognose bei bis zu 2,5 Grad.
Durch den Rückzug der USA noch schlechter als im Vorjahr
Dies liegt laut dem Bericht vor allem am Rückzug der USA, die sich von ihren vorherigen Klimaschutzplänen unter Präsident Donald Trump vollständig verabschiedet haben. Da die USA nach China der zweitgrösste Verursacher von Treibhausgasen sind, spiegelten sich solche politischen Veränderungen direkt in weltweiten Schätzungen wider, erklären die Autoren. Zudem seien Daten zum bisherigen Ausstoss von Treibhausgasen nach oben korrigiert worden.
Selbst im optimistischsten berechneten Szenario, in dem alle Länder ihre Klimapläne einhalten und ihre angestrebten Klimaneutralitätsziele erreichen, würde sich die Erde bis zum Jahr 2100 um 2,1 Grad erwärmen, heisst es weiter.
Das liegt weit über den angestrebten 1,5 Grad. Dieses Ziel gilt zwar noch nicht offiziell als verfehlt, da dafür die 1,5-Grad-Grenze langfristiger überschritten werden müsste. Doch die Welt befindet sich auf dem Weg dorthin: Der EU-Klimawandeldienst Copernicus sieht für die Jahre 2023 bis 2025 erstmals für einen Dreijahreszeitraum eine durchschnittliche Erwärmung von mehr als 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter.
Experten gehen mittlerweile überwiegend davon aus, dass die Grenze nicht gehalten werden kann. Die letzte Hoffnung richtet sich daher nun darauf, das Überschreiten der 1,5-Grad-Marke so kurz wie möglich zu halten – und die klimaschädlichen Emissionen so weit zu verringern, dass die Temperatur wieder absinkt.
«Eine Überschreitung bedeutet keine Kapitulation. Wir können sie immer noch so gering und so kurz wie möglich halten – und die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts wieder unter 1,5 Grad senken», betont Uno-Generalsekretär António Guterres anlässlich des Berichts.
Emissionen müssten schnell sinken
Der Bericht zeigt die Herkulesaufgabe, die diese Kehrtwende bedeutet, genauer auf: Die weltweiten Treibhausgasemissionen müssten deutlich sinken, um zum Ende des Jahrhunderts wieder bei 1,5 Grad oder darunter zu landen – nämlich um 18 Prozent bis 2030, um 45 Prozent bis 2035 und um 69 Prozent bis zum Jahr 2040, alles verglichen mit dem Niveau von 2025.
Solch eine steile Abwärtskurve ist nicht absehbar: Selbst wenn die Länder all ihre geplanten Klimaschutzmassnahmen umsetzen, würden die Emissionen laut der Uno-Berechnung bis 2030 nur um bis zu 8 Prozent sinken – und bis 2035 um bis zu 15 Prozent.
Zudem müssten grosse Mengen CO₂ der Atmosphäre entzogen werden. Dies gilt unter Klimaforschern mittlerweile als unerlässlich, ist aber mit enormen technologischen und anderen Hürden verbunden und äusserst teuer.
Die Unep-Direktorin Andersen warnt: «Wir müssen alle Register ziehen, um den Höchstwert der Erwärmung so gering wie möglich zu halten und bis zum Ende des Jahrhunderts wieder auf 1,5 Grad zu kommen. Das ist möglich.»
Es gebe mittlerweile etliche Erfolgsgeschichten, wie Emissionen schnell verringert werden könnten. Der Bericht verweist darauf, dass seit dem Pariser Klimaabkommen die erneuerbaren Energien etwa dreimal so schnell zugelegt hätten, wie dies damals erwartet worden sei. «Es liegt nun an den Staaten, dringend Massnahmen zu ergreifen, die zu schnellen, tiefgreifenden und nachhaltigen Emissionssenkungen führen und die Welt auf den Weg zu einem stabileren Klima sowie stabileren Volkswirtschaften und Gesellschaften bringen.»
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Source: Neue Zürcher Zeitung
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